Köllner, Bornemann und der FCN: Ein branchenüblich banales Ende

12.2.2019, 00:43 Uhr
Lange hielt Andreas Bornemann (re.) an Michael Köllner fest, nun spielen beide keine Rolle mehr in der sportlichen Zukunft des 1. FC Nürnberg.

Lange hielt Andreas Bornemann (re.) an Michael Köllner fest, nun spielen beide keine Rolle mehr in der sportlichen Zukunft des 1. FC Nürnberg. © Sportfoto Zink / DaMa

Michael Köllner wusste, wie alles ausgehen kann, er kokettierte nach dem Aufstieg des 1. FC Nürnberg mit seinem Rücktritt – um nicht eines Tages "vom Hof gejagt" zu werden, wie der Trainer im Mai sagte. Jetzt ist es passiert, aber Köllner kann aufrecht gehen, er hat sich unstrittige Verdienste um den Verein erworben. Dieser Aufstieg der Unterschätzten war eine romantische Geschichte, nur das Ende ist branchenüblich banal. 15 Spiele ohne Sieg überstehen Bundesliga-Trainer sehr selten, auch nicht in diesem gallischen Dorf, das der von überlegener Konkurrenz umstellte 1. FC Nürnberg sein wollte.

Die Entlassung des verdienten Aufstiegs-Trainers hatte sich zwei Tage lang angedeutet, sie ist die Konsequenz aus einer Entwicklung, die nach dem Herbst vergangenen Jahres keine Fortschritte mehr brachte.

Der Club blieb jener "ganz kleine Erstligist", den Andreas Bornemann mit diesen Worten in die große Mission führte. Der Sportvorstand hätte trotzdem im Amt bleiben können, dass er am gemeinsam mit Köllner eingeschlagenen Kurs bis zur gemeinsamen Beurlaubung festhielt, ehrt Bornemann. Er verteidigte den Trainer bis zum bitteren Ende und muss nun mit Köllner gehen. 

Lange Debatten und eine Entscheidung

Der Aufsichtsrat musste handeln, das Gremium vertritt die höchste Instanz des eingetragenen Vereins, die Mitglieder, und die waren nach einem ordentlichen Saisonstart zunehmend beunruhigt ob der fußballerischen Stagnation und der konträr zu den Resultaten stehenden Analysen der Sportlichen Leitung. Die Aufsichtsräte haben nach stundenlangen Debatten nach bestem Wissen und Gewissen entschieden – ob richtig oder falsch, weiß man beim Fußball immer erst hinterher.

Nach einem neuen Finanzvorstand – erst im Herbst löste Nils Rossow den nach Wolfsburg gewechselten Michael Meeske ab – braucht der Club nun einen neuen Sportvorstand, die Zäsur ist groß und zeigt, dass die Vereinsstrukturen einer Reform bedürfen. Denn nun hängt viel vom neuen Trainer ab – und es fehlt an Kompetenz bei der Suche. Der Aufsichtsrat ist für das sportliche Tagesgeschäft per Definition nicht zuständig, muss aber kurzfristig doch diese Aufgaben erfüllen. Bis ein neuer Sportchef berufen ist, existiert ein Vakuum, der Verein muss darüber nachdenken, sich mehr sportliche Erfahrung in die erweiterte Führung zu holen. 

 

 

 

Von beiden – dem künftigen Sportvorstand und dem neuen Trainer – hängt sehr viel ab. Die nächsten Monate entscheiden nicht nur über die Ligazugehörigkeit, sondern vor allem auch über den Rückhalt des 1.FC Nürnberg im eigenen Anhang und bei (potenziellen) Partnern, die Art, wie sich der Club präsentiert, könnte im Abstiegsfall auch für den nächsten Neustart in der zweiten Liga große Bedeutung haben.

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