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Köllner kontert Kritik am Club-Training

Verletzungmisere beschäftigt den 1. FC Nürnberg - 29.03.2017 05:55 Uhr

Hier ist die Erwiderung: Club-Interimscoach Michael Köllner sieht die Kritik nach dem langfristigen Ausfall von Dennis Lippert kritisch.

28.03.2017 © Sportfoto Zink / WoZi


 "Das tut mir unendlich leid. Ich kenne den Jungen ja von klein auf und hatte mich riesig gefreut, dass er jetzt bei den Profis zum Zug gekommen ist", betont der Interimstrainer des FCN in der Causa Lippert, der nun mehrere Monate auf den talentierten Linksverteidiger verzichten muss. 

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Erschwerend komme hinzu, dass Lippert in seiner Karriere bislang nie ernsthaft verletzt war. "Das kennt der gar nicht", sagt Köllner, "der hat hier seit der U17 nur ein einziges Spiel verpasst." Das Gefühl, plötzlich nicht mehr zur Mannschaft zu gehören, sei "gerade für die Psyche brutal", weiß der Coach, "aber das sind eben die Schattenseiten des Leistungssports, das muss man so hinnehmen".

Muss man nicht, findet Thomas Mohr, und diese Sichtweise tat der hierzulande eher unbekannte Athletiktrainer anlässlich der akuten Nürnberger Verletzungsmisere – neben Lippert und Dauerpatient Patrick Erras laborieren derzeit auch Shawn Parker, Cedric Teuchert und Abdelhamid Sabiri an Meniskus- oder Kreuzbandblessuren – nun in einem Interview mit der Bild-Zeitung kund. Mohr, ein Globetrotter, der bereits in Katar, Dubai, Tunesien, Südkorea, Marokko, Ungarn, der Türkei und China Fußballer fit machte, hatte den damals noch von Alois Schwartz betreuten Club im Januar während des Trainingslagers in Spanien beobachtet. Und kam nun zu dem Schluss, dass die häufigen Knieverletzungen "ganz sicher nicht" nur Zufall oder Pech geschuldet seien.

Rundumschlag von außerhalb

Generell kritisiert der 50-Jährige die seiner Meinung nach völlig falschen Trainingsmethoden im deutschen Fußball, die der Bundesliga laut Statistik doppelt so viele malade Profis wie in England, Frankreich oder Spanien bescheren würden. Darum müsse man "Trainingsplanung- und -steuerung, das Konditionstraining, die Regenerationsphasen, die Absprachen mit der medizinischen Abteilung oder auch die Ernährung hinterfragen", fordert Mohr in seinem forschen Rundumschlag.

"Oberflächlich, unreflektiert und unfundiert"

Köllner lässt das Pauschalurteil des aus Frankfurt stammenden Fitnessexperten allerdings völlig kalt. "Ich weiß ja nicht, ob der es tatsächlich schafft, jeden Tag bei jedem Bundesligisten im Training zuzuschauen", kontert der Oberpfälzer süffisant, Mohrs Aussagen findet er deshalb "sehr oberflächlich, unreflektiert und unfundiert". Es sei doch klar, dass jeder Verein "alles dafür tut, um seine Verletztenstatistik so klein wie möglich zu halten. Die Spieler sind schließlich das kostbarste Gut."

Das sei auch am Valznerweiher nicht anders. "Man hinterfragt sich ständig, versucht, die Wissenschaft mit einzubeziehen und Sachen zu optimieren", betont Köllner, der in seinen zwölf Jahren beim DFB "einigen Input von Fachleuten" bekommen hat und auch über hilfreiche Kontakte und Netzwerke verfügt.

Entscheidend sei aber vor allem "eine konzentrierte Saisonvorbereitung ohne Störfaktoren", sagt der 47-Jährige, "wenn du dann das ganze Jahr konzeptionell gut arbeiten und kontinuierlich aufbauen kannst, gibt es keine Probleme". Oder es ist dann vielleicht letztlich doch nur: der unkalkulierbare Faktor Pech.

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Uli Digmayer

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