Kommentar: Personelle Konsequenzen beim FCN sind unvermeidlich

29.6.2020, 06:03 Uhr

Nur gut, dass es noch den Hamburger SV gibt. Dessen groteskes Scheitern im Endspurt dürfte bundesweit den meisten Spott auf sich ziehen. Dabei steht ein gewisser 1. FC Nürnberg dem zur Lachnummer mutierten einstigen Bundesliga-Dino in seinem desaströsen Tun kaum nach. Angetreten, um zumindest im Vorderfeld der 2. Liga mitzumischen, endet die reguläre Saison für den Club auf dem Relegationsrang. Was ja gar nicht so schlecht wäre, würde es sich nicht um die Abstiegsrelegation handeln. Ohne die erhoffte Fürther Schützenhilfe war das 1:1 in Kiel dank einer zuvor fahrlässig verhunzten Tordifferenz zu wenig.


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Und es steht zu befürchten, dass das finale Frustkapitel erst noch geschrieben wird. Denn egal, welcher ambitionierte Herausforderer nun wartet, einen letzten Kraftakt für den Klassenerhalt mag man dieser labilen Ansammlung an Einzelspielern kaum mehr zutrauen. Objektiv betrachtet wäre der Durchmarsch in die Drittklassigkeit auch nur logische Konsequenz einer Katastrophensaison, die selbst den erklärten Spezialisten für Fußballkatastrophen historisch schlecht aussehen ließ.

Schon der trostlose Bundesliga-Abstieg 2019 war keineswegs ein so unabwendbares Schicksal, wie es gerne suggeriert wurde, konnte aber noch generös verziehen werden. Der Weg, den der Club 100 Jahre nach seiner ersten Meisterschaft dann genommen hat, dürfte Stuhlfauth & Co. aber in ihren Gräbern rotieren lassen. Mit Robert Palikuca installierte der Aufsichtsrat auf dem elementar wichtigen Posten des Sportvorstands einen ehrgeizigen Rookie, der prompt bei der Kaderplanung überfordert war und auch bei der Wahl seiner Trainer daneben lag. Weder dem spröden Damir Canadi noch dem emotionslosen Jens Keller gelang es, den mit nicht wenig Geld zusammengewürfelten Haufen zu einem funktionierenden Kollektiv zu formen.

Nun steht der Verein vor einem Balanceakt am Abgrund. Als wäre die Corona-Krise nicht schon Bürde genug, würde das Geldgrab 3. Liga den mühsamen Konsolidierungskurs ad absurdum führen, mit wohl existenziellen Folgen. Doch selbst wenn das Worst-Case-Szenario abgewendet werden kann, sind personelle Konsequenzen unvermeidlich. Die Frage ist nur, ob man sie nicht gleich ziehen sollte. Denn anders als dem HSV bleibt dem Club noch: eine letzte Chance.

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