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Kosten, Ausrüstung, Sicherheit: Profi-Kitesurfer gibt Anfängern Tipps

27.8.2021, 12:00 Uhr
Kitesurfen sieht ziemlich eindrucksvoll aus - vor allem, wenn ein Profi wie Florian Gruber mit seinem Raceboard durch das Wasser pflügt. Viele motiviert das, den Sport selbst auszuprobieren.

Kitesurfen sieht ziemlich eindrucksvoll aus - vor allem, wenn ein Profi wie Florian Gruber mit seinem Raceboard durch das Wasser pflügt. Viele motiviert das, den Sport selbst auszuprobieren. © Foto: Alex Schwarz

Florian Gruber ist ein bisschen unzufrieden. Bei der Deutschen Meisterschaft Mitte August in St. Peter Ording ist er Zweiter geworden. Für andere ein Erfolg, für ihn eine Niederlage. Wer in seiner Sportart achtmal Weltmeister war und bei internationalen Rennen regelmäßig in die Top Fünf fährt, will nicht Deutscher Vizemeister sein. Er will den Titel. Diesmal hat das nicht geklappt, die Fertigstellung seiner Bachelorarbeit und eine Verletzung am Daumen hielten ihn wochenlang vom Training ab.

Seit frühester Jugend ist der 27-Jährige, der abwechselnd am Brombachsee und in Garmisch-Partenkirchen wohnt, begeisterter Kitesurfer. Und obwohl er seit Jahren zur Weltspitze gehört, hat er noch einen Blick für die Probleme der Anfänger. Schließlich gibt er in der Surfschule seines Vaters auf der Badehalbinsel in Absberg selbst ab und zu Kurse. Er kennt die Fragen, die sich Interessierte vor dem ersten Mal auf dem Kiteboard stellen. Der Sport ist beliebt, die Anzahl der Neueinsteiger weiter hoch. Damit sie gut vorbereitet sind, hat er gemeinsam mit unserer Sportredaktion die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Warum sollte man überhaupt mit dem Kitesurfen anfangen?

In erster Linie, weil man immer an der frischen Luft ist, findet Florian Gruber. Schließlich ist Kitesurfen ein reiner Outdoor-Sport. "Außerdem hat man immer gleich zwei Elemente, die man bändigen muss: den Wind und das Wasser", sagt er. Unter Kitesurfern heißt es außerdem, dass nur Fliegen schöner sei. Mit den weiten Sprüngen, die für erfahrene Kiter möglich sind, kommt man dem sogar recht nahe.

Ist das ein Sport, den jeder machen kann?

Ja, auf jeden Fall. Aber wie in so vielen Sportarten gilt auch hier, dass sich sportliche und bewegungsaffine Menschen leichter tun dürften. Trotzdem sollten sich auch weniger Trainierte nicht gleich entmutigen lassen. "Hier auf dem Brombachsee gibt es einen, der sicher 150 Kilo wiegt, und sogar bei Sturm kitet", berichtet Profi Gruber. Der Knackpunkt beim Kitesurfen ist, dass der Surfer gleichzeitig das Board und den Drachen kontrollieren muss. "Das ist ein bisschen wie Lenkdrachen fliegen und Wakeboarden kombiniert", sagt Gruber.

Erfahrung aus dem Windsurfen hilft

Was ist mit älteren Sportlern?

Auch die können noch erfolgreich auf dem Board stehen. "Mein ältester Kite-Schüler war 75. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Wer fit ist, kann das wirklich lange machen", findet Gruber. Er betont außerdem, dass man gar nicht so viel Kraft in den Armen braucht, wie manchmal vermutet wird. Gute Technik ist wichtiger als ein dicker Bizeps. Vorerfahrung aus dem Windsurfen kann aber am Anfang helfen, "weil man dann schon ein Gefühl für den Wind hat". Inzwischen gibt es aber viele Sportler, die ganz ohne Windsurf-Erfahrung mit dem Kiten beginnen.

Die Grundausrüstung auf einen Blick: Oben das Surfboard, in der Tasche unten rechts versteckt sich der Kite. Links davon liegen die Bar (Stange zum Festhalten) sowie der Trapezgurt, den sich der Kitesurfer umlegt.

Die Grundausrüstung auf einen Blick: Oben das Surfboard, in der Tasche unten rechts versteckt sich der Kite. Links davon liegen die Bar (Stange zum Festhalten) sowie der Trapezgurt, den sich der Kitesurfer umlegt. © Foto: Dominik Mayer

Wie lernt man Kitesurfen am besten?

Es empfiehlt sich auf jeden Fall der Besuch einer Surfschule, die Kurse für Kitesurfer anbietet. So wie die von Grubers Vater Erwin auf der Absberger Halbinsel direkt am Kleinen Brombachsee. "Wer den Sport schnell lernen will, der sollte aber am besten in ein Revier gehen, wo man konstant Wind und stehtiefes Wasser hat, zum Beispiel auf Rügen", rät Gruber. Auch dort gibt es mehrtägige Kurse, die in der Regel wenige hundert Euro kosten. Das flache Wasser erleichtert es Anfängern, aufs Board zu steigen, wenn sie runtergefallen sind. So kann man innerhalb einer Woche ordentlich fahren lernen. Natürlich ist es ebenso möglich, Kurse und Privatstunden auf einem Binnengewässer zu buchen. Ganz ohne Anleitung lässt sich das Kitesurfen aber nicht lernen.

Welche Ausrüstung braucht man?

Ganz am Anfang keine, in den Kursen wird meist das Material gestellt. Danach empfiehlt Gruber zwei Kites. Einen mit um die 15 Quadratmeter Fläche für schwachen Wind und einen kleineren mit zehn bis zwölf Quadratmeter Fläche, der zum Einsatz kommt, wenn es mal kräftiger weht. Zusätzlich braucht es natürlich das Board, auf dem der Kitesurfer steht. Außerdem die Stange, genannt Bar, an der man sich, beziehungsweise den Kite, festhält. Der Trapezgurt, der ebenfalls unverzichtbar ist, sorgt dafür, dass Surfer und Drachen fest verbunden sind. "Ein Neoprenanzug ist auch sinnvoll, gerade, weil man am Anfang noch oft im Wasser ist", rät Gruber.

Nicht überall ist Kitesurfer erlaubt

Das ist ganz schön teuer, oder?

Kann man so sagen. "Ein Kite kostet im Schnitt um die 1500 Euro", weiß Gruber. Für das Board sind 500 bis 800 Euro zu rechnen, die Bar schlägt mit rund 500 Euro zu Buche. Rechnet man die gesamte Grundausrüstung zusammen, sind an die 5000 Euro durchaus nicht unrealistisch. Gerade bei den Kites gibt es aber auch gute gebrauchte Modelle auf dem Markt. Der Kitesurf-Profi rät, diese Möglichkeit auf jeden Fall zu prüfen. "Man kann viel Geld sparen, wenn man nicht das neueste Design haben will", sagt er. Auch Vorjahresmodelle, die die Hersteller günstiger abverkaufen, können eine Alternative sein.

Kann man auf jedem See kitesurfen?

"Ja, grundsätzlich schon, es ist aber nicht überall erlaubt", sagt Gruber. Auf manchen Gewässern muss man zudem den Kitesurf-Grundschein des Verbandes Deutscher Wassersport Schulen (VDWS) vorweisen. Eine Art Seepferdchen für Kitesurfer, das dem Inhaber bescheinigt, sein Sportgerät so zu beherrschen, dass er nicht zur Gefahr für andere wird. "Für den Start sind Wiese oder Sandstrand mit möglichst wenigen Bäumen oder Hindernissen gut. Man braucht genügend Platz", erklärt er. Sofern ausreichend Wind herrscht, lässt es sich auf dem Brombachsee ganz gut kiten, speziell für Ost- oder Westwind ist der See ideal.

Vorsicht bei Gewitter!

Ist Kitesurfen ein gefährlicher Sport?

Ganz schön groß, so ein Kite. Dabei ist das Exemplar, das Florian Gruber da in den Händen hält, noch eher klein. In den schwarzen Schlauch hat der Kitesurfer vorher Luft gepumpt, um den Drachen zu entfalten.

Ganz schön groß, so ein Kite. Dabei ist das Exemplar, das Florian Gruber da in den Händen hält, noch eher klein. In den schwarzen Schlauch hat der Kitesurfer vorher Luft gepumpt, um den Drachen zu entfalten. © Foto: Dominik Mayer

Eigentlich nicht, dennoch kommt es in einzelnen Fällen zu schweren Unglücken, auch mit Todesfolge. Das Sicherheitsniveau sei über die Jahre aber stark gestiegen, erklärt Gruber: "Mit nur zwei Fingern kann man sich heute jederzeit vom Kite trennen." Das ist wichtig, um von dem Sportgerät nicht unkontrolliert mitgezogen und gegen Schiffe, Molen oder Bäume geschleudert zu werden. "Gefährlich wird es aber meistens erst, wenn der Mensch leichtsinnig wird", sagt Gruber. Als Profi geht er selbst bei Orkan aufs Wasser. Anfänger sollten auf solche Ideen natürlich nicht kommen. Und: Sobald ein Gewitter aufzieht, runter vom Wasser!

Welches Wetter ist für Anfänger ideal?

"Ein bisschen Wind braucht es schon, damit der Kite stabil ist. So zwischen Windstärke drei und fünf ist gut, danach wird es zu ruppig", antwortet Gruber. Um den Drachen auch bei starkem Wind noch zu beherrschen, braucht es Übung. Für Anfänger ist das (noch) nichts.

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