Kühler Kopf und heißes Herz: Nürnberger hilft dem FCN

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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12.1.2021, 05:54 Uhr
Der Gute-Laune-Club: Fabian Nürnberger hat just gegen Hamburg getroffen.

Der Gute-Laune-Club: Fabian Nürnberger hat just gegen Hamburg getroffen. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Die Geschichte klingt einfach zu verlockend, als dass man sie nicht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erzählen will. Also: Ein junger Fußballspieler wird in der einen Stadt geboren, heißt aber mit Nachnamen wie ein Bewohner einer anderen Stadt und spielt dann für diese andere Stadt Fußball gegen seine Heimatstadt.

Fabian Nürnberger kommt aus Hamburg und weil der 1. FC Nürnberg, für den der junge Fußballspieler Nürnberger arbeitet, und der Hamburger SV neuerdings regelmäßig Zweitliga-Fußball gegeneinander spielen, ist die Geschichte von Fabian Nürnberger genau so regelmäßig erzählt worden. Vor dem Wochenende, als der HSV wieder einmal beim Club und Nürnberger vorbeigeschaut hat, war das nicht anders.

Dort, wo ein Stürmer stehen muss

Nur einer erlag nicht der Verlockung. Robert Klauß ist allerdings auch kein hauptberuflicher Geschichtenerzähler, sondern Trainer des 1. FC Nürnberg. Er hat aber aus anderen Gründen darauf verzichtet, die Sache mit Nürnberger noch einmal zu thematisieren vorab. Er wollte Fabian Nürnberger nicht noch mehr verrückt machen vor diesem Spiel gegen einen Verein, den er einst als Jugendspieler verließ, weil ihm alles zu viel wurde mit Schule und Fußball.

Die Freude am Fußball fand Nürnberger wieder und sie führte ihn nach Nürnberg, wo sie im vergangenen Herbst seinen Vertrag verlängert haben. Sie haben beim Club nicht das samstägliche Treffen mit dem HSV gebraucht, um sich den Wert Nürnbergers bewusst zu machen. Trotzdem war es schön zu sehen für die Verantwortlichen am Valznerweiher, wie sich Nürnberger gegen den Tabellenführer zu einem Hauptdarsteller eines unterhaltsamen Spiels machte.

Nürnberger traf erst aus der Distanz formschön und etwas unglücklich die Latte des Hamburger Tores, dann nach einem schnellen Angriff von dort aus, wo ein Stürmer stehen muss, zur Führung ins Tor. Nürnberger muss eigentlich nicht dort stehen, wo ein Stürmer stehen muss, er gilt derzeit wieder einmal als Mittelfeldspieler, der sich ständig zwischen den Strafräumen bewegt. Ab und an darf er aber schon auch einmal hinein – und noch besser, wenn das so gut funktioniert wie am Samstag. "Wir haben nach Ballgewinnen sehr gut nach vorne gespielt", sagte dazu Nürnberger sehr lapidar, als er nach seinen Eindrücken zum Spiel gefragt wurde. Über sich selbst sprach er nicht, vielleicht, weil er auch keine Lust mehr hat auf diese Nürnberger-Hamburg-Geschichte.

Beinahe ein Relegations-Held

Es gibt ja inzwischen sehr viel mehr über ihn zu erzählen. Wie sie ihn beim Club anfangs immer mal wieder als Linksverteidiger ausprobiert haben. Wie er dann alle überraschte, als er einmal im defensiven Mittelfeld aufgestellt wurde und dort plötzlich das Spiel seiner Mannschaft sehr erwachsen ordnete. Oder wie ihn Michael Wiesinger im Relegations-Hinspiel gegen den FC Ingolstadt plötzlich wieder nach vorne beorderte und Nürnberger mit zwei Treffern beinahe zu einem Relegations-Helden geworden wäre, wenn nicht das Rückspiel und Fabian Schleusener noch dazwischen gekommen wären.

"Wir haben versucht, ganz gut Fußball zu spielen", sagte Nürnberger am Samstag noch. Dass das inzwischen immer häufiger klappt, liegt auch an ihm, es scheint, als wäre ihm der nächste Schritt gelungen. Immer noch ist er ja erst 21 Jahre jung, trotzdem wirkt er auf dem Platz neuerdings sehr oft wie ein robuster Anführer. "Er hat ein gutes Spiel gemacht", sagte Klauß dazu, "mit der richtigen Mischung aus kühlem Kopf und heißem Herz." Es klang wie die Überschrift zu einer schönen Geschichte.

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