American Football

Alexander Honig über sein erstes Jahr im College-Football bei TCU

8.1.2022, 13:00 Uhr
 Trainiert auch in Nürnberg: Alexander Honig hält sich während seines Heimatbesuchs fit.

 Trainiert auch in Nürnberg: Alexander Honig hält sich während seines Heimatbesuchs fit. © Tansel Berk, NN

Alexander Honig (Jahrgang 2002) hat sein erstes Jahr als Quarterback, American Football, an der TCU in Forth Worth, Texas, hinter sich. Die Weihnachtszeit verbrachte er in Roth bei seiner Familie und hat sich die Zeit genommen, uns von seinem ersten Jahr am College in Amerika zu berichten.

Vor elf Monaten ging das Abenteuer Amerika für dich los. Wie lief's im ersten Jahr?

Es war eine aufregende erste Saison für mich. Das Training und die Spiele dort sind mit dem, was ich aus Deutschland kannte, überhaupt nicht zu vergleichen. Ich selbst wurde im Sommer jäh dadurch ausgebremst, dass ich mir beim entscheidenden Trainingscamp im August, genannt "Fall Camp", direkt vor dem Saisoneinstieg einen Ermüdungsbruch im Fuß eingehandelt habe. Ich hatte meinem Körper offenbar zu viel abverlangt. Und so saß ich während der gesamten Spielsaison von September bis Ende November nur auf der Bank.

Wie geht es dem Fuß inzwischen?

Anfangs hatten wir gehofft, es könnte von selbst ausheilen, doch dann musste Ende Oktober doch operiert werden. Das ist gut verlaufen. Im Augenblick mache ich viele Balance- und Kraftübungen, um den Körper fit zu halten.

Wie war Ihr Jahresablauf insgesamt?

Im Mai war ich noch einmal zu Hause in Roth, dann stand im Juni und Juli viel Training auf der Agenda, zunächst vor allem Athletik - da lag der Schwerpunkt auf der Beinmuskulatur - und dann kam das Fall Camp, das den Feinschliff vor der Saison geben soll. Die Saison ist dann relativ kurz von September bis Ende November.

Wie genau können wir uns das Training vorstellen?

Das Training im Fall Camp und dann während der Saison ist sehr fordernd - physisch und mental. Es geht oft den ganzen Tag: Spielzüge planen, Taktik besprechen, den Gegner analysieren. Da sitzen wir zusammen, schauen Videos und die Trainer sprechen dich an: "Wie würdest du in dieser Situation reagieren?" - Und wenn du dann nicht aufgepasst hast, dann macht das natürlich einen sehr schlechten Eindruck.

"Jeder macht mal Fehler. Das hat mir viel Druck genommen"

Was war Ihre Rolle - Sie konnten ja nicht mitspielen - und wie sind die Aussichten jetzt?

Bei den Auswärtsspielen war ich tatsächlich auch nicht mit an Bord, bei den Heimspielen natürlich schon. Da war ich bei jedem Meeting dabei und habe richtig viel gelernt. Als Quarterback ist für mich das Mentale und die Spieltaktik natürlich elementar. Wirklich verloren habe ich durch den Verletzungs-Ausfall bisher nichts. Wir gehen hier fünf Jahre aufs College und ich darf maximal vier Jahre spielen. Dieses erste Jahr zählt nun für mich nicht dazu, so dass ich hoffentlich jetzt vier aktive Spieljahre vor mir habe.

Träumt von seinem ersten Spiel als Starter für die TCU: Quarterback Alexander Honig. 

Träumt von seinem ersten Spiel als Starter für die TCU: Quarterback Alexander Honig.  © TCU, NN

Was haben Sie in dieser Saison gelernt - körperlich und mental?

Körperlich bin ich noch viel athletischer geworden. Ich habe zehn Kilogramm draufgepackt und bin jetzt bei 112 Kilogramm. Die Herausforderung ist, dabei trotzdem schnell, beweglich und spritzig zu bleiben. Jetzt im Herbst habe ich vor allem viel mit dem Oberkörper gearbeitet, das sieht man auch. Mehr muss jetzt aber nicht mehr dazu kommen. Und ich mache vielen Mobilitätsübungen. Gelernt habe ich auch, wie wichtig gute Ernährung ist.

Ja?

Wenn man das Falsche isst, kann man keine Höchstleistung bringen. Doch am meisten habe ich, glaube ich, mental gelernt. Ich habe immer den Gameplan mitgelesen und habe mit den Quarterbacks die Spiele mit vorbereitet. Dabei habe ich gemerkt: Die anderen sind auch nur Menschen. Jeder macht mal Fehler. Das hat mir viel Druck genommen. Es gibt Fehler, und das ist okay. Wir sind ja auch dem College, um zu lernen. Wichtig ist nur, die gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. In der Vorbereitung sind Fehler sogar gut, daraus kann man am meisten lernen.

Sie spielen für die TCU, die Texas Christian University, bei den Horned Frogs. Wie erfolgreich war Ihr Team in dieser Saison?

Es lief nicht so gut. Wir haben fünf Spiele gewonnen und sieben verloren. Auch wenn es "nur“ die College League ist, der Druck zu gewinnen ist enorm. Gegen eines unserer Nachbarteams, die Texas University, haben wir leider ganz knapp mit zwei Punkten verloren. Das hatte Konsequenzen. Vor dem Spiel gegen Baylor - einen weiteren örtlichen Rivalen - wurde unser Headcoach gefeuert und wir wurden von einem Übergangscoach betreut.

"Das war der emotionalste Tag in meinem ganzen Jahr an der TCU"

Wie ging das Spiel gegen Baylor aus?

Das war der emotionalste Tag in meinem ganzen Jahr an der TCU. Wir haben in der letzten Sekunde ganz knapp gewonnen. Es war das einzige Spiel, das Baylor verloren hat, damit haben wir unserem Erzrivalen so ein bisschen die Saison versaut (grinst). Nach dem Abpfiff sind viele der Zuschauer - und wir sprechen da von Fünfzigtausend! - aufs Spielfeld gelaufen. Das war unglaublich. Seit diesem Moment kann ich es kaum erwarten, dass ich selbst dort auf dem Spielfeld stehe.

Das war aber sicher nicht Corona-konform!?

Der Bundesstaat Texas sieht das im Augenblick alles eher locker. Wenn man geimpft ist, wird man nicht regelmäßig getestet, sondern nur bei Symptomen. Ungeimpfte bei uns im Team müssen sich wöchentlich testen. Im Unterricht soll im Klassenzimmer Maske getragen werden. Das sind die einzigen Maßnahmen, die wir noch haben.

Wie können wir uns die Bedeutung der College-Football in den USA vorstellen?

Das kann man wirklich überhaupt nicht mit Deutschland vergleichen. Der Erwartungsdruck in der Öffentlichkeit ist riesig. Es kommen Zehntausende Fans zu den Spielen und es wird wirklich viel investiert. Allein bei uns an der TCU haben wir einen Headcoach, einen Offense-Trainer, einen Defense-Trainer, mehrere Positions-Trainer, zum Beispiel für mich einen Quarterback-Trainer, und mehrere Athletik-Trainer. Es ist ein Business, ein Geschäft. Wenn der Erfolg ausbleibt, bist du schnell weg. Bei uns an der TCU bekommen wir jetzt im Januar ein komplett neues Trainterteam.

"Wir sind sieben Quarterbacks - und nur einer kann in der Startmannschaft stehen"

Wie sehr kommt dieser Druck den Spielern an?

Da ist es genauso. Wir sind an der TCU sieben Quarterbacks - und nur einer kann in der Startmannschaft stehen. Das will natürlich jeder von uns. Wer das Spiel am besten versteht, darf spielen. Wir sind unheimlich schnell getaktet und müssen trotzdem auf dem Spielfeld Ruhe ausstrahlen. Bei uns hat jedes einzelne Training Sichtungs-Charakter. Du darfst dir keine Schwächen erlauben oder unaufmerksam sein. Wenn dich der Trainer im Meeting herauspickt, dann musst du liefern. Mir gefällt das. Ich finde das System pädagogisch sinnvoll und lerne unheimlich viel.

Wie ist bei dieser immerwährenden Konkurrenz die Stimmung untereinander?

Erstaunlich entspannt und freundschaftlich. Ich habe inzwischen schon viele Einladungen bekommen, zum Beispiel nach Kalifornien und Pennsylvania. Zu Thanksgiving war ich in Kansas bei der Familie meines Freundes Chase - so richtig traditionell mit Truthahn und allem.

Haben Sie inzwischen einen Cowboy-Hut?

Nein, es ist bei den Stiefeln geblieben. Aber ich bin inzwischen ein ziemlicher Fans von Pickup Autos geworden.

"Ich fühle mich an der TCU inzwischen zu Hause"

Hatten Sie im Lauf des Jahres Zweifel, ob es richtig war, in die USA zu gehen?

Naja, das körperliche Training ist schon hart. Aber mir ist gerade durch die Verletzung und beim Zuschauen noch klarer geworden: Ich will da spielen! Und dafür gehe ich dann auch am nächsten Tag wieder gerne trainieren. Ich fühle mich an der TCU inzwischen zu Hause. Es ist klein und familiär und ich treffe auf dem Campus jeden Tag Menschen, die ich schon kenne. Es ist ein wirklich schönes Umfeld.

Wie war das Feedback Ihrer Trainer?

Sie haben mir einen "guten Stand" bescheinigt und gesagt, ich wäre schon weiter als der "typische Freshman" (Spieler im ersten Jahr, d. Red.). Sie fanden es toll, dass ich mich so intensiv eingebracht habe, obwohl ich nicht spielen konnte - und dass ich mich von meiner Verletzung nicht negativ beeinflusst war. Dadurch, dass wir jetzt ein komplett neues Trainerteam bekommen, ist das für mich ab Januar wie ein Neuanfang. Ich habe eine neue Chance, mich zu beweisen. Die Trainer müssen mir vertrauen. Das ist am wichtigsten.

Wie wichtig ist das Studium für Sie, wie läuft es da?

Während der Trainingsphasen wird schon wert darauf gelegt, dass wir Erfolg im Studium haben. In der Spielsaison ist das dann nicht so wichtig. Mir macht mein Studium Spaß. Ich studiere "Movement Science" (Bewegungswissenschaften, d. Red.), als Nebenfach habe ich noch mit Business angefangen. Auch nach der Sportkarriere würde ich mein Geld gerne im Sport verdienen. Irgendwie habe ich durch die Verletzungspause den Kraftraum lieben gelernt. Vielleicht werde ich ja mal Krafttrainer.

"Gefreut habe ich mich auf die Familie und gutes, dunkles Brot"

Über Weihnachten waren Sie in Roth. Worauf haben Sie sich am meisten gefreut?

Ich bin am 15. Dezember angekommen und werde am 9. Januar zurückfliegen. Am meisten habe ich mich natürlich auf meine Familie gefreut, meine Eltern und meinen Bruder Christian. Aber es ist auch schön, mal wieder gutes, dunkles Brot zu essen, gute Brezn und guten Käse. Lebkuchen mag ich auch gerne. Ich bin auch mal nach Schwäbisch Hall gefahren zu den Jungs, mit denen ich früher im Team gespielt habe.

Wie halten Sie sich fit?

Hauptsächlich im Kraftraum. Ich fahre dafür nach Nürnberg ins "Power Athletics Gym", dort trainieren auch andere Football-Spieler.

Die NFL plant, ab 2023 jedes Jahr mindestens ein Footballspiel in Europa zu spielen. Es gibt Kooperationsgespräche mit dem FC Bayern München. Wie finden Sie das?

Ich finde es auf jeden Fall mega cool. Die Anzahl der NFL-Fans hier in Deutschland steigt echt enorm an, es ist eine Riesen-Fanbase. Also war es nur eine Frage der Zeit. Es ist natürlich sehr schön, hier ein Spiel zu haben, damit einfach der Sport populärer wird. Vielleicht steigt dadurch auch das Interesse der NFL an deutschen Athleten, aus Marketing gründen.

1 Kommentar