Radsport U23

Cyclocross-Talent: Judith Krahl vom Team Schamel ist Deutsche Meisterin

Katharina Taubeneder
Katharina Taubeneder

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10.1.2022, 16:56 Uhr
Sitzt bei ihren Rennen nicht immer nur im Sattel: Beim Cyclocross müssen Judith Krahl und ihre Teamkollegen auf der Strecke einige Hindernisse überwinden.
 

Sitzt bei ihren Rennen nicht immer nur im Sattel: Beim Cyclocross müssen Judith Krahl und ihre Teamkollegen auf der Strecke einige Hindernisse überwinden.   © Nils Langner, NNZ

Die gute Nachricht für alle, denen regelmäßig beim Fahrradfahren die Finger fast abfrieren: Man gewöhnt sich daran. Judith Krahl jedenfalls ist es so ergangen. "Früher habe ich Hände und Füße nach den Rennen nicht mehr gespürt", sagt die 20-Jährige. "Jetzt werde ich schnell warm." Nur wenn es wirklich kälter wird, zieht sie überhaupt Beinlinge an.

Das klingt ziemlich hart, denn Cyclocross ist eine Winter-Sportart. Und da da ist es - zumindest für Sommer-Rennradler - meistens kalt. Krahl aber stört das nicht. Sie gehört in ihrer Sportart zu den besten Fahrerinnen des Landes, am Samstag bei den Deutschen Meisterschaften in Luckenwalde hat sie ihren U23-Titel verteidigt.

Sie hat die Querfeldein-Runden mit ihrem Fahrrad, einer Mischung aus Mountainbike und Rennrad, am schnellsten gemeistert. Dabei hat sie steile kurze Passagen ebenso überwunden wie Hindernisse und tiefe Sandfelder, über die sie ihr Fahrrad tragen musste. "Eine lauflastige Strecke" sei das bei der DM gewesen, sagt Krahl. Sie hat ihr Rad also ziemlich oft auf ihre Schultern packen müssen. "Dabei ist oft das Blöde, dass man gar nicht richtig laufen kann, sondern mehr stolpert", so tief ist der Erdboden.

Zumindest hat es nicht geregnet. Denn dann werden Cyclocross-Rennen zur wahren Schlammschlacht. Judith Krahl gibt zu: "Ich ziehe trockene Strecken den Matsch-Rennen vor." Im Dezember aber gewann sie ein UCI-Wettkampf im Matsch, und das fühlte sich gut an. "Es gab mir positive Energie." Auch für die Deutsche Meisterschaft.

"Die Erwartung, dass ich wieder gewinne, war überall groß"

Zu der reiste Krahl, die in Sonnewalde in Brandenburg aufgewachsen ist und mittlerweile im zweiten Jahr für das Baiersdorfer Team Schamel fährt, als Favoritin in ihrer Altersklasse an. Trotzdem sei sie sehr nervös gewesen im Vorfeld. "Das mit dem Titelverteidigen" ist eben nicht ganz so einfach, meint Krahl. "Die Erwartung, dass ich wieder gewinne, war überall groß."

Außerdem fühlte sie sich auf der Strecke gar nicht so wohl, wegen der großen Sandpassagen und der vielen Kurven. "Man musste andauernd abbremsen und konnte nicht all-out gehen", sagt Krahl. Ihre Hauptkonkurrentin hingegen fühlte sich umso wohler. Für Clea Seidel war das Rennen in Luckenwalde ein Heimspiel. Trotzdem hatte sie am Ende keine Chance gegen Judith Krahl, die mit mehr als einer Minute Vorsprung ins Ziel fuhr.

Hat ebenfalls seinen Titel verteidigt: Pascal Tömke. 

Hat ebenfalls seinen Titel verteidigt: Pascal Tömke.  © Nils Langner, NNZ

Bei den U23-Herren hat das Team Schamel ebenso überzeugt und den Doppelsieg geholt, Pascal Tömke gewann vor Fabian Eder. " Die Titelverteidigung bedeutet mir viel", sagt Tömke. "Mein Ziel ist es, nächstes Jahr bei der Elite auf dem Podium zu stehen." Mannschaftskollege Lukas Herrmann war auf Platz eins liegend gestürzt - sonst hätte es noch ein besseres Ergebnis werden können. Nur bei den Elite-Herren blieben die Baiersdorfer ohne Medaille, Florian Hamm musste sich knapp mit Rang vier begnügen.

Für das Team Schamel, das in der U23 die besten Nachwuchsfahrer des Landes ausbilden will, ist das ein großer Erfolg. Die Baiersdorfer möchten den Cyclocross-Talenten möglichst gute Bedingungen bieten. "Das ist wirklich eine super Unterstützung", sagt Judith Krahl. Im ersten Jahr im neuen Team ist sie nur zwei Rennen gefahren, dann brachte Corona alles durcheinander. Nun ist die gebürtige Brandenburgerin mittendrin in ihrer ersten echten Cyclocross-Saison.

WM in den USA? Noch ist Vieles unklar

Dabei profitiert sie auch vom Team. "Wir waren im Trainingslager in einem Teamhaus in Belgien, das schweißt zusammen. Wir lernen ganz viel voneinander." Dass sie die einzige Frau in ihrer Mannschaft ist, spiele keine Rolle. "Ich komme super mit den Jungs klar, auch wenn wir nicht alle den gleichen Trainingsplan haben." Meistens suche sie sich einen Mitfahrer für ihre Runden, und wenn der zu doll aufs Tempo tritt, "sage ich schon, dass er einen Zahn herausnehmen muss".

Meistens trainiert Krahl aber zu Hause bei ihren Eltern in Sonnewalde. "Das ist Dorf", sagt sie knapp. Ihre Studentenwohnung in Leipzig ist meist verwaist, die Uni-Kurse - Krahl möchte Lehrerin werden - finden aktuell meist online statt. Und die Trainingsbedingungen bei ihren Eltern sind wesentlich besser. "In Leipzig gibt es gefühlt keinen Wald, und hier ist es auch einfacher mit dem Fahrrad." Im Winter muss man das schließlich regelmäßig putzen, bei all dem Matsch auf der Strecke. Das ist in einem Haus mit Garten eben einfacher als in der Stadt.

Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Die Weltmeisterschaft steht an, Krahl hat die Nominierungskriterien dafür erfüllt. Ob sie wirklich antreten darf, ob die WM tatsächlich in den USA stattfindet, ist wegen der Pandemie weiter unklar. Doch auch an diese Ungewissheiten hat man sich mittlerweile gewöhnt.

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