Johannis in den Playoffs

Drei Minuten dürfen die Grizzlys auf die Sensation hoffen

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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9.1.2022, 15:36 Uhr
Das Ende der Sensation: Anthony Sanders verliert nach großem Kampf gegen Burhan Akbudak.

Das Ende der Sensation: Anthony Sanders verliert nach großem Kampf gegen Burhan Akbudak. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Sie haben herumgeknetet an Anthony Sanders, haben ihm Luft zugefächert und ihm Mut zugesprochen. Ach, was: Zugeschrien haben sie ihm Mut. Und ein wenig ungläubig geschaut haben sie dabei auch noch, weil Sanders gerade dabei war, sich an einer Sensation zu versuchen. Es ist dann nur nichts geworden aus der Sensation.

Am Samstagabend haben die Bundesligaringer der Nürnberg Grizzlys in ihrer Halle am Zeisigweg die Athletik-Sportvereinigung aus Mainz zum Auftakt der Playoffs empfangen. Favorisiert waren die Gäste, aber etwas ausgerechnet haben sich die Nürnberger schon. Am Ende stand eine sehr deutliche Niederlage. Das 9:20 lässt den Rückkampf kommende Woche in Mainz fast schon überflüssig wirken, die Nürnberger können schon einmal für das Saisonende planen. Oder: „Es muss ein Wunder her.“ So hat das nach dem Kampf Tim Müller formuliert, der seinen Freistilkampf in der Klasse bis 80 Kilogramm immerhin hatte erfolgreich gestalten können.

Wunder passieren aber auch im Ringen eher selten. Sie haben das ja am Samstag wieder erlebt - unter anderem eben bei Anthony Sanders. Der studiert im richtigen Leben, ist also kein Profi, musste aber im griechisch-römischen Stil und in der Klasse bis 86 Kilogramm gegen Burhan Akbudak antreten: den amtierenden Vizeweltmeister.

Vizeweltmeister? Welcher Vizeweltmeister?

Drei Minuten lang tat Sanders so, als wüsste er nicht, dass da ein Vizeweltmeister mit ihm auf der Matte steht. 5:0 führte Sanders, 5:1 nach drei Minuten, als es in die Pause ging, in der sie dann an ihm herumgeknetet haben und gefächert und geschrien. Dummerweise dauert so ein Ringkampf aber sechs Minuten und man hat in dieser Pause schon sehen können, dass Sanders dieses Vizeweltmeisterignorieren nicht so lange würde durchhalten können. Am Ende fehlte die Kraft und stand dennoch eine Niederlage, die Mut machte. Immerhin hatte Sanders durch sein 9:20 in der Mannschaftswertung einen Punkt weniger abgegeben, als sie es vorab befürchtet hatten. Von diesen Kämpfen hätten sie mehr gebraucht an diesem Abend.

Stattdessen bekamen sie ein paar Kämpfe, von denen sie weniger gebraucht hätten: Solche, von denen sie vorab dachten, dass sie sich knapp für sich entscheiden können, die sie dann aber deutlich verloren haben. Der von Istvan Levai zum Beispiel, der in der Klasse bis 71 Kilogramm eine Schulterniederlage hinnehmen musste. „Das hat uns das Genick gebrochen“, sagte Trainer Matthias Baumeister.

Zwei positive Tests

Wirklich traurig wollte bei den Grizzlys trotzdem niemand sein. Das lag auch an den Voraussetzungen. Mainz gehört zu den (finanz-)stärkeren Ringer-Vereinen der Republik. „Die hätten“, sagte Baumeister, „noch einmal fünf oder sechs Aufstellungsvarianten gehabt.“ Soll heißen: Mainz ist in der Breite einfach besser aufgestellt als Nürnberg.

Ganz unvariabel in Personaldingen ist Nürnberg aber auch nicht. Nur haben sie in der komplett geimpften Mannschaft eben kurzfristig mit Arvi Savolainen und Andreas Walter zwei coronabedingte Ausfälle moderieren müssen. Hinzu kam, dass Tamas Levai keine Freigabe für den Kampf bekommen hatte - mit ihm wäre in der Klasse bis 130 Kilogramm vielleicht mehr drin gewesen als die achtbare Niederlage von Daniel Ligeti. So stellen sie sich jetzt auf den Urlaub ein. Oder doch auf ein Wunder? „Da müsste bei Mainz alles schief gehen“, sagt Baumeister.

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