Ein Forchheimer bald auf Korbjagd in der Bundesliga?

25.12.2021, 06:51 Uhr
Die meisten Gegenspieler sind größer, aber dank seiner Schnelligkeit, Wendigkeit und Sprungkraft setzt sich Matteo Sattler immer wieder unter dem Korb durch.
 

Die meisten Gegenspieler sind größer, aber dank seiner Schnelligkeit, Wendigkeit und Sprungkraft setzt sich Matteo Sattler immer wieder unter dem Korb durch.   © privat, NN

Die Leidenschaft zum Basketballsport fand Matteo Sattler als Achtjähriger erst über Umwege. Zunächst als Fußballer aktiv, überzeugten ihn die doppelt so alten Söhne einer befreundeten Familie von einer Runde unter dem Korb im Garten. Nicht nur wurden es am Ende mehrere Runden, sondern sofort ging es auch zur Sache: „Sie waren natürlich viel größer, konnten mich zunächst einfach wegblocken. Es hat Spaß gemacht, trotzdem Wege zu finden, sich durchzusetzen“, erinnert er sich an seine Anfänge. In der Forchheimer Martinsschule besuchte Matteo fortan die Basketball-AG und konnte wenig später in der 2014 von Josef Heilmann gegründeten Abteilung des VfB Forchheim auch einem geregelten Trainings- und Spielbetrieb nachgehen.

Und somit stellte sich schnell heraus, dass er den Mitspielern in Sachen Talent und Eifer einen Schritt voraus war. Regelmäßig konnte er die Spiele zu Gunsten seiner Mannschaft entscheiden. „Maßgeblich gepusht hat mich mein damaliger U14-Trainer Michael Grasser“, erzählt Matteo.

Ohne Grasser, der seine Fähigkeiten früh erkannte und ihn förderte, wäre der inzwischen 16-Jährige nicht auf die Idee gekommen, bei der Oberfrankenauswahl vorzuspielen. „Er hat mir da eine Tür aufgemacht, indem er mir immer gesagt hat, dass ich es dort schaffen kann.“ Matteo Sattler überzeugte und wurde aufgenommen, konnte sich erstmals auf größerer Bühne präsentieren. Patrick Hwastunow und Thomas Lorber, Trainer in der Nachwuchsschmiede der Brose Baskets, wurden auf ihn aufmerksam und luden Matteo zum U14-Try-Out nach Bamberg ein.

"Cooles Erlebnis"

„Es war ein cooles Erlebnis, dort als Forchheimer hinzukommen. Die meisten hatten schon davor in Bamberg gespielt und trugen die Klamotten, ein paar waren neu. Es lief ab wie ein normales Training. Aufwärmen, ein paar Skills. Danach Werfen, Dribbling und Passen, am Ende ein paar Spiele. Hinterher sagten sie mir, dass sie Potenzial für eine Entwicklung sehen und mich im Team haben wollen.“

Die professionellen Strukturen waren für den Jugendlichen zunächst eine neue Welt. Der Zeitaufwand stieg nicht nur wegen des Trainingsumfangs, sondern auch der Fahrtzeit. Matteo bekam zur Saison 2019/20 einem Platz im Bamberger Aufseesianum, einem katholischen Internat, wo die Freak City Academy der Brose Baskets ein Stockwerk als Wohngruppe für ihre Nachwuchstalente anmietet: „Das ergab insgesamt das beste Paket, weil meine Mutter mich dadurch nicht mehr so oft fahren musste und entlastet wurde und es außerdem schulische Unterstützung gibt. Es gibt auch eine Halle, in der man jederzeit für sich allein trainieren kann.“ Mit Beginn des pandemiebedingten Homeschoolings zog es ihn aber zurück ins Elternhaus. Mutter Barbara, eigentlich Lehrerin, hat den Nebenjob als Elterntaxi also wieder zurück.

Anpassungsschwierigkeiten in sportlicher Hinsicht gab es kaum, Matteo bewältigte die neuen Herausforderungen schnell und nennt die Unterschiede: „Zuvor hatte ich zweimal pro Woche Training und da waren wir im Schnitt acht Spieler. Seit dem Wechsel gibt es vier Trainingstage und es kommt das Krafttraining hinzu. Es ist eine andere Härte, man braucht mehr Koordination. In Forchheim hatte ich nicht so sehr die Competition, hier gab es auf einmal Spieler, die genauso gut oder besser waren als ich. Dazu gute Trainer, die mich Jahr für Jahr auf die nächsten Herausforderungen vorbereitet haben. Ich bin dankbar, dass ich in jeder Mannschaft immer so gut von den Mitspielern aufgenommen wurde ich die körperlichen Voraussetzungen hatte und habe, um mithalten zu können.“

Die Luft wird dünner

In der U16 ging es dann in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) weiter, der Schritt dorthin war nicht mehr ganz so einfach: „Es ging gegen Spieler, die zum Teil ein Jahr älter sind, mehr Erfahrung hatten und auch größer waren. Ich bin dann auch gewachsen und konnte mich daran gewöhnen.“ Spätestens nach einem Spiel Ende 2019 gegen die BIS Baskets Speyer, als ihm mit 14 Punkten ein zu diesem Zeitpunkt neuer persönlicher Highscore auf U16-Bundesliga-Niveau gelang, fühlte sich Matteo in den neuen Sphären angekommen. „Das war ein cooles Erlebnis, weil ich den Mut hatte, mein Können auch auf diesem Level zu zeigen.“

Mit Beginn der laufenden Saison wurde Matteo Sattler auch in die U19 übernommen, wo sich derzeit die drei Jahrgänge 2003-2005 in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) messen. In der höchsten Junioren-Spielklasse ist er mit seinen 16 Jahren also einer der Jüngsten und hat noch viel Zeit für die Entwicklung. „Das war nochmal ein enormer Sprung. Vor allem beim Rebound wird man einfach weggepusht, wenn man nicht gut genug dagegenhalten kann. Das Spielverständnis muss wachsen, ich muss längere Spielzüge lernen und mental bereit sein. Ich merke jetzt im ersten Jahr schon, dass ich nicht untergehe, sondern mithalten kann und gute Aktionen habe, auch wenn die entscheidenden Spieler in der Mannschaft andere sind.“

Dass er mit seinem 1,82 Metern häufig der Kleinste ist, versucht er, mit seinem eigenen Spielstil wettzumachen. Schnelligkeit, Wendigkeit und die Sprungkraft zählt er zu seinen größten Stärken. „Wenn ich zum Korb ziehe, kann ich auch gegen größere Spieler den Kontakt suchen und in der Aktionen bleiben. Diese Stabilität hilft mir sehr in meinem Spiel, trotz der Größennachteile.“ In den kommenden Monaten und Jahren will er ein größerer Faktor werden, wenn es darum geht der Mannschaft zu helfen: „Da will ich meinen Impact, also den Einfluss auf das Spiel, jetzt nach und nach vergrößern.“

Großer Aufwand

Auch der Aufwand hat sich der NBBL nochmals vergrößert. Zwei der vier wöchentlichen Trainings geht eine Athletikeinheit voraus, die Auswärtsfahrten werden länger. Vergangenen Freitag stand das Duell mit dem FC Bayern München auf dem Programm: 15.30 Uhr Abfahrt, 19.30 Uhr Jump, 0.30 Uhr zu Hause. „Man muss schon auf einiges verzichten. Andere entspannen sich nach der Schule und gehen abends raus. Aber dafür wird einem auch viel gegeben und ich mache es, weil es mir Spaß macht.“ Selbst am trainingsfreien Mittwoch nutzt Matteo die Zeit, um an persönlichen Defiziten zu arbeiten oder an Dingen, die sein Headcoach Jan Schroeder oder Athletik-Trainer Reggie Miller ihm mitgeben. Dazu gehört die Arbeit mit Balance Pad oder Jonglierbällen für die Hand-Augen-Koordination. „Man muss jeden Tag ein bisschen was machen, damit man nicht stagniert oder in der Entwicklung zurückfällt. Wenn ich mit dem Training begonnen habe, kann ich aber auch schwer wieder aufhören.“

Nach fünf Saisonspielen steht bislang nur die Niederlage gegen den FC Bayern zu Buche. „Die sind bei uns das Maß aller Dinge, aber wir stehen auch gut da. Wir wollen immer realistisch sein. Meine Mitspieler reden manchmal schon von den Play-Offs, die haben auch schon mehr Erfahrung. Mal sehen, ob wir so weit kommen.“ Noch ist er derjenige, der zu seinen älteren Mitspielern aufschaut. „Wir haben zum Beispiel den 18-Jährigen Adrian Worthy im Team. Der macht 30 Punkte im Schnitt und kann das Spiel mit den entscheidenden Pässen und Punkten quasi im Alleingang drehen.“

Auf der Position des Guard ist Matteo vor allem für die Fortsetzung der Spielzüge durch den Point Guard verantwortlich, kann aber auch selbst zum Korb ziehen oder Dreier-Würfe nehmen. Seine mittel- und langfristigen Ziele hat Matteo Sattler für sich klar definiert. Nach dem Realschulabschluss nächstes Jahr möchte er weiter daran arbeiten, sein Hobby später zum Beruf zu machen. Zunächst über das Bamberger Farmteam BBC Coburg in der 2. Basketball-Bundesliga ProB-Süd.

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