Weniger Neuanmeldungen

Lage der Fitnessstudios in Gunzenhausen: Was, wenn Omikron kommt?

Dominik Mayer
Dominik Mayer

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14.1.2022, 06:15 Uhr
Ganz so leer ist es im Team99-Fitness in Gunzenhausen inzwischen nicht mehr. Seit Dezember gilt aber 2G-Plus für alle Fitnessstudios. Das bedeutet auch: Ungeimpfte müssen draußen bleiben.

Ganz so leer ist es im Team99-Fitness in Gunzenhausen inzwischen nicht mehr. Seit Dezember gilt aber 2G-Plus für alle Fitnessstudios. Das bedeutet auch: Ungeimpfte müssen draußen bleiben. © Foto: Team99-Fitness GmbH

Zu Beginn eines neuen Jahres soll ja immer irgendwie alles besser werden. Die Welt friedlicher, der Lebensstil gesünder, der Bauch schlanker, die Oberarme dicker. Zumindest die Wünsche rund um den eigenen Körper veranlassen zu Jahresbeginn traditionell besonders viele Menschen dazu, sich in einem Fitnessstudio anzumelden. Weil man das mit dem Sport endlich anpacken muss. Und auch durchhalten, diesmal aber wirklich!

Wäre da nicht dieses hartnäckige Coronavirus, dessen Existenz womöglich für ein mulmiges Gefühl beim Studiobesuch sorgt. „Sinkende Nachfrage und keinerlei Neuanmeldungen, die das erneute Wachstum nach einem 7-monatigen Lockdown zunichtemachen“, so fasste der Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen Anfang Dezember die Situation seiner Mitglieder zusammen. Ganz so düster ist die Lage in der Region nicht, doch Spuren hinterlässt die anhaltende Krise auch hier. Und sie verlangt viel Flexibilität von den Betreibern.

Schnelltests unter Aufsicht

„Wir haben jetzt schon wieder neue Anmeldungen, wir tun aber auch viel dafür“, berichtet Fatjon Bastriu, Geschäftsführer bei Team99-Fitness in den Gunzenhäuser Goethestraße. „Wir haben ein eigenes Testzentrum im Haus und führen dort etwa 200 Testungen am Tag durch. Uns ist wichtig, dass sich unsere Gäste sicher fühlen können“, betont er. Besonders, weil sich unter den Besuchern regelmäßig auch Menschen befinden, für die eine Corona-Infektion besonders schwerwiegende Folgen haben könnte: Patienten in gehobenem Alter mit vielfältigen Vorerkrankungen.

„Wir bieten auch Physiotherapie und Rehasport an, wir sind kein reines Fitnessstudio“, sagt Bastriu. Anders als das Easyfitness in der Tachauer Straße. „Fast ausgeblieben“ sei die klassische Neujahrswelle an Anmeldungen, sagt Heiko Böhm, der dort als Sport- und Gesundheitstrainer arbeitet. „Die Leute haben oft auch keine Lust darauf, sich zu testen.“ Das aber ist verpflichtend vorgeschrieben. In den bayerischen Fitnessstudios gilt 2G-Plus. Nur Schüler, die im Schulbetrieb regelmäßig getestet werden und Menschen, deren Boosterimpfung mindestens 14 Tage zurückliegt, dürfen ohne Schnelltest in den Trainingsbereich. „Die Leute müssen sich vor unseren Augen testen, wir haben einen Loungebereich, wo sie das machen können“, sagt Böhm.

Nicht wenige Mitglieder sind ungeimpft

Ähnlich läuft es im Speedfitness in Unterwurmbach. Auch dort klagt man über deutlich weniger Neuanmeldungen als sonst Anfang Januar üblich. Insgesamt ist die Auslastung niedriger, Hantelbänke und Geräte sind nicht mehr so stark frequentiert wie vor Beginn der Pandemie. „Die, die noch da sind, sind allerdings sehr treu. Die geben so schnell nicht auf“, sagt Lena Winkler. Sie studiert Fitnessökonomie und arbeitet im Speedfitness. Größeren Unmut über die vorgeschriebenen Tests nimmt sie bei ihren Sportlern nicht wahr: „Mittlerweile sind die froh, dass sie überhaupt kommen dürfen. Da meckert eigentlich keiner mehr.“

Auch gebe es eine wachsende Zahl geboosterter Mitglieder. Die können einfach so durch das Drehkreuz gehen. Fast ein bisschen wie früher. Doch manche bekannten Gesichter sieht Winkler schon länger nicht mehr. „Wir haben viele, die sich nicht impfen lassen wollen, die gucken jetzt natürlich in die Röhre.“ Auch andere Studios beobachten, dass es einen nicht geringen Anteil an Mitgliedern gibt, die eine Impfung dauerhaft ablehnen. Manche pausieren ihre Mitgliedschaft, andere kündigen die Verträge ganz.

Beim KeepItFit-Studio des TV 1860 Gunzenhausen steht unter dem Strich trotzdem ein Plus an Mitgliedern. Fitnesstrainer Denis Sterzer freut sich über den in diesen Zeiten ziemlich ungewöhnlichen Trend: „Aktuell haben wir etwa 350 Mitglieder, das sind mehr als vor Corona.“ Zwar ist der Durchschnitt seiner Sportler schon jenseits der 40, doch auch die ganz Jungen entdecken das Fitnessstudio neu für sich. Zunehmend sind es Teenager, die sich anmelden.

Warten auf Hilfen vom Staat

Sorgen macht da nur die Omikron-Variante, die in anderen Ländern für einen massiven Anstieg der Inzidenzen gesorgt hat und sich längst auch in Deutschland verbreitet. Infizieren sich in einem Landkreis mehr als 1000 Menschen pro Woche und 100 000 Einwohner, tritt ein lokaler Lockdown in kraft. Fitnessstudios müssen dann geschlossen bleiben. Am Donnerstag lag die Inzidenz im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bei 283,9 – noch droht also keine Schließung. „Ich hoffe nicht, dass es nochmal dazu kommt“, sagt Sterzer. Eine Hoffnung, die dadurch Nahrung erhält, dass die Staatsregierung die lokale Hotspot-Regel vorübergehend ausgesetzt hat. "Wir werden in der kommenden Woche im Ministerrat über das weitere Vorgehen sprechen. Dem will ich auch nicht zu sehr vorweggreifen", sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Donnerstag. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir den heutigen Grenzwert für einen regionalen Hotspot von 1000 anheben werden."

Fatjon Bastriu von Team99-Fitness hofft ebenfalls, einer weitere Zwangsschließung zu entgehen. Der Gefahr aber ist er sich bewusst. „Das kann auf jeden Fall passieren, langfristige Planungen sind aktuell nicht umsetzbar. Ebenfalls gebe ich keine Prognosen mehr ab.“ Spätestens seit er im Januar 2021 die neuen Räumlichkeiten von Team99 eröffnen wollte, die Fitnessstudio, Physiotherapie und Rehasport in sich vereinen. Doch der Lockdown zog sich Monat um Monat – erst am 28. Mai konnte Bastriu damals endlich eröffnen. Zwei Saunen hat er bauen lassen, Gesamtkosten 80.000 Euro, gelaufen ist bis jetzt noch keine davon. Hygieneplan, Abstandsregeln, Desinfektionsmittel – unter Corona-Bedingungen lohnt sich der Betrieb nicht. Auf das Geld aus der Überbrückungshilfe III wartet der 30-Jährige bis heute.

Weil Team99 kein klassisches Fitnessstudio ist, sondern vielfältige Gesundheitsangebote macht, ist die Situation trotzdem einigermaßen erträglich. Dennoch hätte Bastriu nichts dagegen, wenn im Jahr 2022 auch für sein Unternehmen alles ein bisschen besser werden würde.

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