Es kann nur besser werden

Wünsche und Hoffnungen: Sportler aus dem Seenland blicken auf 2022

Dominik Mayer
Dominik Mayer

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3.1.2022, 12:38 Uhr
Ein Mountainbiker blickt gedankenverloren aufs Meer. Die Frage, was 2022 wohl für ein (Sport-) Jahr wird, treibt viele Menschen um. Selten war ein Blick in die Zukunft schwieriger.

Ein Mountainbiker blickt gedankenverloren aufs Meer. Die Frage, was 2022 wohl für ein (Sport-) Jahr wird, treibt viele Menschen um. Selten war ein Blick in die Zukunft schwieriger. © Foto: imago images/Westend61

Marco Fetz (21 Jahre, Motorrad-Rennfahrer): Nach seinem Oberschenkelbruch auf der Strecke im niederländischen Assen im August ist es nicht schwer zu erraten, was er sich für 2022 wünscht: "Ich hoffe, dass ich wieder zu 100 Prozent fit werde und Rennen fahren kann. Und wenn das klappt, will ich natürlich diesmal ohne Verletzung durch die Saison kommen." Sportlich wird er durch die lange Pause wohl wieder bei Null anfangen müssen, befürchtet Fetz. Wieder ein Gefühl für die Maschine entwickeln, den Unfall und seine Folgen aus dem Kopf bekommen – das wird Zeit brauchen.

Immerhin kann der Kleinbreitenbronner inzwischen wieder fast normal laufen, täglich arbeitet er daran, die Muskulatur im rechten Bein wieder aufzubauen. Neben dem Sport will sich der Industriemechaniker im neuen Jahr auch beruflich weiterbilden: "Im September fange ich mit der Technikerschule an. Ich wünsche mir, dass das klappt und will bestmöglich abschließen."

Nina Selz (37, Trainerin der SG Kalbensteinberg/ Absberg): Die knapp zwei Jahre Corona-Pandemie, die bislang hinter uns liegen, haben verdeutlicht, dass es oft die kleinen, vermeintlich selbstverständlichen Dinge sind, die das Leben bereichern. Das gemeinsame Bier mit der Mannschaft nach dem Training, zum Beispiel. "Es wäre schön, einfach wieder öfter zusammensitzen zu können. Dieser gesellschaftliche Aspekt kam durch Corona oft zu kurz", sagt Selz.

Damit sie mit ihren Mädels nach dem Training wieder in launiger Runde anstoßen kann, wünscht sie sich, dass das Virus vielleicht doch irgendwie einen Bogen um die SG Kalbensteinberg/ Absberg macht. "Ich hoffe, dass alle gesund bleiben und, dass die, die sich doch infizieren, keine Langzeitfolgen haben." Sportlich will Selz nach einer eher mäßigen Hinrunde "das Feld von hinten aufräumen". Voraussetzung dafür ist natürlich, dass ein Spielbetrieb überhaupt möglich sein wird. "Das wünsche ich mir wirklich. Und ich hoffe vor allem, dass die Kinder spielen dürfen."

"Spaß am Sport gibt einem so viel"

Ralf Markert (54, Boxtrainer): Ihm geht es wie vielen Menschen nach 22 Monaten in der Pandemie. Die Angst vor einer Ansteckung, die ständig wechselnden Maßnahmen, die Tatsache, dass ein Ende nicht so richtig absehbar scheint – das geht Markert zunehmend an die Nieren. "Ich wünsche mir einfach, dass das alles endlich vorbei ist. Die Pandemie hat so viel kaputtgemacht in den letzten zwei Jahren", sagt er. Nur einen einzigen Wettkampf hat Markert mit seinen Nachwuchs-Boxern 2021 bestreiten können.

Boxtrainer Ralf Markert.

Boxtrainer Ralf Markert. © Foto: Mathias Hochreuther

Bis ein junger Athlet dafür bereit ist, in den Ring zu steigen, dauert es lange. "Und wenn es dann soweit ist, kommt schon wieder Corona und der Wettkampf ist abgesagt", klagt Markert. Nicht nur sportlich, auch privat hat das Virus seine Spuren hinterlassen: "Da reißen natürlich auch Kontakte ab und mir fehlt es auch, einfach mal jemanden zu drücken." Gut nur, dass seine Jungs trotz 2G-Plus-Regel trotzdem fleißig ins Training kommen. "Das baut mich auf", sagt er. Vielleicht geht das ja irgendwann ja auch wieder ohne Schnelltest vor der Boxhalle.

Florian Sellinger (23, Stürmer beim SV Ornbau): Wenn der Student über seinen SVO spricht, kann man eine Mischung aus Stolz, Zufriedenheit und Glückseligkeit in seiner Stimme hören. "Ich wünsche mir einfach, dass die Mannschaft noch ganz lange so zusammenbleibt. Es ist so genial, wenn man Spaß am Sport hat. Das gibt einem so viel", schwärmt Sellinger. Dabei haben sie Ornbau eigentlich damit gerechnet, dass es holprig werden könnte nach dem Abstieg aus der Bezirksliga. Wurde es aber nicht. Auch weil sich die Mannschaft trotz einiger Abgänge nicht nur sportlich, sondern auch menschlich neu gefunden hat.

"Wir hätten nicht gedacht, dass es so gut läuft und so viel Spaß macht", sagt der zukünftige Bauingenieur. Dass es trotzdem auch wichtigere Dinge als Fußball gibt, weiß er nicht zuletzt durch seine Freundin. Die Krankenschwester kommt momentan jeden Tag völlig ausgelaugt von der Schicht auf einer Covid-Intensivstation nach Hause. "Ich wünsche mir sehr, dass 2022 für die Menschen in der Pflege besser wird", sagt Sellinger.

Uli Spitzenpfeil (20, Fußball-Schiedsrichter): "Ich wünsche mir einfach die Normalität zurück, das Leben ohne Virus – im Fußball und auch außerhalb des Platzes", bringt der der Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Jura Süd seine Gedanken auf den Punkt. Dazu hat er sich für 2022 auch noch ein persönliches Ziel gesteckt: den Klassenerhalt. Denn auch Schiedsrichter können auf- und absteigen. Spitzenpfeil ist in der laufenden Saison Bezirksliga-Qualifikant, muss also beweisen, dass er gut genug ist für die höchste Liga des Regierungsbezirks.

Am Ende der Saison wird er wissen, ob er die Beobachter überzeugt hat. "Sofern mir das gelingt, pfeife ich nächste Saison fest in der Bezirksliga", sagt er. Wenn ambitionierte Unparteiische wie Spitzenpfeil aufsteigen, braucht es Nachwuchs, der den Spielbetrieb auf Kreisebene sichert. Ein großes Problem, nicht nur, aber gerade im Jura-Süden. "Ich hoffe wirklich, dass wir dieses Jahr wieder einen Lehrgang zusammenbekommen und neue Schiedsrichter gewinnen können."

"Hoffe auf mehr Impfungen"

Kai Fucker (53, 1. Vorstand des TV 1860 Gunzenhausen): Hinter ihm liegt ein nervenaufreibendes Jahr. Vor allem die ständigen Änderungen der Hygienevorschriften waren "für das Alltagsgeschäft eines Sportvereins nicht zuträglich", wie er das Problem diplomatisch umschreibt. Fünf ungeimpfte Übungsleiter hat er vorläufig auf dem Trainingsbetrieb nehmen müssen. "Ich hoffe, dass es uns 2022 gelingt, das Impfen stärker voranzutreiben. Da wünsche ich mir auch eine spezielle Impfkampagne für die Sportler und Übungsleiter in Vereinen", sagt Fucker.

TV-Vorstand Kai Fucker.

TV-Vorstand Kai Fucker. © Foto: Mathias Hochreuther

Er selbst hat im Dezember versucht, eine eigene Impfaktion in der Hetzner-Halle zu organisieren. Eine Antwort von den zuständigen Behörden habe er aber nicht bekommen, klagt er. Fucker wünscht sich von der Politik auch mehr kostenlose oder zumindest bezahlbare Testangebote für seine Aktiven. Damit die 2G-Plus-Regel kein allzu großes Loch in den Geldbeutel reißt. "Und die Kinder machen mir Sorgen. Ich hoffe wirklich, dass wir da wieder zu einem geregelten Sportbetrieb kommen."

Manuel Kieslich (38, Sportlicher Leiter SG Gunzenhausen/Unterwurmbach): Eigentlich wäre beim FC Gunzenhausen in diesen Tagen ziemlich viel los. Seit Jahrzehnten veranstalten sie um den Jahreswechsel herum eine große Feier mit Tombola. "Den Wirt freut es, wenn das Sportheim voll ist, und der Verein verdient über die Lose auch was", sagt Kieslich. Wie bereits im vergangenen Jahr macht das Coronavirus die Zusammenkunft unmöglich. Genau wie den Galaabend für verdiente Ehrenamtliche. Dass diese wichtigen Säulen im Vereinsleben zum Ende des Jahres 2022 wieder stattfinden können, das wünschen sie sich beim FC. "Außerdem hoffe ich auf mehr Normalität für die Kinder. In meinem Alter ist es nicht so tragisch, wenn man mal nicht auf den Sportplatz kann, für Kinder ist es aber schlimm", erklärt Kieslich.

Für die SG Gunzenhausen/Unterwurmbach geht es in der A-Klasse West ab April dagegen vor allem darum, sich als Mannschaft weiterzuentwickeln. "Wir sind im Niemandsland der Tabelle, wir werden weder mit dem Aufstieg noch mit dem Abstieg etwas zu tun haben", vermutet der Sportliche Leiter. Weil die Mannschaft aber "unfassbar jung" ist und wohl auch in den kommenden Jahren talentierte und engagierte Jugendliche nachrücken werden, könnte etwas wachsen bei der SG. Spätestens nach der Pandemie.

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