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Match-Statistik: Auch das Derby hat seine eigenen Gesetze

Club tat sich beim 0:2 gegen clever agierende Fürther schwer - 04.03.2018 14:19 Uhr

Daniel Steininger machte den Deckel drauf und entschied das Derby mit seinem 2:0 endgültig. © Sportfoto Zink / WoZi


Es ist nun mal kein normales Spiel: Im Derby vergessen beide Fanlager für 90 Minuten die Tabelle und blicken gespannt auf das, was auf dem Platz passiert. Denn genauso wie ein Pokalspiel haben auch emotional aufgeladene Derbys ihre eigenen Gesetze. "Die Situation spricht für uns: Wir sind Tabellenführer, der Gegner ringt um den Klassenerhalt. Die Rollen sind klar verteilt", wusste Club-Trainer Michael Köllner in der Pressekonferenz vor dem Spiel zu berichten. Doch auf dem Platz interessierte das die Akteure wenig, die sich in einem höhepunktarmen, aber intensiven Spiel früh um jeden Ball duellierten.

Während der Club mit elf Spielen ohne Niederlage im Rücken in dieses prestigeträchtige Derby ging, waren die Fürther bis dato die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga. Vier Remis, acht Niederlagen, kein Sieg - eine Hypothek, die das Kleeblatt bis in den Tabellenkeller stolpern ließ. Im Gegensatz zu manch anderer Partie auf fremdem Platz zeigten die Weiß-Grünen in Nürnberg allerdings eine couragierte Leistung und holten sich durchaus verdient den Sieg.

Ideenlos im Mittelfeld

Der Club versuchte, sich wie eine Heimmannschaft zu präsentieren, gelungen ist ihm das allerdings nicht. Zwar hatte der FCN mit 60 Prozent mehr Ballbesitz, das war aber auch der defensiven Ausrichtung der Gäste geschuldet, die sich nach dem Tor von Khaled Narey in der 48. Spielminute darauf konzentrierten, die Führung nicht aus der Hand zu geben. Bezeichnend: Das Defensiv-Trio Eduard Löwen, Georg Margreitter und Ewerton kam auf insgesamt 291 Ballbesitzphasen, während das Mittelfeld bestehend aus Kevin Möhwald, Patrick Erras und Hanno Behrens nur auf 191 kam. Das unterstreicht die Hilflosigkeit in der Vorwärtsbewegung, mit der der FCN am Samstag zu kämpfen hatte.

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Häufig mangelte es an Durchschlagskraft, die im Sturmzentrum agierenden Federico Palacios und Adam Zrelak wurden nur schlecht ins Spiel eingebunden und kamen auf nur je 27 Ballkontakte. Viel zu wenig, um in einem Heimspiel - umso mehr in einem Derby mit aufgeheizter Atmosphäre - erfolgreich zu sein. Der von Köllner überraschend aufgebotene Alexander Fuchs fiel zwar nicht negativ auf - im Gegenteil, in der 56. Minute rettete der 21-Jährige den Club in höchster Not vor dem 0:2 - konnte aber in der Vorwärtsbewegung keinerlei Akzente setzen und schlug nur eine Flanke. Seinem Pendant auf der rechten Seite, Tim Leibold, gelangen immerhin vier.

Führung verwalten

Das alles soll aber die Leistung der SpVgg nicht schmälern, deren Trainer Damir Buric sich offenbar den goldrichtigen Matchplan überlegt hatte. Fürth war unangenehm in den Zweikämpfen, von denen die Weiß-Grünen immerhin 49 Prozent gewannen, und machte in der Defensive keine nennenswerten Fehler. Der Führungstreffer war natürlich mehr ein Zufallsprodukt als ein akribisch über mehrere Wochen einstudierter Spielzug, reichte aber aus, um das Kleeblatt in eine angenehme Situation zu bringen: Mit der Führung im Rücken einen etwas hilflos wirkenden Gastgeber zum Spielen zu zwingen.

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Dabei ließ die Buric-Elf einmal mehr gute Chancen liegen oder brachte das Kunststück zustande, sich aussichtsreiche Überzahlsituationen mit ungenauen Zuspielen selbst kaputtzumachen. Das Kleeblatt drohte, wieder zurück in alte Muster zu verfallen - auch beim 1:1 in Düsseldorf waren dilettantisch ausgespielte Konter ein Grund dafür, weshalb Fürth kein überraschender Auswärtssieg gelang. Am Samstag aber spielte dem Kleeblatt in die Karten, dass der Club seit der Knieverletzung von Mikael Ishak mit Offensivproblemen zu kämpfen hat und FCN-Coach Köllner noch keinen zuverlässigen Plan B, zumindest für das Sturmzentrum, gefunden hat. Zwar war der Schwede vor seiner Verletzung mehr als 350 Minuten ohne Tor geblieben, sorgte mit seiner Präsenz aber für Räume für die Mitspieler.

Der unglückliche Allrounder

Die meist harmlosen und ungenauen Zuspiele der Nürnberger droschen die abstiegsgefährdeten Fürther, die ingesamt 28 klärende Aktionen vorzuweisen hatten, einfach aus der Gefahrenzone. Und wenn Nürnberg sich dann doch durch die Fürther Abwehrkette beißen konnte, mangelte es häufig an der Genauigkeit: Insgesamt 19 Schüsse gab der Club ab, auf das Tor von Sascha Burchert kamen davon aber nur zwei. Fürth hingegen war in diesem Bereich deutlich zielstrebiger (fünf von 13 Schüssen gingen auf den Club-Kasten) und entschied das Spiel in der Nachspielzeit. Wieder einmal war es Löwen, der trotz ordentlicher Zweikampfquote von 70 Prozent das entscheidende Duell (beim ersten Tor gegen Narey, beim zweiten Treffer gegen Daniel Steininger) verlor.

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"Es läuft halt hier auf dem Pflaster", sagte Steininger nach der Partie, sich dem provokativen Unterton dieser Aussage mit Sicherheit bewusst. Die Zahlen geben dem 22-Jährigen allerdings recht: Seitdem der gebürtige Niederbayer im Sommer 2016 zu den Profis stieß, gelangen ihm im Nürnberger Achteck zwei Tore - eins mehr als FCN-Flügelflitzer Edgar Salli im selben Zeitraum.

Bei aller Derby-Euphorie muss man sich in Fürth allerdings bewusst sein, dass das Abstiegsgespenst weiterhin im Ronhof umhergeht. Auch wenn die Tendenz in den vergangenen Wochen nach oben zeigte, die restlichen neun Partien werden mindestens so anstrengend wie das Derby am Samstag. Und auch beim Club erdet die enttäuschten Anhänger ein Blick auf die Tabelle, der Aufstieg ist weiterhin realistisch. "Auch wenn es eine schmerzhafte Derbyniederlage ist, wirft uns das nicht aus der Bahn", zeigte sich Leibold nach dem Spiel wieder zuversichtlich. Ishak wird dem Club auch weiterhin fehlen, nun aber müssen andere Spieler in die Bresche springen, um den Aufstiegsträumen von Team und Fans gerecht zu werden. Beim 3:1 gegen den MSV Duisburg bewiesen sie bereits, dass sie das können.

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Alexander Aulila Online-Redaktion E-Mail

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