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Matchstatistik: Club theoretisch besser, praktisch chancenlos

Mehr Torschüsse und mehr Ballbesitz für die Hausherren - 01.12.2019 12:52 Uhr

Harsche Kritik nach der Niederlage - die Spieler mussten sich von den Fans in der Nordkurve einiges anhören. © Sportfoto Zink / Daniel Marr


Wenn eine Mannschaft sich nach dem Spiel geschlossen in die Kurve zu ihren Fans begibt, dann kann das zweierlei bedeuten: Den Wunsch, einen wichtigen Sieg gemeinsam mit der eigenen Anhängerschar zu feiern oder aber, dass ein Team Abbitte leisten will für das, was sich in den 90 Minuten zuvor auf dem Rasen zugetragen hat. Letzteres Szenario spielte sich nach der 0:2-Heimniederlage des 1. FC Nürnberg gegen den SV Wehen Wiesbaden ab. Die Ultras baten zum Rapport in der Nordkurve nachdem der Club zuvor kaum in der Lage gewesen war, die als Tabellenschlusslicht angereisten Wiesbadener ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

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Ganze fünf Torschüsse haben den Hessen gereicht, um im Max-Morlock-Stadion ihren erst dritten Saisonsieg einzufahren. Mit 13 Punkten steht Wiesbaden nun auf Rang 17, direkt hinter dem theoretisch aufstiegsambitionierten Club, der der dritten Liga spielerisch und tabellarisch derzeit deutlich näher ist als der ersten. Schon in der vierten Minute hebelte Sascha Mockenhaupt per Vertikalpass den kompletten Nürnberger Defensivverbund aus, Manuel Schäffler musste den Ball nur noch über Felix Dornebusch im Kasten der Franken hinwegheben. Nur noch vier weitere Torschüsse gab der SV Wehen im Verlauf der Partie ab, der Club feuerte laut Statistik zwar 24 mal Richtung Tor der Gäste, ein Treffer gelang jedoch nicht.

Driller vermisst den Kampfgeist

24 Torschüsse, das klingt nach einem wahren Offensivfeuerwerk - tatsächlich waren es aber nur zwei Distanzschüsse von Johannes Geis und ein Kopfball von Stürmer Michael Frey an die Oberkante der Latte, die für Torgefahr sorgten. Mehr war nicht. Stattdessen viel Verunsicherung, ideenlose Querpässe und ein Tabellenletzter, dem eine durchschnittliche Leistung genügte, um den 1. FCN verzweifeln zu lassen. 34 Prozent Ballbesitz reichten den Gästen zum Sieg - vor allem, weil der Club mit seinen 66 Prozent Ballbesitz wenig Produktives anzufangen wusste. Je näher man dem Wiesbadener Tor kam, desto harmloser wurden die Spielzüge.

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Obwohl der Club früh in Rückstand lag und demnach hätte anrennen und auf den Ausgleich drängen müssen, passierte zunächst nicht viel. Eine Schockstarre hatte von den Akteuren des 1. FC Nürnberg Besitz ergriffen. Das schlägt sich auch in der Statistik nieder. 119,2 Kilometer legten die Spieler des SV Wehen Wiesbaden insgesamt zurück, der Club kam hingegen nur auf eine Laufleistung von 117,8 Kilometern. "Wenn das Christkindl-Trikot nicht einen Fleck Dreck hat, ist das sehr aussagekräftig", kritisierte Martin Driller, der einst in 112 Spielen für den Club 29 Tore erzielt hat, nach dem Spiel auf Facebook.

Dann patzt auch noch Dornebusch

Lauffreudigster Clubspieler war übrigens der junge Robin Hack, der zwar auch keine entscheidenden Akzente setzen konnte, immerhin aber ziemlich genau zwölf Kilometer abspulte. Zumindest brachte die Mannschaft von Jens Keller 77 Prozent der insgesamt 586 gespielten Pässe an den eigenen Mann. Das ist jedoch wohl eher als Ausdruck vieler Sicherheits- und Querpässe zu werten, als als Ausdruck spielerischer Klasse. Die Passquote der Wiesbadener fiel mit 56 Prozent deutlich geringer aus.

Ausgeglichen zeigten sich beide Teams in den Zweikämpfen. Beide Mannschaften konnten jeweils die Hälfte der Duelle Mann-gegen-Mann für sich entscheiden. Fünf Ecken gab es für die Hausherren, die zuletzt am 25. August im eigenen Stadion gewinnen konnten. Die Gäste kamen hingegen mit zwei Ecken aus, schließlich fiel auch das zweite Tor aus dem Spiel heraus. Kurz nach der Pause sah sich Felix Dornebusch veranlasst, sein Tor zu verlassen, um den auf der rechten Außenbahn heranstürmenden Daniel-Kofi Kyereh zu stoppen. Eine Fehlentscheidung des Torhüters, die der Wiesbadener Stürmer mit dem Treffer zum 2:0 quittierte. Beim Club muss man sich auf eine ungemütliche Vorweihnachtszeit einstellen, für den Traditionsverein geht es in der verbleibenden Saison nun vor allem darum, den Fall in die dritte Liga abzuwenden.

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