Matheus Pereira: 60 Millionen Gründe für den Club

13.9.2018, 05:53 Uhr
Dass Mattheus Fellipe Costa Pereira etwas drauf hat, mussten während der Länderspielpause auch die Bezirksliga-Fußballer der TSG Roth leidlich erfahren.

Dass Mattheus Fellipe Costa Pereira etwas drauf hat, mussten während der Länderspielpause auch die Bezirksliga-Fußballer der TSG Roth leidlich erfahren. © Sportfoto Zink / DaMa

Wer einen Braslianier verpflichtet, holt sich nicht selten ein kleines Kommunikationsproblem in den Verein. Zur offiziellen Vorstellung seines Sommerzugangs Matheus Pereira musste der 1. FC Nürnberg am Mittwochnachmittag extra einen Dolmetscher engagieren, weil Laszlo Sepsi ja nicht mehr da ist.

Der polyglotte Rumäne übersetzte vor circa einem Jahr bei der bislang einzigen Pressekonferenz von Ewerton, ebenfalls Brasilianer und der deutschen Sprache höchstens in Bruchstücken mächtig. Sein Landsmann, der für eine Saison geliehen ist vom Sporting Clube de Portugal, kann aktuell noch weniger, was man ihm bestimmt nachsehen wird. Wenn er die Erwartungen erfüllen sollte.

Nur einer unter vielen

Seinen vorübergehenden Abschied aus Lissabon hat Matheus Pereira selbst vorbereitet, allerdings, wie er behauptet, keinesfalls absichtlich. Nach einer ordentlichen Vorbereitung inklusive Tor im Test gegen Nizza musste er beim Liga-Auftakt zuschauen. Das hatte sich abgezeichnet, als Stammkraft durfte sich der kräftige junge Mann eigentlich nie fühlen, nachdem ihn sein Arbeitgeber bereits in der vergangenen Runde befristet abgab. Bei Erstligaaufsteiger Chaves wusste Matheus Pereira nicht nur wegen seiner sieben Tore und fünf Vorlagen zu gefallen - beim großen Sporting Clube de Portugal war er nach seiner Rückkehr im Sommer aber nach wie vor nur einer von vielen.

Dass sie einiges von ihrem technisch brillianten Brasilianer halten, dokumentierten die Verantwortlichen bereits im Juli des vergangenen Jahres, als sie seinen Vertrag bis 2022 verlängerten, nach zuvor neun Einsätzen in der ersten und 14 in der zweiten Mannschaft. Seine im Vertrag festgeschriebene Ablöse liegt seitdem bei 60 Millionen Euro - wovon sich der chronisch klamme Club erstaunlicherweise aber nicht abschrecken ließ.

Ein Leihgeschäft ist ja fast immer drin, erst recht, wenn der betreffende Profi einigermaßen unzufrieden ist. 90 Minuten saß er beim Rundenstart in Moreira de Cónegos auf der Bank; offenbar extrem frustriert ob seiner Nicht-Berücksichtigung griff Matheus Pereira hinterher zum Handy und setzte einen Tweet in die Welt.

Wer möchte und des Portugiesischen mächtig ist, kann den kleinen Wutausbruch noch heute nachlesen. Gelöscht hat er sein am Abend des 12. August getipptes Unverständnis jedenfalls nicht; dass ihm seine öffentliche Kritik an Trainer José Peseiro vor allem einen Haufen Ärger einbringen sollte, nahm er offenbar billigend in Kauf. Knapp drei Wochen und eine vereinsinterne Sperre später schaffte es Matheus Pereira Ende August zum Derby gegen Benfica zwar wieder ins Aufgebot, wollte aber trotzdem nur noch weg aus Lissabon.

Lohnende Beharrlichkeit 

Dass er in Nürnberg gelandet ist, hat er dem Verhandlungsgeschick des Sportvorstands zu verdanken. "Es hat sich für uns gelohnt, dass wir im zähen Ringen bis zum Ende durchgehalten haben", wird Andreas Bornemann in einer Pressemitteilung zitiert. Dabei hat Matheus Pereira erst eineinhalb Stunden gespielt für seinen neuen Club – je 45 Minuten beim 17:1 in Roth und am Sonntag gegen Dukla Prag (4:0), wo er seine Qualitäten in der zweiten Halbzeit immerhin ein paar Mal andeutete.

Am liebsten tobt er sich auf der rechten Seite aus, obwohl der linke Fuß sein etwas stärkerer ist. Mit dem Ball nach innen ziehen, selbst schießen oder in die Tiefe passen – so lässt sich seine bevorzugte Angriffsstrategie in wenige Worte packen. Damit hat er es schon verhältnismäßig weit gebracht; vor knapp drei Jahren wählte ihn die Uefa nach einer Europa-League-Runde mal in die Elf des Tages, nur musste das vermeintliche Ausnahmetalent erst lernen, auch Rückschläge richtig einzuordnen. Während sie ihn bei Sporting behutsam aufbauen wollten für größere Aufgaben, konnte es Matheus Pereira wohl nicht schnell genug gehen.

"Links. Rechts. Sehr gut" 

Deshalb sucht er sein Glück jetzt in der Bundesliga. Als "wesentlich interessanter als in Portugal" bezeichnet er die höchste Klasse hierzulande, "unbedingt" wollte er nach Nürnberg und zu seinem Landsmann Ewerton, den er bereits von Sporting näher kennt. Dass die beiden künftig täglich acht Stunden oder länger zusammen Deutsch büffeln, ist eher nicht anzunehmen, ein paar Brocken ("Links. Rechts. Sehr gut.") kann Matheus Pereira bereits, ebenso "Nein".

So antwortete er am Mittwoch auf die Frage, ob ihm der 1. FC Nürnberg schon vor seinem Wechsel ein Begriff war. 

 

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