Saisonstart am 2. Oktober

MMA in Nürnberg: Von Temptation Island in die Arena

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

E-Mail zur Autorenseite

31.8.2021, 17:33 Uhr
Er liebt MMA: Mario Wittmann (links) kämpft im Käfig.

Er liebt MMA: Mario Wittmann (links) kämpft im Käfig. © Nazariy Kryvosheyev, NN

In Japan nannten sie ihn den "blue-eyed devil", den Teufel mit den blauen Augen. Dabei hat Mario Wittmann auch eine außergewöhnlich schöne Nase. Zumindest so schön, dass es sich für ihn lohnt, darauf hinzuweisen, wenn er von seiner Sportart schwärmt, die viele Menschen eher an Blut und schiefe Nasen denken lässt. Wittmann muss da erst einmal etwas klarstellen, er nennt es "bereinigen, den Menschen die Angst nehmen".

Wie er da im Power Athletics Gym in der Muggenhofener Straße auf dem Boden kauert, großflächig tätowiert, lächelnd, die blauen Augen weit geöffnet, ist sein Alter nur schwer einzuschätzen. "Viele sagen Ende 20, Anfang 30", erzählt er, dann muss er lachen. "Das haben sie aber auch schon gesagt, als ich Anfang 20 war." Tatsächlich ist Mario Wittmann 36 Jahre alt, für sein pralles Leben ist das noch immer sehr jung. Er war wild und gerade volljährig, als ihm in einem Kloster in Japan der Teufel ausgetrieben wurde. Wittmann wurde Buddhist, ruhiger, Deutscher Meister im Vollkontakt-Karate und weil es kaum einen Kampfsport gab, den er nicht ausprobiert hat, der ideale MMA-Kämpfer.

Wie einst in der Antike

MMA steht für Mixed Martial Arts, jene Kombination aus verschiedenen Stilen, die vielen in Deutschland als "Käfigkampf, als asozial, als dumm" gilt. Wittmann kennt die Vorurteile, er weiß, dass eine Youtube-Suche diese Vorurteile in Sekundenschnelle bestätigt. Er weiß sich aber auch zu wehren, seine Sätze schlagen ein wie freundliche Kinnhaken. "In den USA", sagt er, "gelten wir als Surfer des Kampfsports." Nimm das, Journalist.

In den USA ist MMA vor allem ein Business, mittlerweile milliardenschwer. Die Ultimate Fighting Championship (UFC) hat sich neben Basketball, Baseball, Football und Eishockey als fünfte große Sportart etabliert. Um die prominentesten Kämpfe live auf ihren Bildschirmen sehen zu können, sind Millionen Fans bereit, ordentlich Geld zu zahlen. Durch die pay-per-view-Erlöse ist der Sport so attraktiv geworden, dass es nicht auszuschließen ist, dass das Internationale Olympische Komitee MMA vor den Sommerspielen 2028 in Los Angeles in ihr Programm aufnimmt. Für viele Sportfans wäre das ein Tabubruch, dabei war der Allkampf bereits Teils des Programms der Olympischen Spielen der Antike.

Ein Zaun zum Schutz

In Nürnberg soll Mario Wittmann erst einmal helfen, die Arena Nürnberger Versicherung zu füllen – soweit das während einer Pandemie möglich ist. Am 2. Oktober gastiert mit "We love MMA" das deutsche Pendant zur UFC im Schatten des Frankenstadions. Wittmann wird dann in einem der zehn Kämpfe antreten – natürlich im Käfig, der auf Gelegenheitszuschauer martialisch wirkt, aber zweifelsohne für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt. Marcus Wortmeier nennt das Oktagon hingegen einen Schutzzaun. Weil beim MMA nicht nur im Stehen, sondern wie auch oft auf der Matte gekämpft wird, soll der Käfig verhindern, dass die Kämpfer den Zuschauern vor die Füße stürzen.

Rhetorisch scheint Wortmeier also der richtige Mann zu sein, um MMA "aus den Hinterhöfen" zu holen. 2010 ist der Promoter angetreten, um die Sportart vom Rotlicht-Image zu befreien, dass in Deutschland nicht nur dem Boxen anhaftet. Mit "We love MMA" etablierte er eine "saubere Serie" - zunächst in Berlin, mittlerweile in großen Arenen in ganz Deutschland. In Nürnberg findet bereits die 54. Veranstaltung statt. Und weil es ihm neben Mario Wittmann, der die einnahmefreie Corona-Zeit als Verführer im RTL-Format auf "Temptations Island, Vip" überbrückt hat, an prominenten Namen fehlt, macht er Vorschläge für die Gestaltung des 2. Oktober: "Firmen halten ihre Weihnachtsfeier bei uns, Frauen feiern Junggesellenabschiede, weil sie vor der Ehe noch einmal echte Kerle sehen wollen".

Noch so ein Spruch, Kieferbruch?

Doch noch so ein Klischee, dem Wittmann zumindest optisch entspricht. Zwölf Mal pro Woche trainiert er für seine Karriere als MMA-Kämpfer, vor der Pandemie oft in Los Angeles, mittlerweile in seinen eigenen Studios in Ingolstadt, zwei Mal in der Woche mit Tasso Karamitros im Power Athletics Gym in Nürnberg. Dann erzählt er noch, wie er einem Gegner mit einem Drehkick einst den Kiefer gebrochen hat. "Der Ref hat es nicht gesehen, aber ich habe es gehört und sofort aufgehört. Aber das war ein Sonderfall." Sonst sähe seine Nase kaum noch so schön aus.

1 Kommentar