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Möglicher Test gegen PSG: Das hat der Club nicht nötig

Ein Spiel gegen das Katar-Investment wäre ein völlig falsches Signal - 21.06.2019 17:25 Uhr

"Glubb against the machine" hieß es, als der FCN 2016 auf RB Leipzig traf. Eine Kurve, die sich Tradition auf die Fahnen schreibt, kann sich unmöglich über ein mögliches Testspiel gegen Paris St. Germain freuen, kommentiert unser Redakteur. © Sportfoto Zink/MaWi


Der 1. FC Nürnberg soll - so berichtet es das französische Sportblatt L’Equipe - am 20. Juli zur Saisoneröffnung den französischen Serienmeister Paris Saint-Germain empfangen. Ein sportlich attraktiver Gegner, seit Jahren Dauergast in der K.o.-Phase der Champions League und der erfolgreichste Verein Frankreichs in diesem Jahrzehnt. Keine Frage, dass dieses Duell für den Club einen Gewinn darstellt, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich. Noch sind die Verträge aber nicht unterzeichnet - und das sollte Nürnbergs Aushängeschild nutzen, um sich umzuentscheiden.

Weltstars wie Kylian Mbappé, Neymar oder Angel Di Maria schnüren ihre Schuhe für den amtierenden französischen Meister. Doch wer hinter die Fassade blickt, merkt sofort, dass der märchenhafte Aufstieg von PSG von reichlich Nebengeräuschen begleitet wird. 2011 stieg Qatar Sports Investments als neuer Eigentümer beim Hauptstadtklub ein, nach Jahrzehnten eher überschaubaren Erfolgs. Aus einer grauen Maus wurde ein internationales Schwergewicht. Spätestens seit den Enthüllungen der "Football Leaks" wissen wir aber: Mit rechten Dingen ist das nicht zugegangen.

Absurde Summen und dubiose Quellen

Wenn der FCN gegen Leipzig oder Hoffenheim spielt, sind diese Partien stets von Protesten der Fans begleitet. Ob berechtigt oder nicht, das mag jeder Fan für sich selbst entscheiden. Doch das Vorgehen der Investoren aus Katar lässt diese Klubs wie unschuldige Schuljungen aussehen. Der Erfolg Paris Saint-Germains wird von heftigen Vorwürfen begleitet: Ein Emirat kauft sich einen schlafenden Giganten mit viel Potenzial, pumpt absurde Summen in Mannschaft und Infrastruktur und überholt so die Konkurrenz - national wie international.

 

 

 

Dass hohe Ablösesummen und astronomische TV-Gelder im Jahr 2019 schlicht und einfach zum Fußball, der sich immer mehr als Geschäft versteht, gehören - geschenkt. Doch hier ist immer noch eine klare Linie zu ziehen zwischen denen, die sich ihren Erfolg im Laufe der Jahre hart erarbeitet haben, und denen, die ihn mit Geldscheinen aus mitunter dubiosen Quellen erzwingen wollen. Das Geld für PSG liefern Konzerne, die dem Emirat gehören oder ihm nachweislich sehr nahe stehen.

Tradition trifft Investment

Um nicht gegen das von der Uefa initiierte "Financial Fair Play" - eine Maßnahme, die die erlaubten Ausgaben eines Klubs an die Einnahmen koppeln soll - zu verstoßen, soll PSG seine Bilanzen geschönt und somit systematisch betrogen haben. Immer wieder droht Paris deshalb der Ausschluss aus der Champions League, doch dafür - und das wissen auch die Drahtzieher von Qatar Sports Investments - fehlt der Uefa einerseits der Mumm, andererseits aber auch die juristische Handhabe, diesen Ausschluss dann auch vor europäischen Gerichten durchzusetzen.

Sollte Paris also am 20. Juli tatsächlich ins Max-Morlock-Stadion kommen, trifft der Club dabei nicht nur auf eine der besten und teuersten Mannschaften Europas, sondern auch auf genau das, was seine Fans in der Vergangenheit häufig und mit Nachdruck kritisierten. Auf ein Investment, dessen Erfolgsgrundlage es ist, mit externem Kapital Traditionsklubs zu überholen. Das mag zwar das Max-Morlock-Stadion füllen und einen prestigeträchtigen Gegner für die Saisoneröffnung nach Nürnberg locken, ist aber auch das fußballerische Äquivalent des Stockholm-Syndroms. Das hat der Club, der seine Tradition und Nähe zu den Mitgliedern als Alleinstellungsmerkmal sieht, nicht nötig. Und seine Fans haben dies mit den Werten und Überzeugungen, für die sie einstehen, auch nicht verdient. 

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