Motorsport in der Pandemie: Die Ampel steht auf Rot

16.5.2021, 12:10 Uhr
Bei der letzten Altmühlfrankenrallye im Jahr 2019 wirbelten die Boliden mächtig Staub auf. Ob das dieses Jahr wieder möglich sein wird, ist noch unklar.

Bei der letzten Altmühlfrankenrallye im Jahr 2019 wirbelten die Boliden mächtig Staub auf. Ob das dieses Jahr wieder möglich sein wird, ist noch unklar. © Foto: AC Gunzenhausen

Das mit dem neuen Kart für die zwei Söhne hat sich noch nicht so richtig gelohnt. Genau einmal haben die beiden 16 und 12 Jahre alten Sprösslinge von Christian Funk damit trainieren können. Rund 2000 Euro hatte er zuvor in die Rennmaschine investiert, sogar einen neuen Motor eingebaut. Dann kam Corona und ließ das Sportgerät verstummen. Funk ist Vorsitzender des Automobil Club (AC) Gunzenhausen. Ein Zusammenschluss von Auto-Enthusiasten, die in normalen Jahren regelmäßig an Kart-Events, Slalomrennen und Rallyes teilnehmen. Natürlich organisieren die Mitglieder des AC auch selbst Veranstaltungen in Altmühlfranken – wäre da nicht die Pandemie.


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"Im Februar 2020 sind wir noch eine Rallye in Zorn gefahren, das ist im Hochtaunus. Seitdem war nichts mehr", stellt Funk nüchtern fest. "Die Kameradschaft fehlt am meisten, das familiäre Zusammensein, mal ein Bier gemeinsam zu trinken", klagt er. Doch auch der Trainingsbetrieb ruht derzeit noch. Zwar hat die Firma Ernst, auf deren Gelände in Aha die Motorsportler sonst immer trainieren, dem AC erlaubt, unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften wieder loszulegen, aber Funk ist noch zurückhaltend. Er kenne niemanden, der das bislang gemacht habe.

Die Mitglieder sind vorsichtig, niemand will eine Infektion oder einen Verstoß gegen die Corona-Auflagen leichtfertig riskieren. "Ich will auch nicht, dass sich jemand wegen einem Karttraining Corona holt", sagt Funk. Wie schnell man selbst erkrankt, konnte der 44-Jährige in der eigenen Familie feststellen. Vor wenigen Wochen hat sich sein Bruder mit dem Virus infiziert, glücklicherweise kam er mit grippeähnlichen Symptomen davon.

"Oberstes Ziel ist das Training für Kinder"

Richtig durchstarten wollen sie beim AC erst wieder, wenn auch Zuschauer auf dem Geländer erlaubt sind. "Ohne machen wir nichts. Da müssten wir die Startgelder stark erhöhen, damit sich das rechnet, und das wollen wir nicht", erklärt der Vorstand. Der Motorsport soll bezahlbar bleiben. Insgesamt sind die Finanzen des Vereins relativ unbeschadet durch die Krise gekommen. Einnahmen aus Veranstaltungserlösen gibt es zwar derzeit nicht, dafür fallen aber auch die meisten Ausgaben weg. Nur ein paar Versicherungsbeiträge werden trotz Corona vom Vereinskonto abgebucht.

Bis einschließlich Juni hat der AC alle seine Events abgesagt. Kein Kartrennen, kein Auto-Slalom, keine Rallye. Trotzdem hofft Funk, dass im Laufe des Jahres zumindest noch ein bisschen Motorsport möglich sein wird. "Unser oberstes Ziel ist es, wieder Karttraining und Kartrennen für Kinder anbieten zu können", sagt er. Weil sich die Ausgaben hier in Grenzen halten, ginge das sogar ohne Zuschauer. Funk spürt, dass der Nachwuchs besonders unter den Einschränkungen durch die Pandemie leidet. Für Kinder und Jugendliche, die Neues erleben, Grenzen ausloten und sich mit Freunden umgeben wollen, sind die Kontaktbeschränkungen eben noch einschneidender als für Erwachsene.


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Die trainieren jedoch auch nicht, nur Fahrer mit Profilizenz durften die gesamte Corona-Zeit über auf den Kartbahnen im Freistaat ihre Runden drehen. Auch Funk selbst fehlt die Normalität – und vor allem sein Sport. Der 328er BMW, mit dem er sonst an Rallyes in ganz Deutschland stattfindet, steht abgemeldet in der Garage. Nur den TÜV hat er schon mal erneuern lassen, falls doch noch was geht in diesem Jahr.

Altmühlfrankenrallye könnte stattfinden

Ganz aufgegeben haben sie die Hoffnung noch nicht beim AC – auch nicht, was das Aushängeschild des Vereins angeht, die Altmühlfrankenrallye. "Wir sind natürlich schon sehr im Verzug mit der Planung, die Entscheidung ob sie stattfindet, fällt wahrscheinlich am 22. Mai", sagt Funk. An diesem Tag findet eine Online-Konferenz des Automobil-Clubs NAVC statt, dem auch der AC Gunzenhausen angehört. Die Vereinsvertreter wollen dann diskutieren, ob und wie im Sommer Rallyes ausgetragen werden könnten.

Die Altmühlfrankenrallye ist derzeit für das Wochenende 25./26. September anberaumt. Noch ist also Zeit, allerdings benötigt die Veranstaltung viel Vorlauf. Landwirte, Gemeinden, Jagdpächter, sie alle müssen informiert werden. Außerdem braucht es eine Genehmigung des Landratsamtes, die Unterstützung des Roten Kreuzes und die Zusagen ehrenamtlicher Helfer. Möglich wäre daher auch, die Rallye in einer abgespeckten Version auszutragen, etwa mit weniger Wertungsprüfungen.


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Für Juli hat der AC auch eine Cross-Slalom-Veranstaltung geplant. Noch ist sie nicht abgesagt. Schließlich ist zu erwarten, dass sich die Corona-Situation in den kommenden Wochen etwas entspannen wird. Nicht zuletzt durch das inzwischen hohe Impftempo. Geht es so weiter, könnten die Motorsportler bald vielleicht doch noch ihre Boliden aus der Garage fahren. Und das Kart der Familie Funk hätte endlich eine Chance auf seine Rennpremiere.

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