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Mutprobe beim FCN: Bornemann fordert Führungsspieler

Sportvorstand vermisst beim 0:3 in München das Selbstbewusstsein - 11.12.2018 05:51 Uhr

Trotz acht siegloser Spiele in Folge gibt sich Club-Sportvorstand Andreas Bornemann kämpferisch. Er will bald schon wieder abklatschen. © Sportfoto Zink / DaMa


 NZ: Herr Bornemann, mit einer Niederlage gegen den FC Bayern München musste man ja rechnen, aber die Art und Weise war dann doch recht wehrlos...

Andreas Bornemann: Eines vorweg: Auch wenn die Bayern sicherlich nicht in ihrer Hochphase sind, haben sie immer noch eine qualitativ sehr hochwertige Mannschaft. Uns ärgert, dass wir viel zu wenig von dem, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt haben.

"Wir hätten aufsässiger sein müssen" 

NZ: Was hat die Mannschaft aus Ihrer Sicht falsch gemacht?

Bornemann: Wir hätten aufsässiger sein müssen, körperlich robuster. Stattdessen sind wir in der ersten Halbzeit vor Ehrfurcht erstarrt.

NZ: Die Spieler kamen ja überhaupt nicht in die Zweikämpfe...

Bornemann: Es gibt sicherlich Spiele und Gegner, bei denen Qualität und Tempo so hoch sind, dass du nicht rankommst. Aber das Gefühl hatte ich hier nicht unbedingt.

NZ: Aber woran lag es dann?

Bornemann: Wie gesagt: Wir waren zu ehrfürchtig. Erst nach dem 0:2 hatte ich das Gefühl, dass wir uns ein bisschen freigeschwommen haben. Danach gab es ein paar gute Ansätze bei uns, um vielleicht auch mal in den Kopf des Gegners zu kommen. Das haben wir aber nur für einen kurzen Moment hingekriegt.

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 NZ: Dann hat offensichtlich schon wieder die Courage gefehlt...

Bornemann: Ich hätte mir gewünscht, dass der ein oder andere Führungsspieler etwas mutiger vorangegangen wäre.

"Wir wissen, wo wir herkommen" 

NZ: Insgesamt erscheint die Mannschaft zu brav. Ist die immer wieder wiederholte Zweiklassengesellschaft der Liga nicht ein perfektes Alibi?

Bornemann: Wir wissen, wo wir herkommen und kennen die Möglichkeiten der anderen. Es geht darum, Dinge realistisch einzuordnen. Trotzdem gehen wir in jedes Spiel mit dem Ziel, etwas zu erreichen.

 NZ: Nach dem Motto "nur über meine Leiche" lief es gerade in den Auswärtsspielen zuletzt aber auch nicht wirklich ab, was die Nürnberger Gegenwehr betrifft...

Bornemann: Und hier sind wir wieder bei der realistischen Einordnung. Um gegen den FC Bayern zu bestehen, brauchen wir zehn, elf Spieler, die an 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit herankommen. Wenn sich einige nur bei 70, 80 Prozent bewegen, dann haben wir keine Chance.

NZ: Ist es nicht auch Sache des Trainers, die Spieler in diese Verfassung zu bringen?

Bornemann: Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Spielers, seine bestmögliche Leistung abzurufen. In der Aufstiegssaison hat es uns ausgezeichnet, wie wir auswärts aufgetreten sind: abgebrüht, kontrolliert, selbstbewusst. Da hatten die Gegner allerdings auch eine andere Qualität.

NZ: Womöglich fehlt die Qualität, um Konkurrenzsituationen zu schaffen?

Bornemann: Auf den meisten Positionen haben wir eine Konkurrenzsituation.

NZ: Woran liegt es dann?

Bornemann: Ich habe das Gefühl, es fehlt das eigene Zutrauen.

Keine Routine gegen Robbery 

NZ: Fehlt es der Mannschaft vielleicht einfach auch an Erfahrung?

Bornemann: Wenn ich noch nie gegen Robben, Ribéry oder Lewandowski gespielt habe, weiß ich natürlich nicht, ob ich gegen sie bestehen kann.

NZ: Führt das permanente Wiederholen der Aussichtslosigkeit gegen die Top-Teams der Liga nicht zwangsläufig dazu, dass man nicht mehr an seine Chance glaubt und sich womöglich bequem in seine Rolle fügt?

Bornemann: Bei uns gibt es keine Bequemlichkeit. Wenn, dann höchstens eine gewisse Ehrfurcht. Natürlich schadet etwas Demut nicht, wenn man in München antritt. Aber man braucht auch Mut. Wenn die ersten Zweikämpfe gewonnen sind, merkt man plötzlich, dass man auch gegen einen Lewandoski bestehen kann.

"..., wenn jeder von uns alles gibt"  

NZ: Der Club hat elf Punkte und ist seit acht Spielen sieglos. Was muss jetzt passieren?

Bornemann: Wir müssen uns noch klarer bewusst machen, dass wir auch große Gegner phasenweise ärgern können, wenn jeder von uns alles gibt. Wenn wir das umsetzen, kommen wir auch zu Punkten.

 

NZ: Noch bleibt dieser Entwicklungsschritt – und das nach 14 Spieltagen – offensichtlich aus...

Bornemann: Ich finde schon, dass wir Spieler haben, die Woche für Woche einen Schritt weiterkommen. Ziel muss es sein, dass uns das als gesamter Mannschaft gelingt. 

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 NZ: Die Nummer eins im Tor, Christian Mathenia, ist verletzt. Stellvertreter Fabian Bredlow wird von der Abwehr oft im Stich gelassen, hinterlässt selbst aber auch nicht gerade einen guten Eindruck.

Bornemann:Das Leipzig-Spiel war für ihn sicherlich nicht so einfach zu verarbeiten. Auch mit der Konsequenz daraus, den Platz erst einmal räumen zu müssen.

"Es ist für ihn ein Prozess, durch den er muss" 

NZ: Auch in München unterliefen ihm Fehler, die zu zwei von drei Gegentoren geführt haben...

Bornemann: Fehler ärgern ihn sicherlich am allermeisten. Es ist für ihn ein Prozess, durch den er muss, er muss seine Lehren ziehen und lernen, die Dinge abzuhaken. Bei aller Kritik: Fabian hält auch in München ein paar Bälle sehr gut. Daran muss er sich hochziehen.

Ziele und Druck 

NZ: Bis zur Winterpause sind gegen Wolfsburg, Gladbach und Freiburg noch neun Punkte zu vergeben. Gibt es ein gestecktes Minimalziel?

Bornemann: Das haben wir von Anfang an nicht gemacht. Natürlich ist es unser Ziel, dass wir bis zur Winterpause noch den einen oder anderen Punkt holen, um den Anschluss zu halten.

NZ: Die Spieler werden weniger, der Druck von Woche zu Woche größer?

Bornemann: Nein, wird er nicht. Der Druck ist immer da und er ist auch immer derselbe. Wir wollten vom ersten Tag an die Herausforderung Bundesliga stemmen und das bleibt so, bis zu dem Tag, an dem wir es geschafft haben.

Was geht mit Kingsley Schindler? 

NZ: Und für die Rückrunde holen Sie sich dann von Ihrem Ex-Verein Holstein Kiel mit Offensivspieler Kingsley Schindler die benötigte Verstärkung?

Bornemann: Es ist ja kein Geheimnis, dass wir uns im Sommer für ihn interessiert haben. Aber Kiel hat das damals kategorisch abgelehnt und das hört sich im Moment nicht viel anders an. 

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Fragen: Stefan Jablonka

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