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Nach Bundesliga-Rückzug: Freystadt greift neu an

Badminton-Aushängeschild bietet viele Eigengewächse und wenige externe Asse auf - 16.10.2020 09:57 Uhr

Nicht mehr wegzudenken als Teil der Kulisse bei Heimspielen der Freystädter Badminton-Asse in der Mehrzweckhalle sind die blauen Spezialmatten. Sie kommen nach dem Rückzug von der Bundesliga in die Regionalliga weiter zum Einsatz.
 

© Marcus Mehlich


Zu den zeitintensivsten Tätigkeiten entwickelte sich in den Tagen vor den Spielen die Zusammenstellung des finalen Mannschaftsaufgebots, die sich je nach Abschneiden mancher internationaler Spitzenkraft kurzfristig verkomplizieren konnte. „Ich musste ständig die Ergebnisse laufender Turniere im Auge behalten und bei Bedarf einen Flug umbuchen“, gibt Stephan Pistorius Einblick in die Aufgabenfülle als ehrenamtlicher Manager des ehemaligen Badminton-Bundesligisten TSV Freystadt. „Das war manchmal mehr als ein 40-Stunden-Vollzeitjob und kaum noch zu leisten.“

Freilich bürdete sich der heute 63-jährige Früh-Pensionär einen Teil des Drucks selbst auf, der mit dem rasanten Aufstieg der von ihm geförderten Aushängeschilder um Sohnemann Johannes einherging. Um mit dem sportlichen Erfolg des einstigen Bezirksligisten, der sich von 2010 an binnen sechs Jahren bis in die höchste deutsche Spielklasse schmetterte, mithalten zu können, musste das Umfeld ebenfalls wachsen. „Für mich gibt es als Funktionär eben nur 100 Prozent Einsatz, genau wie ich ihn von den Spielern auf dem Feld sehen möchte“, erklärt Pistorius, dessen berufliche Erfahrungen im Sektor Kommunikation/Veranstaltungskoordination maßgeblich zum erfolgreichen Aufbau des kleinen Bundesliga-Unternehmens beitrugen. Die vergebliche Suche nach einem Hauptsponsor indes bedeutete im Frühjahr 2020 das abrupte Ende eines vierjährigen Traums.

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Auch wenn jene Partie im Oktober 2013 gegen die SG Anspach mit 3:5 verloren ging, war die Stimmung in der Freystädter Mehrzweckhalle wie bei den meisten Heimwettkämpfen prächtig. Zwei Asse von damals schlagen im Herbst 2020 wieder für den TSV in der Regionalliga auf.


„Der Stress ist jetzt auf einem anderen Level“, berichtet Pistorius, der sich vorgenommen hat, die Vereinsjugend wieder öfter zu begleiten und sportliche Unterhaltung in auswärtigen Hallen als einfacher Zuschauer zu genießen. Während die privaten Pläne bislang größtenteils an den Einschränkungen zur Corona-Bekämpfung scheiterten, erforderte die Neuausrichtung des Vorzeige-Projekts ohnehin einmal mehr die verstärkte Aufmerksamkeit des Strategen Pistorius. „Es war eine schwierige Entscheidung“, nach dem Bundesliga-Rückzug nur zwei Etagen tiefer in der Regionalliga anzutreten. Auf der einen Seite standen die Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit eines durch Abgänge massiv geschwächten Aufgebots, auf der anderen stand das Risiko, die nachrückende Generation Eigengewächse, die sich mit der Oberliga-Vizemeisterschaft empfahl, zu verlieren. „Wenn wir diese Perspektive nicht bieten, kommt die nächste Chance frühestens in fünf bis sechs Jahren“, so Pistorius. Also streckte er die Fühler nach externen Verstärkungen aus und überzeugte gleichzeitig ein gutes Dutzend der treuen Werbepartner von der Verlängerung ihres Engagements.

Mittelfristig zurück in Liga 2

Hätte der TSV Freystadt laut eigener Rechnung seine Ausgaben für den Verbleib in der Bundesliga, deren Mittelklasse-Klubs bis zu 100000 Euro zur Verfügung haben, verdoppeln müssen, kommt man nun mit der Hälfte des bisherigen Budgets im niedrigen fünfstelligen Bereich aus. Von dieser finanziellen Basis aus wäre — bei ähnlich geringeren Fahrtkosten — gar der Sprung in die 2. Bundesliga realisierbar, wie Pistorius bestätigt. Je nach Fortschritt der personellen Konsolidierung sei es denkbar, dies als mittelfristiges Ziel auszugeben.
Deshalb sollen einige aus den vergangenen Jahren bewährte Standards beibehalten werden. Dazu gehört das sorgfältig ausformulierte Ausbildungskonzept für Jugendspieler und das Auslegen der speziellen Mattenböden bei Heimspielen in der Mehrzweckhalle. Statt eines auf Bundesliga-Niveau verpflichtenden elektronischen Livetickers kommen derweil für die Ergebnisanzeige wieder normale Zähltafeln zum Einsatz. Ausgiebig hat sich Stephan Pistorius, der jüngst federführend in der Organisation der Bayerischen Jugendmeisterschaft in Neumarkt mitwirkte, außerdem in die Feinheiten eines Hygienekonzepts vertieft.
Bis zu 100 Zuschauer, die sich persönlich registrieren und mit entsprechendem Abstand auf den Sitzplätzen der Tribüne verteilen, sind vorläufig zugelassen, inklusive reduzierter Bewirtung. „Die Atmosphäre wird sicher dezenter sein“, ahnt Pistorius, schließlich lockte das stets zum unterhaltsamen Begegnungsfest ausgestaltete Rahmenprogramm in der Vergangenheit regelmäßig mehr als 200 Köpfe an die Allersberger Straße. Wiewohl, ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen, auf die Einlauf-Zeremonie mit Kindern verzichtet wird, sind die Gastgeber um bewährte Stimmungs-Elemente bemüht. Die Stammplätze der Trommeln sind reserviert. „Gerade in der aktuellen Situation sind wir motiviert, unsere Sportart bestmöglich zu präsentieren“, sagt Pistorius, der sich die Beteiligung in vorderster Reihe als Hallensprecher nicht nehmen lässt.

Am Sonntag, 18. Oktober, kommt es ab 15 Uhr zum Auftakt in der Regionalliga Südost zum Nachbarschaftsduell mit dem ESV Nürnberg-Flügelrad. Die Stärken der Gäste liegen in ihrer männlichen Spitze um die beiden Jungnationalspieler Kilian Maurer und Matthias Schnabel. Auch die Wolfsteinerin Ella Neve gilt als Rohdiamant. Dagegen bieten die Hausherren ihre Eigengewächse Andreas Pistorius, Bennett Elstermann, Jacob Fuchs Christian Jochum und Stefanie Spies sowie die Schwestern Katharina und Friederike Rudert auf. Ihr Debüt für Freystadt geben der neue serbische Spitzenakteur Luca Milic, Bastian Keller (vom TuS Geretsried) und die ehemalige kroatische Ex-Jugendeuropameisterin Maja Pavlinic.

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