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Nach Hopp-Beleidigungen: Kleeblatt fordert klare Richtlinien

Das Kleeblatt hat sich an die DFL und den DFB gewendet - 06.03.2020 17:52 Uhr

"Gegen Kollektivstrafen": Der Protest der Kleeblatt-Fans fiel im Vergleich zu anderen Szenen harmlos aus.

05.03.2020 © Foto: Wolfgang Zink


Dass der SpVgg Greuther Fürth gerade Respekt aus vielen Teilen Fußball-Deutschlands entgegenschlägt, ist ihrem Geschäftsführer gar nicht so angenehm. Oder besser gesagt: Die Umstände sind Holger Schwiewagner unangenehm.

Denn dass ausgerechnet die "kleine" Spielvereinigung aus Fürth sich an die Spitze einer Bewegung von Zweitligisten gesetzt hat, die von DFL und DFB klare Richtlinien im Konflikt der Verbände mit den Fankurven fordert, davon weiß Fußball-Deutschland nur aus einem Grund: Die ARD-Sportschau hatte eine interne Mail Schwiewagners an die Zweitliga-Vertreter im DFL-Präsidium geleakt.

Rachid Azzouzi über Rassismus

Und weil es Schwiewagner offenbar wichtig ist, dass interne Dinge nicht weiter öffentlich breit getreten werden, hat er beschlossen, sich öffentlich nicht weiter dazu zu äußern. Was die Spielvereinigung und andere Zweitligisten von den Verbänden fordern, ist aber auch so bekannt, denn die entsprechende Mail ist echt. Und die Fragen in dem nicht für die Allgemeinheit gedachten Schreiben sind umso schärfer und prägnanter formuliert.

Hintergrund sind die Aktionen etlicher Fangruppen am vergangenen Wochenende, die sich vordergründig gegen den Mäzen der TSG Hoffenheim, Dietmar Hopp, richteten. Er wurde auf einigen Spruchbändern als "Hurensohn" beschimpft, es drohten in manchen Partien deswegen Spielabbrüche. Hintergrund war der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen Verbänden und organisierten Fans, bei dem es um Kollektivstrafen im Speziellen und die Kommerzialisierung des Fußballs im Grundsätzlichen geht.

Klärung offener Fragen

Dass im Fall Hopp so konsequent gehandelt wurde, fand man bei der Spielvereinigung gut. Das hat Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi zuletzt gegenüber dieser Zeitung betont. Er sagte aber auch: "Ich hätte mir gewünscht, dass auf Schalke, als ein Spieler rassistisch beleidigt wurde, genauso durchgegriffen worden wäre wie jetzt in Hoffenheim."

Mit diesem Anliegen hat sich das Kleeblatt auch offiziell an die Verbände gewandt. Eine Frage aus der Mail an die DFL lautet: "Wird der Drei-Stufen-Plan nur bei Inhalten (auch in verbaler Form) gegen Dietmar Hopp eingesetzt oder ab sofort auch bei rassistischen, diskriminierenden, homophoben, sexistischen Äußerungen jeglicher Art, bei denen es bisher nicht zu Spielunterbrechungen kam?"


Kommentar: Wer Dietmar Hopp schützt, muss alle schützen


Doch das Anliegen, dass jegliche Form von Diskriminierung abzulehnen sei, ist nicht das einzige. Dem Kleeblatt geht es in der Mail auch um eine einheitliche Haltung von Verbänden und Vereinen.

Und um die Klärung offener Fragen. Ab wann etwa ein Spruchband dazu geeignet ist, eine Stufe im sogenannten "Drei-Stufen-Plan" auszulösen, der am Ende zu einem Spielabbruch führen würde. Am vergangenen Wochenende war die Drittliga-Partie Meppen gegen Duisburg auch wegen eines Spruchbandes unterbrochen worden, auf dem sich keine Beleidigung befunden hatte, den Verbänden aber Korruption vorgeworfen worden war ("Hat der Dietmar genug Kohle, wird zu seinem Schutz und Wohle von Leuten, deren Wort nichts wert, mal wieder jemand ausgesperrt"). "Sollen zukünftig solche Spruchbänder, die eigentlich im Rahmen der Meinungsfreiheit abgedeckt sein müssten, nicht mehr genehmigt werden?", fragt dazu die Spielvereinigung.

"Noch nie ein Problem gelöst"

Dem Fragenkatalog hatten sich auch andere Zweitligisten angeschlossen, die DFL antwortete schließlich mit einem öffentlichen Statement. Darin bekennt sich der Verband zur Meinungsfreiheit, diese stehe auch in den Stadien "nicht zur Disposition". Der Verband wendet sich ebenfalls gegen Kollektivstrafen, diese hätten im deutschen Fußball "noch nie ein Problem gelöst". Diffamierungen, Hetze und Hass auf Plakaten seien aber nicht hinnehmbar.

Der "Drei-Stufen-Plan" müsse dafür aber präzise definiert werden. Das solle "schnellstmöglich" geschehen, "im Sinne der Integrität des Wettbewerbs". Das ist wohl auch im Sinne des Kleeblatts. Schließlich wird am Wochenende schon wieder gespielt.

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