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Nach NHL-Aus: Wie geht es nun mit Yasin Ehliz weiter?

Nationalspieler wieder zurück in Deutschland - Comeback bei den Ice Tigers? - 05.11.2018 19:16 Uhr

Der Kontakt nach Nürnberg ist nie abgerissen, dennoch stehen Yasin Ehliz nun - zumindest in der DEL - alle Türen offen. © Sportfoto Zink / ThHa


Yasin Ehliz ist wieder zu Hause. Nicht in Nürnberg, wo er von Herbst 2010 bis Frühjahr 2018 zu einem der spektakulärsten Spieler der Deutschen Eishockey Liga (DEL) herangereift war, sondern in Gaißach bei Bad Tölz. Rein theoretisch steht sein Name noch bis Dienstag auf der sogenannten "Unconditional Waiver-Liste", auf die er am Sonntag von den Calgary Flames gesetzt worden war, um damit zu signalisieren, dass sie den Vertrag auflösen werden. Bis Dienstag könnte sich also nach den komplizierten Regularien noch ein anderer Klub aus der National Hockey League (NHL) die Rechte an dem deutschen Nationalspieler sichern. Aber wie unwahrscheinlich das ist, sieht man am Zeitpunkt seiner Rückkehr. Yasin Ehliz ist jäh aus seinem Traum von einem Engagement in besten Liga der Welt erwacht.

Zuletzt war der erfolgsverwöhnte Ehliz in Nordamerika eher der Hauptdarsteller eines Alptraums. Ehliz ging als Silbermedaillengewinner von Pyeongchang und als Erste-Reihen-Stürmer der deutschen Nationalmannschaft nach Calgary. Trotzdem bekam er dort nie eine echte Chance, sich zu beweisen. Im Trainingslager und Testspielen spielte er in einer Reihe mit unerfahrenen Kader-Auffüllern. Kurz nachdem die erste Auswahl von einer Testspielserie aus China nach Kanada zurückgekehrt war, wurde Ehliz zum Farmteam geschickt. Und selbst bei den Stockton Heat, einem Mittelklasseklub aus der zweitklassigen American Hockey League (AHL), kam er kaum zum Einsatz. Vier der bisherigen zehn Saisonspiele verfolgte er von der Tribüne aus. Ehliz blieb in der AHL ohne Torerfolg und ohne Vorlage. Und trotzdem dürfte sich spätestens seit Sonntag sein Berater Klaus Hille kaum über einen Mangel an Interesse beklagen.

Stets in Kontakt geblieben

Weil sein im Vorjahr um weitere drei Jahre verlängerte Vertrag mit den Thomas Sabo Ice Tigers mit einem vermeintlichen Wechsel in die NHL aufgelöst worden war, kann Ehliz seinen künftigen Arbeitgeber frei wählen. Die Adler Mannheim haben ihr Interesse bereits bekundet, man kann davon ausgehen, dass auch die Eisbären Berlin, die Kölner Haie und der EHC Red Bull München Angebote abgegeben haben oder abgeben werden. Und natürlich wollen auch die Ice Tigers Ehliz zurück nach Nürnberg holen.

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"Wir werden natürlich versuchen, Yasin zurückzuholen", bestätigte Geschäftsführer Wolfgang Gastner am Montagmorgen. "Mal sehen, was in dieser Woche noch so passiert." Im August hatte sich Ehliz von seinen einstigen Kollegen auf dem Eis und in der Geschäftsstelle verabschiedet, seitdem ist der Kontakt nie abgerissen. Auch Thomas Sabo persönlich hat sich immer wieder bei Ehliz gemeldet. Vor einem Jahr hatte sich Ehliz auch aufgrund dieser Verbundenheit dazu entschlossen, seine Karriere für mindestens weitere drei Jahre in Nürnberg fortzusetzen.

Viel hat sich geändert

Viel Eiszeit und Verantwortung hatten ihm bei den Ice Tigers gar nicht erst garantiert werden müssen, in München, Mannheim oder Berlin wäre das kaum so selbstverständlich gewesen. Seitdem aber hat sich in Nürnberg viel geändert: Rob Wilson trainiert inzwischen eine Juniorenmannschaft in seiner kanadischen Heimat, David Steckel und Steven Reinprecht haben ihre Karriere beendet, die Verpflichtung Kevin Gaudets als Wilsons Nachfolger war ein großer Fehler. Sportdirektor Martin Jiranek hat übernommen, derzeit noch mit überschaubarem Erfolg. Die Ice Tigers sind Zwölfter, selbst auf einen Platz in den Pre-Playoffs haben sie vor dem Deutschland Cup in Krefeld am kommenden Wochenende sechs Punkte Rückstand. Aus dem Titelkandidaten ist ein Punktelieferant geworden. 

Nach den unerfreulichen Erfahrungen ist aber ohnehin kaum zu prognostizieren, wonach Ehliz derzeit strebt. Er selbst äußert sich noch nicht, auch nicht auf Anfrage von nordbayern.de. Im Herbst 2017 hatte er sich für seine Entscheidung lange Zeit gelassen. Im Herbst 2018 könnte sie ihm noch schwerer fallen. 

Sebastian Böhm

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