Medaille in Norwegen

Nach schwierigem Jahr: Nürnberger Ringer Schwarz holt WM-Bronze

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Peter Schulze-Zachau

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11.10.2021, 14:10 Uhr
Pure Erleichterung: Roland Schwarz jubelt, ein ganzes Jahr fällt von ihm ab. Bronze!

Pure Erleichterung: Roland Schwarz jubelt, ein ganzes Jahr fällt von ihm ab. Bronze! © imago images/United World Wrestling, NNZ

Ab und zu kommt die mittelfränkische Prägung durch bei Roland Schwarz. "A weng ärgerlich", sagt er, war seine Niederlage im WM-Viertelfinale schon. "Ich habe eine blöde Wertung" abgegeben, sagt der Ringer aus der Nürnberger Südstadt. Glücklicherweise betreibt der 25-Jährige einen Sport, in dem man im Viertelfinale ausscheiden, aber dennoch eine Medaille gewinnen kann. Über die Hoffnungsrunde errang sich Schwarz in Oslo Bronze - und dann fiel der Druck ab. Er sank auf die Knie, ballte die Fäuste, schloss die Augen. "Ich kann es kaum in Worte fassen, es war eine Befreiung, ein Befreiungsschlag. Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Das Dranbleiben", sagte er wenige Tage danach. "Es war eine unfassbare Erleichterung nach diesem Jahr."

Ein Jahr, das für ihn einen Höhepunkt hätte bereithalten sollen, der dann aber zu einem Tiefpunkt wurde. Wegen einer Corona-Infektion verpasste er die Olympischen Spiele in Tokio, musste vor dem Fernseher mit seinen Nationalmannschaftskollegen mitfiebern. Mental, sagt Schwarz, habe er relativ schnell damit abgeschlossen, obwohl es durchaus auch andere Optionen gegeben hätte: "Ich hätte mich auch verrückt machen können." Hat er aber nicht. "Manche Sachen kommen vielleicht so, weil einen was besseres erwartet", sagte er sich damals und sieht sich heute damit bestätigt.

Körperlich ließ sich die Infektion nicht so leicht abschütteln. "Ich habe das sechs Wochen lang noch gespürt, dass ich ständig trockenen Husten hatte und mich nicht komplett ausbelasten konnte", sagt Schwarz, der vom Goldenen Ring unterstützt wird. "Ich glaube sogar, das steckt mir immer noch etwas in den Knochen. Es ist immer noch nicht so, wie es vorher war."

Auch nach Oslo fuhr der Nürnberger nicht mit dem besten Gefühl, die Vorbereitung verlief eher durchwachsen. Am Wettkampftag aber war das alles vergessen. "Ich bin am Morgen aufgewacht und hatte das Gefühl: Heute wird's." Und wie es wurde. Zweimal hat der Belarusse Zimur Berdijeu ihn im Kampf um Bronze "blöd erwischt", führte mit 5:0. Schwarz drehte den Spieß um und siegte am Ende mit 10:5.

Es war eine von vier Medaillen des Deutschen Ringer-Bundes bei den Weltmeisterschaften in Norwegen. Nina Hemmer gewann Silber in der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm der Frauen, Anna Schell (Klasse bis 72 Kilogramm), Horst Lehr (bis 57 kg) undSchwarz (bis 77 kg) erkämpften Bronze. Der Nürnberger Deniz Menekse (bis 63 kg) verlor am Sonntag in der Hoffnungsrunde.

Für Schwarz geht es schon am Samstag in der Bundesliga weiter, dort ringt er für den SV Wacker Burghausen. Das ist das Tagesgeschäft, der große Traum von Olympischen Spielen lebt aber weiter. "Das war jetzt ein guter Start für den Zyklus. Ich habe jetzt EM- und WM-Medaillen - jetzt ist das Ziel ganz klar."

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