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Nach Trainingslager: Kleeblatt muss an Offensive feilen

Die Testspiele ließen die Handschrift des Trainers erkennen - 15.07.2019 12:43 Uhr

Trainieren mit Ausblick: Der Fokus lag beim Kleeblatt im Trainingscamp auf dem Fußball. Trotzdem nahm die Spielvereinigung zu wenig Tore mit nach Hause. © Sportfoto Zink / WoZi


Die Konzentration galt der Arbeit auf dem Rasen: Schwerpunkte lagen auf dem Zweikampfverhalten, auf Schnelligkeit, auf offensiven Abläufen. Vor allem zu Beginn der Woche war Feuer drin, nach den Testspielen gegen Huddersfield wirkte das Team etwas müde. Trainer Stefan Leitl zog trotzdem ein positives Fazit: "Ich war sehr zufrieden. Wir konnten alle Trainingsinhalte umsetzen, hatten optimale Voraussetzungen und gute Testspiele." Einzige Wermutstropfen: die Verletzungen von Mergim Mavraj (Schulter) und Maximilian Sauer (Hand) beim Test-Turnier in Heimstetten sowie der Rückschlag bei Sebastian Ernst, dessen Fuß nach verheiltem Bruch noch Probleme macht.

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Die Handschrift des Trainers

Das Ergebnis der Arbeit in Bad Häring konnte man tatsächlich in allen Testspielen sehen: Ruhe im Spielaufbau und bei der Grundordnung auch unter Stress, schnelles Kurzpassspiel, ein dominantes Auftreten selbst gegen nominell stärkere Teams wie den FC Augsburg – all das funktionierte oft schon gut. Gegen Huddersfield zeigte das sonst als so brav verschriene Kleeblatt-Team sogar eine ordentliche Portion Galligkeit. Die Handschrift des Trainers ist inzwischen noch klarer zu erkennen. Ein großes Manko bleibt: Mit nur zwei Toren im Gepäck reist die Spielvereinigung zurück. Sicher: Die Partien gegen Augsburg (0:1) und den Drittligisten 1860 München (1:0) dauerten nur 45 Minuten. Und Huddersfield (0:0 und 0:1) war als Premiere-League-Absteiger ein starker Gegner.


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Doch schon vergangene Saison gab es etliche Spiele, bei denen ein einziger Treffer den Unterschied ausgemacht hätte. Die schwache Quote ist ein Fingerzeig auf die Problemzone: den Sturm und den rechten Flügel. Dort spielte im Test-Turnier der 18 Jahre alte Jamie Leweling mutig mit. "Man hat gesehen, was der Junge für ein Potenzial hat", freute sich Leitl. Aber für den harten Zweitliga-Alltag wird es dort nach dem Abgang von David Atanga und dem mindestens zwischenzeitlichen Abschied von Fabian Reese Verstärkungen brauchen.

Das kann Reese selbst sein, doch die Verantwortlichen haben klargestellt, nicht zu lange auf ihn warten zu können. Im Sturm soll ein Angreifer als Ergänzung zu Daniel Keita-Ruel für mehr taktische Variabilität sorgen. Denn grundsätzlich sind sich wohl auch die Verantwortlichen den Notwendigkeiten bewusst, selbst wenn Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi zuletzt damit kokettierte, man müsse keine Angst haben, bliebe es beim jetzigen Kader. "Auch gestandene Spieler müssen den Weg mit uns mitgehen wollen. Wir können sie nicht mit Geld zuschütten. Nach solchen Spielern suchen wir, nicht nach Namen", sagt er. Einfach ist so eine Sucheunter den bekannten finanziellen Voraussetzungen sicher nicht.

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In Heimstetten musste sich die SpVgg Greuther Fürth dem FC Augsburg, Borussia Mönchengladbach und dem TSV 1860 München stellen. Gegen den FCA verlor das Kleeblatt mit 0:1 (43.). Florian Niederlechner erzielte den Siegestreffer für die Augsburger. Dabei mussten die Mannschaften auch dem Regen trotzen, der den Rasen glitschig und nass werden ließ.


"Natürlich suchen wir Qualität, aber wir haben die Qualität ja auch im eigenen Haus. Wenn du den Kader zu früh zu voll machst, ist es schwierig für die jungen Spieler, sich zu zeigen", sagt Azzouzi. Für die Vorbereitung hat er nicht Unrecht: Dass Leweling so nah an die Profis heranschnuppern konnte, ist für das Eigengewächs ein Glücksfall. In der Saison wird es aber Effektivität – sprich: eine gewisse Erfahrung und Qualität – brauchen.

In den vergangenen drei Spielzeiten zählte das Kleeblatt vor dem Tor zu den fünf harmlosesten Teams der Liga. Das widerspricht nicht nur dem Anspruch, wieder attraktiven Offensivfußball zu spielen. Mehr Tore bedeuten höhere Plätze in der Tabelle. Und nur damit kann das Kleeblatt das zuletzt fatale Abrutschen in der TV-Geld-Tabelle verhindern.

Sarpei überrascht

Gleichzeitig betont Azzouzi die Notwendigkeit, jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben: „Wir können nicht sagen, wir fördern den Nachwuchs und machen den Kader so voll, dass der keine Möglichkeiten bekommt.“ Allerdings: Eine stabile Saison ist Voraussetzung, um die schon reichlich vorhandenen Talente entwickeln zu können. In ein Team, das sich permanent dem Druck der unteren Tabellenplätze ausgesetzt sieht, wirft kein Trainer großzügig Nachwuchsspieler hinein. In allen anderen Mannschaftsteilen sieht es dagegen gut aus: In der Defensive wirkt das Kleeblatt stärker besetzt als in der Vorsaison.

Im zentralen Mittelfeld deutete Hans Nunoo Sarpei, als Alternative oder Ergänzung für Paul Seguin denkbar, seine Vorzüge an. Bleiben Sturm und rechte Außenbahn: "Das Herausspielen und Verwerten von Chancen ist das Schwerste im Fußball", betonen Leitl und Azzouzi unisono. Qualität, so viel ist sicher, schadet da nicht.

 

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