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Nach verpatztem Doll-Start: Club-Gegner H96 im Check

Hannover will die Rote Laterne schnell wieder los werden - 08.02.2019 06:00 Uhr

Thomas Doll hat nach über zehn Jahren wieder das Rampenlicht der Bundesliga betreten. © Swen Pförtner


So ist die Lage: Mindestens genauso trostlos wie beim 1. FC Nürnberg, der am Samstag in der HDI-Arena gastiert. Dank des 1:1-Remis gegen Werder Bremen reichte der Club die Rote Laterne der Bundesliga an die Niedersachsen weiter, die beim Debüt ihres neuen Trainers Thomas Doll mit 0:3 gegen RB Leipzig heftig auf die Mütze bekamen. Es war die vierte Pleite in Serie für 96, das seit neun Spieltagen auf einen Sieg wartet und zuletzt am 19. Dezember beim 1:1 in Freiburg gepunktet hat. Die erhoffte Aufbruchstimmung nach dem Trainerwechsel droht ganz schnell zu verpuffen.

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Beeindruckend: So lange halten es nicht viele Funktionäre an der Spitze eines Profiklubs aus: Martin Kind ist – mit einjähriger Unterbrechung – seit dem 26. September 1997 Präsident von Hannover 96. Der Hörgeräte-Unternehmer darf sich als der dienstälteste Vereinschef der Bundesliga bezeichnen, auch wenn de facto Hoffenheims Boss Peter Hofmann noch ein Jahr länger im Amt ist. Doch als Kind ins Bundesliga-Rampenlicht trat, spielte die TSG noch in der Verbandsliga.

Ausbaufähig: Im Prinzip alles. Hannover hat wie der Club erst zweimal gewonnen und in 20 Spielen gerade mal 18 Tore erzielt – immerhin eins mehr als die Franken. "Hinten anfällig und vorne desolat", so urteilte der "kicker" nach dem Debakel gegen Leipzig, der fünften Heimniederlage in Serie. Diese Bewertung deckt sich auch mit den Eindrücken der meisten vorangegangenen Spiele. Doll gestand am letzten Freitag erschrocken ein: "Wenig hat ausgereicht, um uns ganz sicher zu schlagen." Klar, dass seine Schützlinge in allen Bereichen eine Schippe drauflegen müssen, um den sechsten Bundesliga-Abstieg von Hannover 96 noch zu vermeiden.

 

Im Fokus: Ihn hatten nicht viele Experten auf der Rechnung, als Hannover einen Nachfolger des am 27. Januar gefeuerten Andre Breitenreiter suchte: Thomas Doll war schließlich über zehn Jahre lang von der Bundesliga-Bildfläche verschwunden gewesen. Seine Erfolge mit Ferencvaros Budapest nahmen hierzulande nur Insider wahr. Der wortgewaltige Ex-Nationalspieler – unvergessen ist seine Wutrede von 2008 als Dortmunder Trainer ("Da lach ich mir doch den Arsch ab") – soll die völlig verunsicherten 96-Kicker wachrütteln.

Das Hinspiel: Da war die Welt noch in Ordnung beim 1. FCN: Nach dem verdienten 2:0-Sieg – dem ersten in der Bundesliga nach viereinhalb Jahren – belegte der Aufsteiger Platz acht. Angesichts einer anfangs starken, über 90 Minuten betrachtet ordentlichen Leistung verfestigte sich der Eindruck, dass der Club durchaus mithalten könne im Oberhaus. Joker Törles Knöll war der Matchwinner gegen die Niedersachsen, für die am 22. September der Abstiegskampf begann. In der 73. Minute für Virgil Misidjan eingewechselt, erzwang der Club-Stürmer das Eigentor von Waldemar Anton (75.), zwei Minute später schlug er mit dem entscheidenden 2:0 selbst zu.

Wer/Was ist neu? Der ganz große Transfer-Coup in Gestalt des Japaners Shinji Kagawa ist Hannover 96 zwar nicht gelungen – der Ex-Dortmunder entschied sich nach vielversprechendem Verhandlungsverlauf für Besiktas Istanbul –, doch ein paar Transferaktivitäten waren den klammen Niedersachsen dank eines privaten Investors doch möglich: Der ehemalige Fürther Offensivmann Nicolai Müller (Frankfurt) und Abwehrspieler Kevin Akpoguma (Hoffenheim) wurden ausgeliehen, zudem kehrte Stürmer-Eigengewächs Jonathas von Corinthians Sao Paulo zurück. Für Torwart Philipp Tschauner gibt es morgen kein Wiedersehen mit dem 1. FCN: Er hütet nun das Tor des Zweitligisten FC Ingolstadt 04.

Und sonst so? Das hat durchaus Seltenheitswert: Ein Geschwisterpaar ist in Hannover zu den Sportlern des Jahres 2019 gekürt worden. Seite an Seite durften sich Anna-Lena und Niclas Füllkrug auf der Bühne des Theaters am Aegi feiern lassen. Anna-Lena spielt wie ihr in Nürnberg bestens bekannter Bruder Niclas Fußball bei Hannover 96. Der wird am Spieltag übrigens 26 Jahre alt – und wünscht sich sicherlich nichts so sehr wie drei Punkte gegen den Club. . . 

Harald Büttner

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