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Nach WM-Aus: Eishockey-Nationalmannschaft hadert mit sich selbst

Beim 1:5 gegen Tschechien war deutlich mehr drin - 25.05.2019 16:21 Uhr

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zeigte sich nach dem Aus im WM-Viertelfinale gegen Tschechien enorm enttäuscht. © Monika Skolimowska, dpa


In Kanada diskutiert man noch heute über den größten tschechischen Triumph der Neuzeit. Warum hatte Marc Crawford im olympischen Finale von Nagano den großen Wayne Gretzky auf der Bank sitzen lassen, als es ans Penalty-Schießen ging? Den Tschechen ist es auch 19 Jahre danach egal, der Goldmedaille wurde eine Oper gewidmet, Torhüter Dominik Hasek heilig gesprochen. Am Samstag soll sich im Halbfinale die Geschichte wiederholen.

Tschechien ist bei der Eishockey-WM in der Slowakei weitergezogen und hat eine Mannschaft zurückgelassen, der schmerzlich bewusst war, welch große Chance sie an diesem Donnerstagabend in der Ondrej Nepela Arena verpasst hatten. "Wenn man nur irgendwie reinkraxelt ins Viertelfinale und dann mit einem blauen Auge nach Hause fährt, okay", sagte Moritz Müller, Kapitän einer deutschen Mannschaft, die zum ersten Mal seit 1983 wieder einmal fünf Partien bei einer WM gewonnen hat. "Aber wir waren ganz dicht dran, das macht es so traurig." 1:5, dicht dran, ernsthaft?

Offensiv zu harmlos

Ja, es war knapper als es das Ergebnis vermuten lässt. 44 Minuten lang hatte Deutschland nicht nur mitgehalten, sondern dank des zweiten Treffers im 26. WM-Spiel von Frank Mauer (38. Minute) und dank der Ruhe von Torhüter Philipp Grubauer, der die wütenden Angriffe in den ersten zehn Minuten abprallen lassen, den Favoriten und das Publikum in Bratislava sichtlich und hörbar nervös gemacht.

"In der zweiten Drittelpause hatten wir wirklich das Gefühl, dass wir das Ding drehen", erzählte Müller. Dann aber zeigte sich, dass dieses Team talentiert ist wie kaum ein deutsches Team zuvor, aber eben auch noch ungestüm und unreif. Der offensiv zweifellos herausragende Leon Draisaitl (23) bereitete mit einem Fehlpass an der gegnerischen blauen Linie Jan Kovars Führungstreffer vor (33.), der verhinderte Olympia-Held Jonas Müller (23) hatte den Puck nicht kontrollieren können, bevor Jakub Voracek seinen eigenen Nachschuss zum 2:1 verwandelte (45.), der nicht mehr nur gemessen an seinem Alter (18) beeindruckende Moritz Seider fehlte, als Dominik Kubalik dieses Viertelfinale mit einem brachialen Schuss entschied (52.). Draisaitl fehlte es das ganze Turnier über an Partner für sein wuchtiges Spiel und seine Ideen. Viele Spieler wie die ehemaligen Nürnberger Leo Pföderl und Yasin Ehliz überzeugten kämpferisch, blieben offensiv aber zu harmlos – und dennoch fehlten nur ein, zwei glückliche Momente, um zum ersten Mal seit 2010 wieder in ein WM-Halbfinale einzuziehen.

Müller: "Waren dicht dran"

"Dass jetzt alle so enttäuscht sind, zeigt eigentlich, wie dicht wir dran waren", stellte Moritz Müller fest. Im Gegensatz zum kampfstarken, aber bereits 32 Jahre alten Kapitän, haben Draisaitl, Seider, Jonas Müller, Tiffels (24), Kahun (23), Eisenschmid (24), Bergmann (20) sowie das überzeugende und zwischen 26 (Niederberger) und 28 (Ice Tiger Niklas Treutle) Jahre alte Torhütertrio noch Zeit, sich zu Spielern zu entwickeln, die als Mannschaft nicht nur 44 Minuten lang mit den sechs Top-Nationen mithalten kann. Der Schweiz gelang das gegen Kanada immerhin schon 59 Minuten und 59,6 Sekunden lang.

Der neue Bundestrainer war zufrieden mit dem Turnier. "Wie sich die Jungs auch spielerisch über die zwei Wochen entwickeln konnten, hat mich wirklich überzeugt", sagte Toni Söderholm. Geschichte aber schreiben vorerst noch andere Mannschaften.

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