Nächster Challenge-Coup? Frommhold freut sich auf Roth

14.7.2016, 09:50 Uhr
Nur Fliegen ist schöner? Ach was! Nicht mal Fliegen ist schöner als das Gefühl, in Roth -  so wie Nils Frommhold im Vorjahr - als Sieger gefeiert zu werden.

Nur Fliegen ist schöner? Ach was! Nicht mal Fliegen ist schöner als das Gefühl, in Roth - so wie Nils Frommhold im Vorjahr - als Sieger gefeiert zu werden. © Foto: Stefan Hippel

Diese Ausgangslage scheint Nils Frommhold, 29, durchaus Spaß zu machen. Als Mann mit der Startnummer 1, die dem Titelverteidiger gebührt, geht er beim Datev-Challenge-Triathlon ins Rennen, aber doch fühlt er sich eher als der Jäger und nicht als der Gejagte. Jäger zu sein, das ist eine Rolle, die er mag. Auch im Vorjahr war er das als Herausforderer von Timo Bracht - und Frommhold war an diesem Tag die Idealbesetzung für diesen Part.

Hundertmal sei er am Ende des Marathonlaufs gestorben, erzählte Frommhold im Ziel. Aber weil es zum Glück immer nur kurze mentale Tode waren, erreichte er das Ziel fünf Minuten vor Bracht - und hatte sich damit einen sportlichen Lebenstraum erfüllt: einmal in Roth zu gewinnen.

Nun also steht das Projekt Titelverteidigung an, ein Unterfangen, das seit 2007 (Chris McCormack) keinem mehr auf dem Festplatz gelungen ist. Egal, ob Michael Göhner, Andreas Raelert, Dirk Bockel oder Timo Bracht: Alle waren sie nur Roth-Sieger für ein Jahr und wurden gnadenlos wieder abgelöst. Frommhold hat sich mit seiner Wahl, hier mit der Nummer 1 am Sonntag um 6.30 Uhr in den Kanal zu gehen, ganz bewusst für die schwerstmögliche Aufgabe entschieden, die es auf deutschem Boden in diesem Jahr im Langstreckenbereich zu knacken gibt: Ein Rennen gegen Jan Frodeno, gegen den aktuellen Hawaii-Sieger, gegen den derzeit weltbesten Triathleten auf der Ultradistanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen.

Eine nette Spitze

"Mein Respekt vor ihm ist riesengroß", sagt Frommhold, "er hat schon alles gewonnen - ja, außer das, was ich im Vorjahr gewonnen habe." Das ist eine unter Kollegen nette Spitze gegen den Übermann aus Saarbrücken, den Peking-Olympiasieger, Welt- und Europameister. Frommhold, ein pfiffiger Berliner mit Wohnsitz im sonnigen Freiburg, steht in solchen Momenten ins Gesicht geschrieben, warum er mit 29 schon so markante Lachfalten um die Augen hat. Laute Sprüche sind nicht sein Stil, aber gute Laune und eine Portion Schlitzohrigkeit sind ja auch keine Frage der Lautstärke.

Rekord? Nicht für mich!

Dass sich Superstar Frodeno hier mit seiner angekündigten Rekordjagd - er will die Weltbestzeit (7:41:33 Stunden) von Andreas Raelert aus dem Jahr 2011 brechen — gehörig selbst unter Druck setzt, kann ihm nur recht sein. Alle reden vom Rekord. "Ich nicht", sagt Frommhold, "damit habe ich nichts zu tun." Er traut es Frodeno durchaus zu, in einen Zeitbereich unter 7:40 Stunden vorzudringen; aber er traut es sich selbst gleichermaßen zu, wieder in Roth zu gewinnen.

Denn so ein Rekord, das betont Frodeno auch immer wieder, ist natürlich nicht planbar. Alles muss stimmen, auch Dinge, die man mit noch so akribischer Vorbereitung nicht beeinflussen kann. Das Wetter, Glück oder Pech auf der Radstrecke und bis zu einem gewissen Teil eben auch die eigene Tagesform.

Eintauchen in eine Parallelwelt

Frommhold jedenfalls weiß, dass er alles getan hat, "um am Sonntag wieder in Bestform am Start zu stehen". Und er freut sich darauf wie auf keinen anderen Wettkampf im Jahr. "Der Sonntag in Roth ist immer genial", sagt er mit Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten  - und meint damit nicht nur den Sonntag, sondern schon die Tage zuvor. Dieses Eintauchen in eine Parallelwelt, in der sich alles nur um Triathlon dreht; die vielen Termine schon vor dem Rennen, bei denen man aber nicht immer Ja sagen dürfe; die familiäre Atmosphäre in seiner Hilpoltsteiner Gastfamilie, die ihn umgibt wie ein schützender Kokon. "All das bringt einen durch den Winter", sagt Frommhold - vielleicht eines der schönsten Komplimente über den Rother Challenge, die man jenseits der inflationären "Wahnsinns"-Bekundungen von einem Spitzentriathleten gehört hat.

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