Neue Arena in Nürnberg: Fehlstart am Tillypark?

17.4.2021, 05:34 Uhr

"Es nutzt ja nichts von der schönen Villa zu reden, wenn man sie sich nicht leisten kann", sagt Falcons-Chef Ralph Junge über die Arena am Tillypark. © Michael Matejka, ARC

Anfang der Woche hat Ralph Junge bei der zweiten Basketball-Bundesliga einen Lizenzantrag für die neue Saison gestellt und die dafür notwendigen Unterlagen eingereicht. In Zeiten einer Pandemie ist das natürlich eher eine schöne Absichtserklärung als eine knallharte Kalkulation. Auch der Trainer und Geschäftsführer der Nürnberg Falcons weiß ja nicht, ob im Herbst wieder Zuschauer kommen dürfen und ob die Sponsoren auch in ein paar Monaten noch ihren zugesagten Beitrag leisten können.

Junge geht den Sommer trotzdem euphorisch an, denn am Ende steht ja ein historischer Umzug an. Im Mai wird die neue Arena am Tillypark im Nürnberger Südwesten fertiggestellt, die sich die Stadt rund 40 Millionen Euro kosten lässt. Zahlreichen Leistungssportlern soll sie eine neue Heimat werden, für die Falcons, den Ankermieter, ist die Halle mit knapp 4000 Plätzen die Grundlage, um möglichst bald den Traum von der Basketball-Bundesliga wahr werden lassen zu können. "Wir wollen dort durchstarten“, hat Ralph Junge vor wenigen Wochen gesagt.

+++ Umzug an den Tillypark: Immer einen Schritt zu spät - ein Kommentar +++

Bauarbeiten sind im Zeitplan

Das mit dem Durchstarten könnte sich allerdings schwierig gestalten – und das hat zunächst einmal nichts mit der Pandemie zu tun und der Frage, ob und wenn ja, wie viele Fans ab Herbst wieder Sportveranstaltungen besuchen dürfen.

Die Bauarbeiten sind abgesehen von ein paar kleineren Verzögerungen, weil die Grenzen zwischenzeitlich geschlossen waren, im Zeitplan, bei der Stadt Nürnberg gab es aber nicht nur ein paar kleinere Verzögerungen. Wenn der letzte Handwerker die Halle verlässt, ist die Arbeit ja noch lange nicht getan. Die Arena am Tillypark soll ja nicht ewig diesen etwas umständlichen Namen tragen und die potenziellen Mieter müssen wissen, zu welchen Konditionen sie ihre Heimspiele in der Arena austragen können. Nur: Vier Monate, bevor sie in Betrieb gehen soll, ist davon noch nichts geklärt.

Viele offene Fragen

Wie hoch ist die Miete? Können wir unseren bisherigen Partner mitbringen, der sich um die Verpflegung der VIP-Gäste kümmert? Welche Securityfirma wird engagiert? Wie viele Werbeflächen gibt es? Welches Unternehmen wird Namensgeber für die Halle? All diese Fragen haben die Falcons zusammen mit ihrem Partner, der Veranstaltungsagentur Werk:b Events, vor langer Zeit gestellt. Und bis heute keine oder sehr unbefriedigende Antworten erhalten.

"Diese Hausaufgaben hätten eigentlich schon längst erledigt werden können", sagt Christopher Dietz, Geschäftsführer von Werk:b, und verpackt seine Kritik zunächst in sehr moderate Worte, bevor er dann doch noch ein wenig emotionaler wird: "Man lässt sich nicht in die Karten schauen", sagt er. "Dass die Stadt mit uns Gelder generieren will, ist absolut legitim, denn die Halle hat viel Geld gekostet und muss refinanziert werden. Aber wir sind nicht der Kunde, der sich möglichst teuer einmieten kann." Junge formuliert es ähnlich: "Es muss ein Interesse da sein, dass man gemeinsam wächst", findet er. Je besser es für die Falcons läuft, desto mehr verdient irgendwann auch die Stadt an den Heimspielen.

Junge nennt sie die "schöne Villa"

Ohne die nötigen Informationen plant er aber zunächst zweigleisig und hat beim Lizenzantrag auch eine Kalkulation aufgestellt für den Fall, dass die Basketballer weiter am Flughafen im Eventpalast antreten. "Es nutzt ja nichts von der schönen Villa zu reden, wenn man sie sich nicht leisten kann."

Dass sich die Falcons und andere Klubs die "schöne Villa" leisten können werden, davon geht Michael Kaiser fest aus. Nachdem im Februar die Zuständigkeiten geklärt waren, kümmert sich der Dienststellenleiter der "Hausverwaltenden Einheit – Schule und Sport“ nun maßgeblich um die vielen offenen Fragen. Fest steht bereits: Ihre bisherige Catering- und Securityfirma dürfen die Falcons nicht mitbringen.

Finanzieller Ausgleich für die Vereine

Der Wechsel an der Stadtspitze und einige personelle Veränderungen in der Folge haben nicht unbedingt zur Beschleunigung des Prozesses beigetragen, Kaiser versucht nun aufs Tempo zu drücken. Im Mai soll der Stadtrat über einen "Ausgleich für die Vereine" abstimmen, damit diese sich die Auftritte in der neuen Arena leisten können. Er ist optimistisch, dass die Falcons im Herbst einziehen können: "Wir werden das hinkriegen", sagt er.

Darauf hoffen auch die Falcons. Die Zusammenarbeit mit Kaiser beschreibt Junge als sehr gut, trotzdem braucht er dringend detaillierte Antworten auf die vielen Fragen. "Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen", sagt er und meint: die Spiele in der neuen Heimat planen, weitere Sponsoren finden, eine Mannschaft zusammenstellen. "Wir wollen eine Attraktion sein", sagt Junge. Damit genau das auch die neue Arena wird. Nach durchstarten klingt es im Moment aber noch nicht. Eher nach einem Fehlstart.

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