18°

Donnerstag, 25.02.2021

|

zum Thema

Neugieriger Gründungsvater verhalf zu Wolfsteins Badminton-Blüte

Heribert Schreglmann avancierte vom Quereinsteiger zum Abteilungsleiter - 18.01.2021 09:33 Uhr

Seit bald 20 Jahren liegt Heribert Schreglmann (li.) die Ausbildung der Badminton-Jugend am Herzen. Auf ihn geht die Initiative zur Gründung der Abteilung beim TSV Wolfstein zurück.

14.01.2021


Zum Spaß an der Freude, blickt Heribert Schreglmann knapp zwei Jahrzehnte zurück, widmeten sich einige Mitstreiter nach dem Tischtennistraining immer öfter dieser anderen Schlagsport-Variante. Doch mit einer Schnur als improvisiertem Netz hatten diese Ansätze in der alten Schulturnhalle mehr den Charakter einer lockeren Federball-Partie auf der Wiese. Den Anstoß, sich eingehender mit dem Thema Badminton zu befassen, gab schließlich der geplante Hallen-Neubau für die Wolfsteiner Grundschule.

"Ich habe die Maße der Felder recherchiert und dann bei der Stadt angefragt, ob sie die entsprechenden Bodenmarkierungen anbringen lassen würde", erinnert sich Schreglmann. Das Einverständnis allerdings, auch zur Bereitstellung entsprechender Hallenzeiten, wurde verknüpft mit der Forderung nach einem längerfristigen Trainingskonzept. So kam es im Frühjahr 2002 parallel zur Eröffnung der Räumlichkeiten zur Gründung einer Badminton-Abteilung, die Schreglmann hinter den Kulissen wegweisend vorangetrieben hatte.

Bilderstrecke zum Thema

Pandemie abgeschmettert: Das war die Bayerische Meisterschaft der Badminton-Jugend

Eine Nischen-Sportart leistete in der Halle des Neumarkter Gluck-Gymnasiums Pionierarbeit auf dem Weg zurück zu einem organisierten Wettkampfbetrieb. So ging unter speziellen Rahmenbedingungen die Bayerische Meisterschaft der Badminton-Jugend über die Bühne.


Als fachfremde Neulinge ließen sich Schreglmann und eine handvoll interessierter Eltern bei gemeinsamen Einheiten von Gästen aus Velburg und Freystadt einweisen und absolvierten erste Übungsleiter-Lehrgänge. "Wir hatten ja kaum Vorkenntnisse. Die große Motivation bestand darin das Nötigste zu lernen, um es an die Kinder weitergeben zu können", konstatiert Schreglmann. Während die aktiven Erwachsenen im Wettkampfbetrieb "erst mal nichts gewonnen" haben außer Erfahrung, richtete sich der Fokus intern auf die Nachwuchsausbildung. Durch den Rückzug einer Bekannten schlüpfte der Abteilungs-Koordinator zusätzlich in die Rolle des Jugendleiters. Schnell war trotz flexibler Arbeitszeiten im IT-Bereich kein Platz mehr für das ursprüngliche Tischtennis-Hobby.

Bis zum Kollaps engagiert

"Ich habe selbst gespielt und war praktisch bei jedem Jugendtraining in der Halle. Da musste das abendliche Fernsehprogramm immer ohne mich stattfinden. Aber es braucht eben Leute, die ihre Freizeit opfern", erklärt Schreglmann. Nachdem der besonders ausgeprägte weibliche Zulauf in die Bildung einer Leistungsgruppe gemündet war, chauffierte er seine bald über die Bezirksgrenzen hinweg erfolgreichen Talente an den Wochenenden zu diversen Turnieren. Die Spielzeit 2012/13 markierte indes einen jähen Einschnitt in der Abteilungsgeschichte.

Eine schwere Erkrankung setzte den damals 53 Jahre alten Heribert Schreglmann ein Jahr außer Gefecht – und sorgte für ein Umdenken. Hatten sich im Verein bis dato wohl alle "ein bisschen auf mich verlassen", verteilten Peter Braun und Robert Urban in Vertretung der Führungsfigur die Arbeit auf mehrere Schultern. Seit seiner Rückkehr bemüht sich Schreglmann, den selbst aufgebürdeten Stress zu reduzieren, konzentriert sich ausschließlich auf organisatorische Belange und das Anfänger-Programm der jüngsten Mitglieder. Inzwischen wurde zur Erweiterung des Stabs in Darren Wilde gar ein externer Trainer engagiert.

Keine Angst vor Corona-Einbruch

Trotzdem, findet Schreglmann, "muss es Leute geben, die die Mütze aufhaben". Etwa beim Klinkenputzen im Landratsamt, um die neue WGG-Halle mit bis zu zwölf Spielfeldern auszustatten. Der Einsatz lohnte sich, prompt bekam der TSV den Zuschlag als Ausrichter für die Kreismeisterschaft 2015 und empfahl sich für höherklassige Veranstaltungen, die wiederum ein konstantes Interesse am Klub bescheren. Die Hälfte von 75 Aktiven ist heute jugendlich. Freilich ist es die Leistung einer Gemeinschaft aus vielen helfenden Händen, die derlei Höhepunkte ermöglicht. Schreglmanns Frau packt selbstverständlich mit an.


Oberpfälzer Badminton-Asse trotzen Geister-Kulisse bei Heim-Turnier


Sich langsam zurückzuziehen, das kam für den Abteilungsleiter nie in Frage, auch weil es ihn mit so viel Stolz erfüllt, den Weg seiner Schützlinge aus der ersten Reihe zu begleiten. "Ich kann einfach nicht aus meiner Haut raus", sagt er, der über die Jahre auch dank Internetvideos ein fundiertes Fachwissen beziehungsweise geschultes Auge entwickelte. Dem aktuell herausragenden Jung-Duo um Alexia Nedelcu und Lisa-Marie Blatter wird nicht nur intern eine vielversprechende Karriere prophezeit. Da sich die Herren obendrein in Selbstverwaltung in der Bezirksoberliga etablieren konnten, ist Schreglmann vor der Zukunft nach der Corona-Pause nicht bange.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport