Fußball-Junioren in der Regionalliga

Neumarkter Nachwuchs behauptete sich auf Augenhöhe mit dem Club

12.9.2021, 12:59 Uhr
Spielerisch und kämpferisch boten die U15-Kicker des ASV Neumarkt dem großen 1.FC Nürnberg Paroli.

Spielerisch und kämpferisch boten die U15-Kicker des ASV Neumarkt dem großen 1.FC Nürnberg Paroli. © Fritz-Wolfgang Etzold

Der natürlichen Neugier, vorab beim Aufwärmen schon mal einen Blick auf die Übungen der favorisierten Gäste zu werfen, wussten Oliver Wittmann und seine Schützlinge am Freitagabend zu widerstehen. „Ein klein bisschen Lampenfieber gehört dazu. Aber wir konzentrieren uns auf unser eigenes Programm. Die anderen können schließlich auch nicht Zaubern“, erklärt der 28-Jährige, dessen vorheriger Jahrgang durch eine überraschende Siegesserie in der verkürzten Herbst-Runde 2020 und etwas Losglück in die bundesweit höchste Spielklasse der U15-Jugend aufgestiegen ist.

In einer bis auf wenige Ausnahmen aus Nachwuchsvertretungen der bayerischen Profiklubs bestehenden Konkurrenz kann der ASV Neumarkt auf dem Papier finanziell wie strukturell kaum mithalten, will sich daher von den bekannten Bewertungs-Maßstäben lösen. „Unser Ziel ist es, das Jahr bestmöglich zur Weiterbildung zu nutzen und in jedem Training eine Schippe drauf zu legen. Die Jungs sollen an der Herausforderung wachsen und dabei Freude haben“, betont Wittmann, der als Übungsleiter selbst vor vier Jahren einen größeren Sprung vom Heimatverein SV Unterferrieden zum ASV wagte und sich im höherklassigen Betrieb behauptete.

„Es kommt auf den persönlichen Reifeprozess an“

Auf der sportlichen Klaviatur beackert Wittmann in drei wöchentlichen Trainingseinheiten die gesamten Ausprägungen des modernen Fußballspiels. Vom Positionsspiel im eigenen Aufbau über ein aggressives Gegenpressing bei Ballverlust bis zu den Laufwegen bei Standardsituationen werden die Inhalte gerne auch an der Taktiktafel verdeutlicht. „In der Theorie ist das nicht viel anders als bei den Erwachsenen. Der Vorteil ist ja: Für die Jugendlichen in diesem Alter gibt es nur den Fußball“, sagt Industriekaufmann Wittmann, der allerdings die menschliche Komponente nicht unter den Tisch fallen lassen will. „Der Wettkampfgedanke sollte nicht überstrapaziert werden, ich lege Wert auf sozialen Zusammenhalt in der Gruppe und auch in der Kommunikation mit den Eltern. Wenn es ein Spieler in die erste Mannschaft des ASV oder noch weiter nach oben schafft, ist das eine Auszeichnung für unsere Arbeit. Sie war trotzdem nicht weniger erfolgreich, wenn jemand dem Fußball als Spielertrainer im Dorfverein erhalten bleibt. Es kommt auf den persönlichen Reifeprozess an.“

Inspiriert vom SC Freiburg

Ein Vorbild in der Verknüpfung von anspruchsvollem Konzept, Konstanz und Authentizität ist Wittmann der SC Freiburg. Auf den Rasen übertragen bedeutet diese Philosophie, „sich nicht hinten reinzustellen“ und mit „Leidenschaft“ füreinander einzustehen. Der Auftritt im Duell mit dem 1.FC Nürnberg ließ in dieser Hinsicht tatsächlich fast nichts zu wünschen übrig.

Vor stimmungsvoller Kulisse von knapp 200 Zuschauern brachte Philip Pfistermeister den Außenseiter ganz früh in Führung (2.), der dann auch nicht nervös wurde, als der Club praktisch im Gegenzug ausglich und mit dem Pausenstand seinerseits auf 1:2 stellte. „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie ruhig noch mutiger nach vorne spielen sollen“, verrät Oliver Wittmann Details aus der Kabine.
Neumarkt verbuchte im zweiten Durchgang ausgeglichen viel Ballbesitz und belohnte sich durch Lorik Ismaili mit dem 2:2, ehe Nürnberg kurz vor Schluss doch noch den entscheidenden Siegtreffer erzielte. „Wir hatten noch zwei gute Freistoß-Gelegenheiten und waren zunächst enttäuscht“, berichtet Oliver Wittmann.

Mit etwas Abstand hinterher indes „überwiegt der Stolz auf eine überragende Leistung, auf die wir aufbauen können“. Bereits bei der 0:3-Auftaktniederlage in Aschaffenburg hatte Wittmann festgestellt, dass seine Mannschaft „ebenbürtig mitgehalten“ habe, nur die gegnerischen Fehler weniger konsequent auszunutzen verstand. Das Aufeinandertreffen mit dem FCN verschaffte weitere wertvolle Erfahrungen.

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