Norisring-Macher: "Wir brauchen die Zuschauer"

21.1.2021, 06:00 Uhr
Tausende Menschen auf der Steintribüne beobachten das Geschehen: So will sich der Norisring im Juli 2021 wieder zurückmelden.

Tausende Menschen auf der Steintribüne beobachten das Geschehen: So will sich der Norisring im Juli 2021 wieder zurückmelden. © Foto: Heiko Becker/Zink

Gute Nachrichten sind dieser Tage rar. Schlosser, der mit seinem Getränkeunternehmen im Normalfall die fränkische Gastro-Szene beliefert, bekommt die Folgen der Pandemie zu spüren. Normal ist eben nichts momentan. Auch und gerade für Veranstaltungen wie den Norisring nicht. Im letzten Sommer wurde das Rennwochenende zwischen Grundig-Kehre und Dutzendteich-Kurve ersatzlos gestrichen. Keine Rennen, keine Zuschauer, keine Einnahmen. Eine simple Formel für den MCN mit schwerwiegenden Folgen: Der Klub motorsportbegeisterter Menschen, der als eingetragener Verein und im Gegensatz zu allen anderen Rennorganisatoren in Deutschland nicht als GmbH fungiert, musste um den Fortbestand bangen.

Inzwischen kann Schlosser Entwarnung geben. Den Kampf gegen knappe Kassen hat der MCN gewonnen – dank der finanziellen Hilfe zahlreicher Mitglieder, Freunde und Sponsoren, die mit einem insgesamt fünfstelligen Betrag das Minus in der Vereinsschatulle auffingen. Doch so ein Ritt auf der Rasierklinge ist nicht beliebig wiederholbar.

"Wir brauchen Zuschauer, sonst können wir keine Rennstrecke stellen", sagt Schlosser so unmissverständlich, wie man das nur sagen kann aufgrund der anfallenden Belastungen. Auf etwa 1,6 Millionen Euro summieren sich die Kosten für sämtliche Aufbauten und Tribünen Jahr für Jahr am Norisring. Doch der Unternehmer glaubt ganz fest daran, dass im fränkischen Monaco am ersten Juliwochenende die Motoren wieder dröhnen und der Geruch von Gummiabrieb in der Luft liegt. "Ich rechne fest damit, dass dann wieder Zuschauer bei den Rennen erlaubt sind. Dahin laufen alle Planungen", sagt der MCN-Chef.

Verlassen kann er sich dabei auf ein bereits bestehendes und funktionierendes Hygienekonzept der bisherigen Dachorganisation ITR – dank strenger Maßnahmen gab es 2020 in der DTM und ihren Partnerserien keinen Corona-Fall zu verzeichnen. Auch das nährt die Zuversicht, dass der Saisonstart nach dem jüngst veröffentlichten Rennkalender am 18. Juni in Monza erfolgen wird und zwei Wochen später in Nürnberg gefahren werden kann.

Hauptattraktion wird dabei die größte deutsche Tourenwagenserie sein. Das nach dem Rückzug der Big Player Mercedes und Audi befürchtete Ende der DTM ist jedenfalls abgewendet. "Ich glaube mehr denn je an die DTM und ihre Zukunft", gibt sich Schlosser im Hinblick auf "viele gute Ideen, ein hervorragendes Konzept und einen starken TV-Partner" zuversichtlich.

"Sehr attraktiv und sehr cool"

Statt der werkseigenen Teams wird das Feld nun von Privatiers getragen, die Boliden werden auf GT-Basis aufgebaut und sollen als Sprint-Rennserie fahren. "Sehr attraktiv und sehr cool" findet Schlosser den neuen Ansatz: "Vor einem halben Jahr hätte ich das noch nicht geglaubt." Etwa 20 Autos sollen an den Start gehen, ein paar Plätze sind noch frei, erst im April läuft die Einschreibefrist ab. Red Bull ist neu dabei und setzt auf zwei Ferrari.

Beim Motorsport Club Nürnberg sitzen sie schon jetzt in den Startlöchern. Im März sollte der Vorverkauf beginnen, die Zuschauertribünen müssen dann bereits bestellt sein. Das wäre ein positives Signal in einer Welt voller Fragezeichen.

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