Nürnbergs Goldfisch schwimmt, zweifelt und jubelt

20.8.2013, 14:50 Uhr
Im Alter von 13 Jahren hat Elena Krawzow schwimmen gelernt. Sie war 18 Jahre alt, als sie in London paralympisches Silber holte und 19, als sie in Montreal Weltmeisterin wurde.

Im Alter von 13 Jahren hat Elena Krawzow schwimmen gelernt. Sie war 18 Jahre alt, als sie in London paralympisches Silber holte und 19, als sie in Montreal Weltmeisterin wurde. © afp

Silber. Wie in London. Elena Krawzow jubelte nicht, als sie auf Bahn vier im Wettkampfbecken des Parc Jean Drapeau Aquatic Complex anschlug. Dass ihre Gegnerin auf Bahn fünf schneller gewesen war, das hatte sie während des Finales über 100 Meter Brust zuvor „verrückt gemacht“. Danach schien sie sich mit Platz zwei abgefunden zu haben. Bis sie sich doch noch umblickte auf Bahn fünf und mitbekam, wie die vermeintliche Weltmeisterin gerade erst anschlug.

Elena Krawzow hatte Gold gewonnen. Anders als in London. Eine Spiegelung in ihrer Schwimmbrille, ein anstrengendes postparalympisches Jahr und der Respekt vor ihren Konkurrentinnen hatten verhindert, dass sie den größten Moment ihrer ohnehin schon beeindruckenden Karriere sofort genießen konnte. Sie war mit der schnellsten Zeit aus Nürnberg angereist, hatte im Vorlauf ihre Favoritenstellung bestätigt — und trotzdem gestand sie einem Reporter des Bayerischen Fernsehens danach, dass sie immer gedacht hatte, eine hätte gepokert, „eine setzt da noch einen drauf“. Aber dann kam doch keine mehr — noch nicht einmal auf Bahn fünf.

Auch in Nürnberg hatte Michael Heuer nicht unbedingt damit gerechnet, dass sie mit ihrem ersten großen internationalen Titel zurückkehren würde. Zu anstrengend schien das Jahr nach den rauschhaften Paralympics gewesen zu sein, der Empfang als Silbermedaillengewinnerin von London beim Bundespräsidenten, Pressetermine, ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin, eine längere Krankheit. An regelmäßiges Training war erst wieder im März zu denken. Umso beeindruckender sind ihre Leistungen.

Michael Heuer vom Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte kann das beurteilen, er ist ihr Mentor, ihr Coach, ihr Manager — und auch er hatte nicht an Gold zu glauben gewagt. „Eine Medaille war so sicher wie das Amen in der Kirche, aber...“ „Aber“ zählte aber nicht in Montreal — auch nicht auf den anderen Strecken, auf denen Elena Krawzow noch antrat.

Drei Bestzeiten stellte sie noch auf in Montreal (Gold hatte sie geholt ohne sich zu verbessern), damit sicherte sie sich zwei vierte Plätze und im stimmungsvollen Finale über 50 Meter Freistil eine Bronzemedaille.

Am Mittwochvormittag kehrt Elena Krawzow, die für den BVSV Nürnberg, den TSV Altenfurt und das SLZ Feucht startet und von Trainer Günter Zirkelbach betreut wird, von einer erfolgreichen Schwimm-Reise zurück. Dann hat sie endlich Pause — nur wird die nicht lange andauern, vermutet Michael Heuer. „Sie ist doch so zappelig.“

Keine Kommentare