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(Oberfränkische) Glaubensfrage: Basketball oder Abbruch?

Bei Bamberg und in Bayreuth rechnet man mit keiner Fortsetzung der Saison - 30.03.2020 18:01 Uhr

Bamberg, Alba - und doch bald Schluss? Zumindest in Freak City beziehen sie dazu relativ eindeutig Stellung. © Nicolas Armer, dpa


Die Redaktion der ARD-Sportschau hatte im Archiv gegraben und zeigte am Sonntagnachmittag noch einmal, wie Henning Harnisch, Kai Nürnberger und Christian Welp bei der Europameisterschaft 1993 Deutschlands Basketballer zu ihrem bislang größten Erfolg führten. Bereits am Samstagabend hatte das ZDF im "Aktuellen Sportstudio" der Basketball-Bundesliga ein paar Minuten Sendezeit gewidmet, davor durfte Maxi Kleber erzählen, wie es sich anfühlt, in Dallas, Texas, zu sitzen und nicht zu wissen, wann er wieder seinem Beruf nachgehen darf.

So präsent wie in diesen Tagen war der Basketball bei den Öffentlich-Rechtlichen schon lange nicht mehr. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre in den Vordergrund zu stellen und geschlossen aufzutreten. Im Fußball sammeln prominente Vertreter im Angesicht Geld für Bedürftige, im Eishockey hat man sich frühzeitig zu einem radikalen Schritt entschieden und die Playoffs abgesagt. Und beim Basketball?

Bayreuth-Boss Steiner: "Jenseits der Realität"

Wird der Streit darüber, wie mit dieser Ausnahmesituation umzugehen ist, sehr öffentlich ausgetragen. Am vergangenen Mittwoch einigte sich die deutliche Mehrheit der 17 Klubs darauf, den Spielbetrieb mindestens bis zum 30. April auszusetzen; verbunden mit der Hoffnung allerdings, die Saison "zu einem späteren Zeitpunkt geordnet zu Ende zu spielen". Eine "Frage der Haltung" nannte es Marco Baldi, der Geschäftsführer von Alba Berlin, trotz aller unterschiedlicher Probleme nun zusammenzustehen. Stefan Holz, der Chef der Basketball-Bundesliga (BBL), sagte im Interview mit dem kicker: "Wir haben uns darauf verständigt, nun auch kommunikativ im Gleichschritt zu agieren." Ohne zu ahnen, dass dieser Plan in Oberfranken zur gleichen Zeit schon fleißig sabotiert wurde.

"Jenseits der Realität" nannte es Carl Steiner, der Präsident von Medi Bayreuth, an der Hoffnung festzuhalten, es könnten im Juni noch die ausstehenden elf Spieltage oder sogar noch die Playoffs in verkürzter Form nachgeholt werden. Nicht offen mit den Fans und den Sponsoren kommunizieren zu können, bezeichnete er in einem Gespräch mit dem Kurier als "Augenwischerei". Kapitän Bastian Doreth, der sich daheim in Nürnberg trotz allem fit hält, sagt: "Für mich ist die Saison beendet."

Bamberger Unglaube und zwei Treffer

So ähnlich sieht man das offenbar auch beim oberfränkischen Nachbarn, wobei Arne Dirks sehr moderate Sätze wählt. "Wir glauben nicht daran, dass sich die Situation so bessert, dass noch einmal gespielt werden kann", sagte der Geschäftsführer von Brose Bamberg im "Sportstudio", bevor er zwei weitere Löcher in die berühmte Torwand schoss.

Genau wie in Bayreuth und an vielen anderen Standorten hat der Klub die Verträge mit seinen Spielern aus den USA bereits aufgelöst, die vereinbarte Option auf eine Rückkehr im Mai dürfte von beiden Seiten lediglich eine schöne Absichtserklärung bleiben. Sechs Heimspiele waren bei Bamberg noch eingeplant, wahrscheinlich sogar sieben oder acht, da der ehemalige Serienmeister zumindest fest mit der ersten Playoff-Runde kalkuliert hat. Ein "mittlerer sechsstelliger Betrag" würde dem Klub entgehen, wenn die Saison nicht mehr fortgesetzt wird, sagt Dirks.

"Ein Strohhalm, an den man sich klammert"

Ligaweit rechnen die Vereine sogar mit einer Lücke von bis zu 25 Millionen Euro, und dennoch: Die Hoffnung, dass die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten schon bald nach unten geht und wieder an Sportveranstaltungen zu denken ist, nennt Dirks nur einen "Strohhalm, an den man sich klammert". Im Bamberger Aufsichtsrat – in dem auch Carl Steiner sitzt und der gestern erneut und außerplanmäßig tagte – habe man sich dafür entschieden, möglichst frühzeitig offen mit den Sponsoren zu reden und lieber an die Zukunft, also an die nächste Saison, zu denken.

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Wirtschaftliche Schieflage und ein Spiel auf Zeit

Das dürfte wahrscheinlich auch die Konkurrenz tun – sofern es denn überhaupt eine Zukunft gibt. Einige Klubs befinden sich schon jetzt in einer wirtschaftlichen Schieflage, im Gegensatz zum Fußball machen die Ticketeinnahmen einen deutlich größeren Teil der Etats aus.

Der TV-Vertrag mit Magenta Sport ist dagegen eher zu vernachlässigen, dennoch ist er einer der Hauptgründe, warum die Verantwortlichen so sehr an einer Fortsetzung des Spielbetriebs hängen. Als "Quantensprung", was die Verbreitung von Basketball angeht, empfindet Holz die Zusammenarbeit mit der Telekom. Solange es also nicht ausgeschlossen ist, dass in den Hallen im Sommer noch einmal Parkett verlegt wird, sei es "sportlich, kaufmännisch und durchaus auch juristisch" die Pflicht der BBL, vorbereitet zu sein.

Es ist ein Spiel auf Zeit, um vielleicht doch noch ein paar Euro zu retten. In Bamberg und Bayreuth glaubt man allerdings nicht mehr daran, dieses Spiel noch gewinnen zu können.

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