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Pferde waren ihr Leben: Dressur-Ikone Dagmar Krech ist verstorben

Erste Reitmeisterin Deutschlands bildete 20 Jahre in Neumarkt aus - 29.01.2021 09:38 Uhr

Ein interessierter Herbert Pfleiderer auf der heimischen Neumarkter Anlage an der Seite der hochdekorierten Reitlehrerin Dagmar Krech.

28.01.2021 © Foto: Reitstall Mooswiese


Aufgewachsen in einem Forsthaus in Schlesien, lernte Dagmar Krech den Umgang mit Pferden aus erster Hand vom Vater. Ihre Jugend inmitten der ländlichen Beschaulichkeit war jedoch überschattet vom Zweiten Weltkrieg. Zwei von vier Geschwistern kamen um, 1945 stand im Zeichen der Flucht. Es half in der schweren Zeit vor allem die Nähe und Verbundenheit zu den Tieren.

In bayerischen Gefilden nahm schließlich eine herausragende Reit-Karriere ihren Lauf. 1958 heuerte Krech auf Gut Ising am Chiemsee an, heimste etliche Turniererfolge im süddeutschen Raum ein und machte sich einen Namen als Ausbilderin. Die Reitlehrerprüfung legte sie beim renommierten Paul Stecken in Münster ab.

Preußische Tugenden hochgehalten

Eigentlich spezialisiert auf Spring-Pferde, übte sich Krech wegen ihrer sprungverweigernden Stute vermehrt der Dressur. So leistete sie maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des auf einem Auge blinden Holsteiner-Wallachs "Granat", mit dem die über Jahre an der Weltspitze unangefochtene Schweizerin Christine Stückelberger 1976 Olympia-Gold in Montréal gewonnen hatte. Eigene Ambitionen in dieser Richtung scheiterten an den finanziellen Voraussetzungen und der bodenständigen Art einer Dagmar Krech, die die Stallarbeit der öffentlichen Zurschaustellung stets vorzog.

Aus der Tätigkeit als Kadertrainerin entstand derweil bereits Ende der 60er Jahre der Kontakt zur Neumarkter Familie Pfleiderer, deren Tochter Margret auf Wettkampf-Ebene ihr Geschick bewies. 1977 gelang es dem Unternehmens-Senior Herbert Pfleiderer, Dagmar Krech auf sein Gestüt an der Mooswiese zu locken, das in der Folge zu einem bundesweit beachteten Dressur-Standort aufstieg. Mit dem Ende ihrer aktiven Laufbahn, darunter acht bayerische Meisterschaften sowie über 1000 Siege und Platzierungen, erhielt Krech 1992 für ihre Ausbildungsverdienste als erste – und für weitere zwei Dekaden einzige – Frau den von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung als höchster Instanz selten vergebenen Titel "Reitmeisterin".

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Über 40 Lehrlinge durchliefen ihre auf den preußischen Tugenden des Vaters beruhende Schule. Aus Respekt vor den Pferden etwa forderte sie von ihren Schützlingen korrektes Auftreten bis hin zur Kleidung. 1997 verabschiedete sich Krech nach 20 Jahren in Diensten der Pfleiderers in den Ruhestand ins baden-württembergische Gaggenau auf den Hof der Schwester.

Dagmar Krech bestach "durch ihre Kameradschaft und ihre Bescheidenheit, wobei das Wohlergehen ihrer Pferde für sie immer oberste Priorität hatte", schreibt Margret Högner, die den elterlichen Stall 1996 übernahm. "Mit ihrer bemerkenswerten Persönlichkeit, mit ihrem Humor und ihrer engen Bindung an unsere Familien", werde sie "in dankbarer Erinnerung bleiben".

Am 24. Januar 2021 verstarb Dagmar Krech im Alter von 90 Jahren.

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