Pressing-Erfolg: FCN-Sechser Nürnberger freut sich über Details

9.3.2021, 06:00 Uhr
Fabian Nürnberger bot eine ordentliche Leistung gegen Düsseldorf.

Fabian Nürnberger bot eine ordentliche Leistung gegen Düsseldorf. © Sportfoto Zink / Daniel Marr

Die Arme angewinkelt, angespannt und eng angelegt am Körper, die Fäuste geballt, den Mund weit aufgerissen, um einen laustarken Schrei zu entlassen. Das abermals erfolglose Gastspiel des 1. FC Nürnberg lieferte Fabian Nürnberger trotz der letztlich zu Buche stehenden 1:3-Niederlage Anlass zum Jubel. Anders als der zwischenzeitliche Triumph nach Dennis Borkowskis Ausgleichstreffer dürfte der Moment, der dem diesmal als Sechser aufgebotenen 21-Jährigen einen leidenschaftlichen Ruf entlockte, dem Gros der Zuschauer allerdings kaum in Erinnerung geblieben sein – allein deshalb, weil er eben nicht zu einem Eintrag in die Torschützenliste, nicht einmal zu einem Eintrag in den Live-Ticker führte. Vielleicht auch deshalb, weil der Ball nach Borkowskis Berührung die Torlinie und nach der Nürnberger-Aktion nur den Streifen zum Seitenaus passierte.


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Die beiden Aktionen in der 27. und in der 62. Minute eint indes die nur kurz währende Freude – und ihr Ursprung in Momenten des beherzten Pressings. Fortunas Ex-Fürther Thomas Pledl passte den Ball zurück zu seinem Schlussmann Florian Kastenmeier, der den riskanten Pass ins Zentrum wählte und den dem eigenen Tor zugewandten Adam Bodzek bediente. Der Routinier war schließlich von drei FCN-Akteuren umgeben und wurde von hinten durch Fabian Nürnberger angelaufen, der damit das Aufdrehen verhinderte. Bodzek blieb entsprechend nur der Klatsch-Pass auf den breitstehenden Innenverteidiger André Hoffmann, der den Ball nicht kontrollieren konnte und ins Seitenaus rollen ließ. Ballgewinn nach Pressing. Jubel bei dem gewohnt engagierten und beherzten Nürnberger, gar ein Schrei ist in dieser vermeintlich unscheinbaren Situation zu hören.

Nicht selten luden die nach nur sechs Punkten aus den vergangenen sieben Spielen verunsicherten Aufstiegsanwärter vom Rhein den Club dank Fehler im Spielaufbau zu Chancen ein, die das Team von Cheftrainer Robert Klauß allerdings nicht ausreichend nutzte. Die Möglichkeiten aber waren insbesondere in der zweiten Hälfte, in der Nürnberg nahezu von Beginn an einen Rückstand aufholen und dementsprechend aktiver agieren musste, vorhanden.


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Die Frage, warum es für einen Kurswechsel vom Bekämpfen der gegnerischen Stärken zum Ausspielen der eigenen Qualitäten erst einen Gegentreffer brauchte, muss sich der 1. FC Nürnberg dementsprechend gefallen lassen. Eine Antwort könnte lauten: Weil die Fortuna, immerhin der Zweitligist mit dem höchsten Gesamtmarktwert, besonders offensiv über gefährliche, schnelle Spieler verfügt, die in Anbetracht des defizitären Tempos in der Nürnberger Abwehrreihe bei Kontern noch gefährlich hätten werden können.

Entsprechend war es auch eine laut Klauß "sehr unnötige" Umschaltsituation, die das Spiel letztlich zu Gunsten der Hausherren entschied: Auf den eigenen Ballgewinn folgte kurz vor dem Treffer zum 2:1 für die Fortuna direkt der Verlust des Spielgeräts, für den der Club "nicht ganz gut abgesichert war", da er sich eigentlich ja noch selbst im offensiven Umschaltmoment befand.


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Dennoch machte der Club in dieser Situation nicht alles falsch: Georg Margreitter rückte auf den Flügel, Tim Handwerker in dessen Rücken. Im Strafraum ging der Linksverteidiger gemeinsam mit Asger Sörensen und auch Johannes Geis den Laufweg der drei Düsseldorfer mit – was nach Einschätzung des Cheftrainers auch "grundsätzlich richtig ist". Das Problem? Die drei Club-Akteure ließen sich nah ans eigene Tor zurückfallen und damit viel Wiese vor ihnen frei, die niemand schloss. "Wir lassen den Rückraum offen und fühlen uns da nicht zuständig dafür", analysierte der Coach. Dem in dieser Situation zögerlichen Fabian Nürnberger, der bereits in der Entstehung der Chance keinen Zugriff auf den Passgeber auf Borrello erhielt, gelang es nicht mehr annähernd, Marcel Sobottka unter Druck zu setzen, der den Ball schließlich technisch anspruchsvoll im langen Eck unterbrachte.

Es blieb eine der schwachen Szenen, die eher in der Defensive stattfanden und die der spielgewandte Sechser dank gefälliger Offensivaktionen zu einer in Summe soliden Leistung (nordbayern-Note 3,5) kompensierte. Wie gewohnt agierte Nürnberger umtriebig, dynamisch und mit großem Aktionsradius. Besonders seine Agilität hat er vielen Mannschaftskollegen voraus, verfügt er doch ob seines Antritts und seiner Beweglichkeit immer auch über die Möglichkeiten, einen oder gar mehrere Gegner stehen zu lassen – so geschehen beispielsweise in der 27. Minute, als er zwischen den stehenden Düsseldorfer Sechsern hindurchzieht und anschließend Manuel Schäffler in Szene setzt.


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Auch seine Läufe in die Räume zwischen den gegnerischen Innen- und Rechtsverteidiger, dank der er mit Mats Möller-Daehli, Tim Latteier und Dennis Borkowski in der zweiten Halbzeit mitunter gefällig kombinieren konnte, zählen neben elegant gelösten Aktionen wie seinem Lupfer über Pledl in der 30. Minute zu den guten Ansätzen, die Nürnberger in Düsseldorf aufzeigte. Freilich, der gebürtige Hamburger könnte bei größerer defensiver Stabilität und mehr Produktivität in seinen Offensivaktionen eine noch wichtigere Rolle im Spiel des 1. FC Nürnberg einnehmen.

Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass in seinem Alter Schwankungen in der Leistung ebenso erwartbar sind wie fahrige Auftritte. Und dass der polyvalente, selbstbewusste 21-Jährige erst seit anderthalb Jahren, genauer gesagt seit dem 25. August 2019, ein "richtiger" Profi ist. Damals feierte er im Duell mit dem VfL Osnabrück als für Tim Handwerker eingewechselter Linksverteidiger sein Pflichtspieldebüt für den 1. FC Nürnberg – gegen den Gegner, gegen den er im Rückspiel seine erste Vorlage und in dem darauffolgenden Duell seinen ersten Zweitligatreffer erzielen sollte.


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Bei dem euphorisierenden 4:1-Auswärtssieg an der Bremer Brücke, dem letzten verdienten und nicht durch glückliche Fügung zustande gekommenen Erfolg des Club, antizipierte Nürnberger einen Fehlpass von Ajdani zurück zu seinem Torwart, spritzte dazwischen, legte sich den Ball mit dem ersten Kontakt an Keeper Kühn vorbei und vollendete letztlich aus schwierigem Winkel ins lange Eck. Daraufhin lief er vom Tor weg in Richtung Seitenaus, die Arme angewinkelt, angespannt und eng angelegt am Körper, die Fäuste geballt, den Mund weit aufgerissen, um einen laustarken Schrei zu entlassen. Damals mündete das forsche Pressing des Fabian Nürnberger und seiner Kollegen gar in etwas Zählbarem.

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