Public-Viewing: Hier läuft die EM in Neumarkt

11.6.2021, 18:43 Uhr
Selige Zeiten erlebten Fußballfans in Neumarkt 2014 bei der Übertragung des WM-Finales. In manchen Stuben ging es zumindest bis zum Abpfiff bereits halbwegs coronakonform zu.

Selige Zeiten erlebten Fußballfans in Neumarkt 2014 bei der Übertragung des WM-Finales. In manchen Stuben ging es zumindest bis zum Abpfiff bereits halbwegs coronakonform zu. © Archivfoto: Wolfgang Fellner

Um Lichtjahre entfernt aus einem Parallel-Universum erscheinen uns heute die Erinnerungen an fröhliche Jubeltrauben vor der Großleinwand. Mit jeweils mehreren tausend Gästen beim Public-Viewing auf dem früheren Aldi-Parkplatz an der Dammstraße 2006 und am Volksfestplatz 2010 avancierte Neumarkt noch vor Regensburg zur oberpfälzischen Stimmungs-Hochburg im fußballbegeisterten Deutschland.


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Der Trend, sein Fan-Sein bei Turnieren in der Öffentlichkeit auszuleben, ebbte in den Jahren danach schleichend ab. Während die Sicherheitsauflagen für Veranstaltungen stiegen, blieben selbst 2014 auf dem Weg zum Titelgewinn viele Plätze frei. Es war im Innenhof der Glossner-Brauerei der bis dato letzte große Aufschlag zum Rudelgucken, ehe das städtische Ordnungsamt 2018 vor dem frühen Ausscheiden in Russland keinen einzigen Antrag mehr zu prüfen hatte.

Polizei pocht auf Regeln

Dass auch jetzt zur EM 2021 nichts vorliegt, wie Martina Hösch vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit bestätigt, kommt wenig überraschend und resultiert wiederum aus bekannten, übergeordneten Tatsachen. So verweist das Polizeipräsidium Oberpfalz mit Blick auf die wachsende Lust nach Ablenkung im jüngst wieder gelockerten Alltag in einer Mitteilung ausdrücklich auf die geltenden Infektionsschutz-Richtlinien. "Bitte halten Sie sich nach wie vor an die notwendigen Abstände. Vermeiden Sie dabei Menschenansammlungen. Tragen Sie einen Mund- und Nasenschutz, wo dies vorgeschrieben ist", lautet der Appell. Fähnchen am Auto seien nur dann zulässig, wenn sie die Sicherheit im Verkehr nicht beeinträchtigen und sollten vor Überland-Fahrten mit höherer Geschwindigkeit abmontiert werden. Wenngleich die Polizei ankündigt, "mit Augenmaß und dem notwendigen Fingerspitzengefühl" vorgehen zu wollen, werden Autokorsos nur geduldet. Personen auf Motorhauben und Dächern sind strikt untersagt.

Wer sich nicht komplett ins Private zurückziehen will, muss nicht extra in den Fanpark an den Nürnberger Flughafen fahren. Sondern hat immer noch die Möglichkeit, die Spiele vor Ort in ausgewählten Lokalitäten im ruhigeren Ambiente zu verfolgen – unter Einhaltung der gültigen Kontaktbeschränkungen.

Leinwand im Biergarten

Im Biergarten des Berghotel Sammüller etwa, der seine Kapazität von 200 Plätzen immerhin zur Hälfte ausreizen darf, wartet eine von schwarzer Folie abgeschirmte Leinwand. Geplant ist, mindestens alle deutschen Partien zu zeigen. "Jetzt haben wir uns so lange ausgeruht, da arbeite ich umso lieber mit ein bisschen Atmosphäre. Bei maximal drei Haushalten am Tisch darf auch gejubelt werden", verrät Katja Sammüller. Über gleich mehrere Bildschirme, die sich auf Innenhof, Innenraum und Terrasse verteilen, verfügt die Restaurant-Bar Freiraum in der Bahnhofstraße. Je nach Bedarf werden alle Spiele übertragen, genau wie im Café am Rathaus, das ebenfalls mit Außenbereich lockt.

Im Café Neuzeit und im Schachterl ist der Kreis der Zuschauer begrenzt, schließlich läuft der Fernseher nur drinnen. Derweil hält sich die Fußball-Euphorie im Cineplex-Kino in Grenzen. Der Betrieb öffnet erst am 1. Juli. Ob man sich zu den Viertelfinals mit einer Aktion beteiligt, sei fraglich. Das Café Beck in Freystadt fällt als beliebte Anlaufstation im Landkreis wegen der "hohen Lizenz-Gebühren" aus. Auch das Neumarkter Irish Pub, das die Nachfolge der Sportsbar Abseits antrat, verzichtet diesmal. Es sind eben andere Zeiten.

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