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Pünktlich zum Testspiel: Flügelflitzer Misidjan feiert Rückkehr

Der Edeltechniker soll den Club wieder etwas torgefährlicher machen - 22.03.2019 06:00 Uhr

"Glücklich in Nürnberg": Hochgeschwindigkeitsstürmer Virgil Misidjan greift wieder an. © Foto: Daniel Marr/Zink


Für Virgil Misidjan ist schon Frühling, zumindest hat er seine Haarpracht entsprechend stutzen lassen. "So etwas Ähnliches", sagt er auf dem Weg vom Trainingsplatz zur Kabine und strahlt, als sei ihm gerade tatsächlich ausgesprochen warm ums Herz.

Das ist auch sehr gut möglich; Mitte Februar hat sein zweites Kind das Licht der Welt erblickt, seine Familie geht ihm über alles. Deswegen durfte er vor und nach der Geburt auch ein paar Tage in den Niederlanden bleiben, er wollte das wunderbare Ereignis einfach voll auskosten.

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Unter Cluberern: Ausgelassene Chancen sind mehr als ärgerlich!

20 Spiele in Folge ohne Sieg: Der 1. FC Nürnberg erspielt sich in der Bundesliga eine "Serie", auf die der Verein mit Sicherheit gerne verzichtet hätte. Auch aus Frankfurt reist die Truppe aus Franken einmal mehr punktlos ab. Der Unmut der Fans, er wird immer größer. Hier kommen die Stimmen direkt aus dem Lager der Anhänger:


Die Nächte sind trotzdem ruhig, Virgil Misidjan ist allein nach Nürnberg zurückgekehrt, wo er sich schon seit einiger Zeit auf sein Comeback vorbereitet. Hartnäckige Adduktorenprobleme ließen ihn in letzter Zeit deutlich kürzertreten, zur Startelf zählte er letztmals am 2. Februar gegen Bremen.

Mittlerweile fühlt sich der 25-Jährige, angeblich 2,5 Millionen Euro teuer und damit einer der teuersten Transfers der Vereinsgeschichte, wieder fit genug, um seinem Club in der entscheidenden Phase wieder eine Hilfe zu sein. Misidjan ist der mit Abstand schnellste Spieler im Kader und vor allem auf den ersten Metern kaum zu halten. In Bestform riss er mit seinen Tempodribblings häufig Lücken für die Kollegen, die seine Rückkehr deshalb kaum erwarten können.

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"Ich brauche noch etwas Zeit", sagt Misidjan nach der gestrigen Einheit, "um bereit zu sein." Bereit zu sein für das Heimspiel gegen Augsburg am nächsten Samstag, wenn der Tabellenletzte wahrscheinlich wirklich seine letzte Chance kriegt; nur ein Sieg dürfte die Hoffnung auf den Klassenverbleib am Leben erhalten. Misidjan weiß das natürlich und arbeitet täglich darauf hin.

Freitagnachmittag, im Test gegen den tschechischen Erstligisten FK Mlada Boleslav (14.30 Uhr/Sportpark Valznerweiher), wird er voraussichtlich eine halbe Stunde stürmen, gegen Augsburg möglicherweise schon wieder von Beginn an.

Auch Pereira kehrt zurück

Da auch Matheus Pereira nach seiner Rot-Sperre wieder zur Verfügung steht, hat Trainer Boris Schommers für die Offensive wieder die eine oder andere Alternative mehr. Nach nur fünf Toren in den vergangenen 14 Bundesliga-Partien muss besonders im letzten Platzdrittel wieder deutlich mehr passieren, sonst ist der Club nicht mehr zu retten.

Misidjan glaubt noch daran, trotz der sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. "Es sind noch acht Spiele", sagt Misidjan, "acht." Da könne noch ganz viel passieren, allerdings nur, wenn Stuttgart und Hannover nicht plötzlich auf dumme Ideen kommen und Siegesserien starten.

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Der 1. FC Nürnberg hat mit 0:1 bei Eintracht Frankfurt verloren. Das Tor des Tages erzielte Martin Hinteregger, der Club steht erneut mit leeren Händen da. Trotzdem zeigt die Mannschaft von Boris Schommers einmal mehr eine couragierte Vorstellung, wir haben die Bilder des Spiels.


Auch deswegen macht sich Misidjan noch keine Gedanken über seine berufliche Zukunft. Sein Vertrag würde noch zwei Jahre laufen, "und ich möchte auch in der nächsten Saison mit Nürnberg in der Bundesliga spielen", sagt Misidjan, "das ist mein großer Wunsch". Ein anderer lässt sich nicht mehr realisieren; bei einer körperlichen Auseinandersetzung hat er einen Rentner in Roosendaal schwer verletzt, ein Gericht verurteilte ihn im Mai 2018 zu einer sechsmonatigen Haftstrafe. Für die Berufungsverhandlung gibt es nach wie vor keinen Termin, Misidjan steht in regelmäßigem Austausch mit seinem Anwalt: "Ich weiß es wirklich nicht."

Somit ist aktuell eher nicht davon auszugehen, dass er in der heißen Phase der Saison plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen könnte. Dass es passiert ist, tut ihm sehr leid, liebend gerne würde er die Uhr zurückdrehen, kann aber nur in die Zukunft schauen. Insgeheim träumt er sogar von der niederländischen Nationalmannschaft, die meisten aus der aktuellen Elftal kennt er persönlich, "ich habe entweder schon mit ihnen oder gegen sie gespielt", sagt Misidjan, aber das ist alles ganz weit weg.

Sein Fokus liegt auf der schweren, fast unlösbaren Aufgabe mit dem Club. "Ich fühle mich gut und bin glücklich in Nürnberg", sagt Virgil Misidjan und lächelt sanft. Womit das Gespräch endet, wie es begonnen hatte. 

Wolfgang Laaß

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