Olympia 2022

Quali für Winterspiele: Bob-Anschieber Tobias Schneider hofft auf Teilnahme

22.9.2021, 11:35 Uhr
Für Deutschland durch den Eiskanal in Peking rauschen. So wie hier der Schlitten bei den Olympischen Spielen in Sotchi 2014. Das ist der große Traum von Bob-Anschieber Tobias Schneider aus Eckersmühlen.

Für Deutschland durch den Eiskanal in Peking rauschen. So wie hier der Schlitten bei den Olympischen Spielen in Sotchi 2014. Das ist der große Traum von Bob-Anschieber Tobias Schneider aus Eckersmühlen. © Foto: imago images/HochZwei

Wie viel Unsicherheit kann ein Mensch aushalten und dabei motiviert, gesund, positiv und fokussiert bleiben und über ein halbes Jahr hinweg Topleistungen auf höchstem Niveau bringen? Wer Bob-Anschieber Tobias Schneider aus Eckersmühlen bei seiner Vorbereitung zu den Olympischen Winterspielen in Peking beobachtet und begleitet, kann der Antwort auf diese Fragen ein ganzes Stück näherkommen.

Auf einer Simulationsanlage in Oberhof fand nun der erste große Leistungstest der Bobfahrer statt. Am Ende des Ausscheidungsprozesses sollen die drei besten deutschen Teams für Peking im Februar 2022 feststehen. Ein erster entscheidender Schritt dafür, dass es für ihn nicht beim Olympischen Traum bleibt, ist für Tobias Schneider geschafft. Der Sportpolizist, der für seinen Traum sein Lehramts-Studium kurz vor dem Abschluss abgebrochen hatte, musste dort liefern. Und das hat er: "Das war – gefühlt – für mich der bisher wichtigste Wettkampf meiner Karriere. So einen Druck habe ich mir noch nie gemacht. Beim ersten Test bei der Zweier-Bremse war ich auch noch etwas fest und blieb mit Platz neun unter meinen Möglichkeiten." Der Bremser ist im Bobsport der Anschieber, der ganz hinten anläuft und am Ende der Fahrt die Bremse zieht. "Das hat mich für die Vierer-Bremse aber eher noch mehr motiviert, ich konnte es in positive Energie umsetzen, hatte die erforderliche Lockerheit und wurde Zweiter", freute er sich über seinen Erfolg.

"Schöne Standortbestimmung"

Doch wer glaubt, dass Schneider damit sein Peking-Ticket in der Tasche hat, täuscht sich. Zwar war die Rede von einer "schönen Standortbestimmung" und der Bestätigung, dass er sich "beim Test gut präsentiert" habe, doch Klarheit über die Aufstellung gibt es noch lange nicht. Denn nicht nur er steht auf dem Prüfstand, sondern das gesamte Team Hafer, dem Tobias Schneider angehört.

Sportpolizist Tobias Schneider aus Eckersmühlen.

Sportpolizist Tobias Schneider aus Eckersmühlen. © Foto: Sportpolizei

Die Teams um die Piloten Francesco Friedrich und Johannes Lochner sind so gut wie gesetzt. Um den dritten Startplatz bewerben sich drei Teams der Piloten Christoph Hafer, Richard Oelsner und Peter Hannighofer. Diese drei Teams werden ab 21. September in Winterberg im Eiskanal eine erste Ausscheidungsrunde fahren. "Es kann bereits am 21. September mit den ersten Fahrten losgehen. Aber im Augenblick weiß keiner, ob bei der aktuellen Tagestemperatur gefahren werden kann. Vielleicht fahren wir auch nachts, oder er am Wochenende, oder auch gar nicht. Wir müssen auf alles vorbereitet sein."

Noch ungewiss

Wenn es nach Plan verläuft, dann dürfen die zwei besten Teams Anfang Oktober nach Peking fliegen, um dort auf der Olympia-Bahn den nächsten Ausscheidungslauf zu fahren. Doch auch das ist dann immer noch nicht endgültig. Sollten die Ergebnissen im Weltcup ab November eine ganz andere Richtung auf-zeigen, sind immer noch andere Entscheidungen möglich. Und auch wenn sich das Team Hafer, Schneiders Stamm-Team, nicht qualifizieren sollte, besteht immer noch eine realistische Möglichkeit, dass er als einer der besten Anschieber in eines der drei anderen Teams berufen wird.


Etwas Harakiri für den großen Bob-Olympia-Traum


"Inzwischen bin ich so weit, dass ich mich freuen würde, wenn ich rund um Weihnachten weiß, ob ich zu Olympia darf. Ich werde weiter alles dafür tun." Alles, das heißt für Tobias Schneider, bis Februar 2022 in Topform zu bleiben. Fast jede Leistung zählt, jede schlechte Leistung kann das Aus bedeuten – und eine Verletzung sowieso.

"Neben Training, Tests und Wettkämpfen liegt mein Fokus vor allem darauf, meinen Körper fit und gesund zu halten. Ich bin Profi. Mein Körper ist mein Arbeitsgerät. Ich mache in Eigenregie viele Reha-Einheiten, um Verletzungen vorzubeugen und meine Schulter nach der Verletzung nicht zu gefährden." Es bleibt also spannend bis unmittelbar vor der Abreise zu den Olympischen Spielen im Februar nach Peking – hoffentlich dann mit Tobias Schneider an Bord.

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