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"Riesiger Umbruch": Margreitter wirbt bei Club-Fans um Geduld

FCN läuft den Ansprüchen von Beginn an hinterher - 23.08.2019 09:05 Uhr

"Ich verstehe die Unruhe, das ist normal bei einem Verein wie Nürnberg": Georg Margreitter glaubt trotzdem noch an die Wende. © Sportfoto Zink


Dass sie sich nun auch schon einige Zeit kennen, haben die Fußballspieler des 1. FC Nürnberg zuletzt sehr fachmännisch zu verbergen gewusst. Seit Ende Juni üben sie nun das gemeinsame Spiel, nur sieht man davon auf dem Platz regelmäßig dummerweise dann eher wenig. Beim 2:3 in Sandhausen ist ihnen der erste Durchgang derart gruselig gelungen, dass sie danach über sich selbst gestaunt haben.

Einer, der mitgestaunt hat, steht am Mittwoch wieder einigermaßen gut gelaunt auf dem Trainingsplatz – also so gut gelaunt, wie das eben geht nach einem 2:3 in Sandhausen. Immerhin hat Georg Margreitter dieses Spiel nur als Zuschauer verfolgt, eine Adduktorenverletzung hat sein Mitwirken verhindert. Ob sie mit ihm in der Innenverteidigung besser ausgesehen hätten? Zumindest Margreitters letzter Arbeitsnachweis spricht dagegen: Beim 0:4 gegen den Hamburger SV stand er 90 Minuten auf dem Platz, ohne dass er das Debakel hätte verhindern können.

Jetzt trainiert er wieder, ob er am Sonntag gegen Osnabrück mithelfen kann, dass alles wieder ein bisschen besser wird, weiß er allerdings noch nicht. Die Schmerzen, sagt Margreitter nach dem Training, "kommen normalerweise zeitverzögert".

Er bleibt dennoch zuversichtlich. "Ich habe Glück, dass wir eine lange Woche haben und erst am Sonntag spielen, was bedeutet, dass wir Zeit haben, das Ganze sinnvoll aufzubauen", sagt er und meint seinen Körper. Dabei könnte er mit diesem Satz auch den ganzen Verein meinen.

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Erstes Training vor Clubfans: Michael Frey stellt sich vor

Beim öffentlichem Training am Montag zeigte sich Michael Frey zum ersten Mal den Fans. Kurz nachdem der Verein die Leihe des 25-jährigen Stürmers bestätigt hat, musste der Schweizer bereits rennen, schießen und Autogramme geben. Frey wird zunächst für eine Saison von Fenerbahçe Istanbul ausgeliehen.


Nach dem Abstieg aus der Bundesliga sind sie beim Club ja gerade dabei, mit verändertem Personal wieder etwas Sinnvolles aufzubauen. Momentan scheitern sie an dieser Übung, aber – kleine Resthoffnung – vielleicht verhält es sich da ähnlich wie mit Margreitters Schmerzen und alles kommt etwas zeitverzögert.

"Es ist nicht zufriedenstellend", sagt der erfahrene Margreitter über den Ist-Zustand dieser Fußballmannschaft, die im besten aller Fälle am Ende des Fußballjahres wieder ein Erstligist hätte werden sollen. Wenn man den Spieler Margreitter richtig verstanden hat, ist dieser Aufstieg für ihn auch noch nicht abgesagt.

Er will immer zuversichtlich bleiben, nicht nur mit Blick auf seinen Körper. So hat er das vor knapp einem Jahr formuliert, als sie sich in Südtirol auf ihr Jahr in der ersten Liga vorbereitet hatten. "Man kann Gedanken und seine Art zu denken trainieren wie den Bizeps", sagte er damals, "wenn ich aktiv eine schlechte durch eine gute Sache ersetze, dann habe ich nicht mehr die Kapazität, an etwas Schlechtes zu denken."

Dann begann eine Saison, die sehr aktiv alle guten Sachen rund um den 1. FC Nürnberg durch schlechte ersetzte, bis sie keine Kapazitäten mehr hatten. Und jetzt geht das schon wieder los, dass Margreitter sagen muss, dass etwas nicht zufriedenstellend ist und den Fußball meint. Aber die Kapazität, eine schlechte durch eine gute Sache zu ersetzen, die schlummert schon noch in Margreitter. Also sagt er: "Was man dagegenhalten muss: Wir haben einen riesigen Umbruch im Verein. Das Gefüge muss sich erst finden, deshalb ist es zu früh, irgendwelche Fazits zu ziehen."

 

 

Dass sich nicht alle, die sich für den FCN interessieren, an dieses Fazit-Verbot halten, das ahnt Margreitter. "Ich verstehe die Unruhe, das ist normal bei einem Verein wie Nürnberg", sagt er. Die Unruhe gäbe es gar nicht, wenn sie nicht ständig zu Fußballspielen antreten müssten. "Wir arbeiten hart und wir arbeiten auch sehr gut. Unter der Woche funktioniert es auf jeden Fall", sagt er. Unter der Woche trainieren sie aber eben nur – und versuchen, zueinanderzufinden in diesem Gefüge.

Das Kollektiv erwartet zu viel

Margreitter ist jetzt 30 Jahre alt, er hat dieses Sichfinden einer neu konstruierten Mannschaft schon häufig mitgemacht – und er ahnt, worin die Schwierigkeiten in diesem speziellen Fall liegen: "Kann sein, dass man an sich als Mannschaft, als Kollektiv zu hohe Erwartungen hat, sich zu viel Druck auferlegt – wobei man sich noch gar nicht gefunden hat."

Also wollen sie jetzt erst einmal eine Gemeinschaft werden, Margreitter will diesen Prozess als Führungsspieler gestalten. Was er empfiehlt? "Da gibt es kein Patentrezept. Es braucht Zeit, bis sich Hierarchien bilden. Der selbst auferlegte Druck, den das Umfeld annimmt und reflektiert, der hilft uns in der jetzigen Situation gar nicht", sagt er. Sie sind jetzt Gefangene dieser Findungsphase. Aber: "Ich habe es noch nicht erlebt, dass es gar nicht zusammenwächst. Wenn sich jeder einbringt und alles dem Fußball unterordnet, dann findet sich das. Ganz sicher sogar."


Klicken Sie hier: Ihre Meinung zum 1. FC Nürnberg ist gefragt!


Dann wird er noch gefragt, ob es ihm momentan Spaß macht, sich in diesen Prozess einzubringen. Er zögert und sagt: "Ich spiele sehr, sehr gerne Fußball." Mit etwas Glück sieht man am Sonntag im Max-Morlock-Stadion, dass das auf den ganzen 1. FC Nürnberg zutrifft. 

Fadi Keblawi

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