Eishockey-Oberliga

Saisonstart der Höchstadt Alligators: Alles, was man wissen muss

Dominik Mayer
Dominik Mayer

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8.10.2021, 06:00 Uhr
Jubelszenen, wie diese in den Playoffs gegen den SC Riessersee, haben die vergangene Saison der Höchstadt Alligators geprägt. In der neuen Spielzeit wollen die Alligators wieder jubeln – diesmal allerdings nicht alleine, sondern zusammen mit ihren Fans.

Jubelszenen, wie diese in den Playoffs gegen den SC Riessersee, haben die vergangene Saison der Höchstadt Alligators geprägt. In der neuen Spielzeit wollen die Alligators wieder jubeln – diesmal allerdings nicht alleine, sondern zusammen mit ihren Fans. © Foto: Thomas Hahn

Nach rund eineinhalb Jahren ohne Fans dürfen die Höchstadt Alligators heute Abend endlich wieder vor heimischem Publikum auflaufen. Um 20 Uhr ist Bully im Eisstadion am Kieferndorfer Weg (Übertragung auf Sprade TV). Zu Gast zum Saisonauftakt sind die Passau Black Hawks. Alles, was man darüber und über die anstehende Spielzeit wissen sollte, haben wir hier zusammengefasst:

Die Vergangenheit . . . ist glorreich. Zumindest, wenn man so wohlwollend ist, nur auf die Spielzeit 2020/21 zu blicken. Da gelang den Alligators völlig überraschend die direkte Qualifikation für die Playoffs. Nach einem Sweep im Viertelfinale musste der ruhmreiche SC Riessersee unangenehm früh in die Sommerpause. Ein Schicksal, das die Eisbären Regensburg im Halbfinale nur mit Mühe abwenden konnten. "Im Umfeld ist dieser Erfolg schon noch ein Thema", sagt Teammanager Daniel Tratz, "aber die Mannschaft schaut nach vorne, da sind die Jungs professionell genug." Vier Siege aus fünf Spielen in der Vorbereitung lassen vermuten, dass das stimmen könnte.

Die Liga . . . besteht nach dem Aufstieg der Höchstadter Kooperationspartner Selber Wölfe nur noch aus zwölf Klubs. Die haben dafür zum Teil ordentlich aufgerüstet. Timo Pielmeier (Deggendorf), Nick Latta, Chad Bassen (beide Weiden), Steffen Tölzer (Rosenheim), Jaroslav Hafenrichter (Memmingen) oder Coach Pat Cortina (Riessersee) – vergangene Saison noch mit den Grizzlys Wolfsburg im DEL-Finale – sind nur einige prominente Namen, die die Liga besser machen sollten. Alle bringen reichlich Erfahrung aus Deutschlands Eliteliga mit in ihre neuen Teams. Sollte alles wie erwartet laufen, was im Eishockey bekanntlich selten der Fall ist, dürften die Starbulls Rosenheim, der SC Riessersee, die Eisbären Regensburg und die Memmingen Indians um die Top-Platzierungen kämpfen. Die Hauptrunde endet mit dem 44. Spieltag am 6. März 2022.

Ein Hauch von NHL

Der Kader . . . ist relativ stabil geblieben. Am schwersten wiegen die Abgänge von Niklas Jentsch (nach Deggendorf) und Milan Kosturek (Tschechien). Andere Leistungsträger wie Michail Guft-Sokolov, Martin Vojcak, Anton Seewald oder Goalie Benjamin Dirksen tragen weiter das Trikot der Alligators. "Vielleicht sind wir sogar noch einen Tick besser aufgestellt als letzte Saison", gibt sich Teammanager Tratz optimistisch. Verteidiger und Routinier Markus Babinsky ist nach langer Verletzungspause wieder fit, der junge Dominik Zbaranski soll sich in Höchstadt zu einem torgefährlichen Oberliga-Spieler entwickeln. Komplettiert wird der Kader durch sieben Förderlizenz-Spieler von DEL2-Kooperationspartner Selber Wölfe. Ob noch ein weiterer Spieler zum Team stößt, werden die nächsten Wochen zeigen. Akuten Handlungsbedarf gibt es nicht, meldet sich ein interessanter Kandidat, wird man in Höchstadt aber sicher den Hörer abnehmen.

Die Kontingentstellen . . . hätten eigentlich Verteidiger Jake Fardoe und Stürmer Martin Davidek (vom DEL2-Klub Bayreuth) einnehmen sollen. Weil Letzterer aber im August überraschend sein Karriereende verkündete, musste man beim HEC umplanen. Der US-Amerikaner Austin Albrecht darf aktuell in einem Tryout-Vertrag seine Eignung unter Beweis stellen. An der University of Massachusetts hat der 25-Jährige noch vor drei Jahren zusammen mit Colorados Cale Makar gespielt, der heute einer der besten Offensivverteidiger der NHL ist. Und in der Saison 2016/17 war Nationalspieler Lean Bergmann sein Teamkollege. Der hat damals in 41 Spielen 16 Punkte erzielt, Albrecht in 44 Spielen 35 Punkte. Was das bedeutet? Vermutlich nicht viel. Schlechtere Referenzen gibt es trotzdem. Mit dem lettischen Verteidiger Kristaps Millers steht noch ein weiterer Ausländer im Kader. Ihn wird der Verein aber nur lizenzieren, falls er die deutsche Staatsbürgerschaft erhält.

Der Star . . . ist die Mannschaft. Klar, das sagen sie überall. Aber es schadet halt auch nicht, wenn man außergewöhnliche Einzelspieler im Team hat. Solche wie Anton Seewald. "Mit seiner Vertragsverlängerung haben wir ein großes Ausrufezeichen gesetzt", freut sich Tratz. "Seine Frau hat hier einen Ausbildungsplatz gefunden und die ganze Familie fühlt sich sehr wohl." Mit 53 Punkten aus 33 Spielen hat sich Seewald in der vergangenen Saison zu einem der gefragtesten Spieler der Oberliga Süd geschossen. Mehrere Angebote aus der DEL2 lagen danach auf seinem Schreibtisch. Auch mit mindestens einem Klub aus der DEL hat es ernsthafte Gespräche gegeben. Unterschrieben hat Seewald dann aber doch in Höchstadt – bis 2024.

Corona sorgt für Maskenpflicht

Das Saisonziel . . . muss mindestens sein, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Auch wenn das erfolgreiche Vorjahr sicher auch bei den Fans eine gewisse Erwartungshaltung geweckt haben dürfte, glaubt Teammanager Tratz, dass das Umfeld realistisch bleibt: "Ich denke, unsere Fans wollen einfach sehen, dass die Mannschaft kämpft." Dass in und um das Eisstadion am Kieferndorfer Weg ein erneuter Einzug in die Playoffs gerne gesehen würde, wird aber niemand bestreiten.

Die Regeln . . . passen sich dem Regelbuch des Weltverband IIHF an. Das bedeutet zum Beispiel: Faustkämpfe werden nun in den meisten Fällen wie in Nordamerika mit fünf Strafminuten geahndet statt wie bisher mit zwei plus zehn Strafminuten. Bei Checks gegen den Kopf kann der Schiedsrichter jetzt nur noch zwischen einer Zweiminuten- oder einer Matchstrafe wählen. Checks von hinten ziehen immer fünf Minuten plus Spieldauer- oder Matchstrafe nach sich. Außerdem dürfen Goalies den Puck hinter ihrem Tor nur noch innerhalb einer mit zwei roten Linien gekennzeichneten Trapez-Zone spielen. Jenseits dieses Bereiches gibt es eine Zweiminutenstrafe.

Das Coronavirus . . . spielt leider auch noch mit. Immerhin dürfen jetzt – anders als in der Vorsaison – wieder Fans ins Stadion. Die Zuschauerzahl in Höchstadt ist auf 999 begrenzt. Wer da ist, muss mindestens eine medizinische Maske tragen. Am Platz darf die Maske abgenommen werden, falls ausreichend Abstand zu haushaltsfremden Personen gewährleistet ist. Essen und Trinken am Platz ist gestattet. Es gilt die 3G-Regelung.

Der erste Gegner . . . reist aus Passau nach Franken. Die Passau Black Hawks gehören zu den Mannschaften, die es zu schlagen gilt, will man im Kampf um die Playoffs erfolgreich sein. Headcoach Ales Kreuzer hat von 2014 bis 2019 selbst für die Alligators gespielt. Nun kommt er zurück nach Höchstadt und hat mit Anders Poulsen einen prominenten Neuzugang mit im Mannschaftsbus sitzen. Der 30-Jährige kommt auf 286 Spiele in der ersten dänischen Liga, wurde dort zweimal Meister, lief 40-mal für die Nationalmannschaft seines Landes auf und stand schon in der Champions Hockey League auf dem Eis. Ihre letzten drei Vorbereitungsspiele gegen Deggendorf, Weiden und Regensburg haben die Black Hawks trotzdem verloren.

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