"Scheiß Afghane": Union entschuldigt sich nach Eklat

16.1.2021, 12:18 Uhr
Amiris Tränen, Unions Entschuldigung: Schatten nach Rassismus-Vorfall in der Bundesliga-Partie zwischen Union Berlin und Bayer Leverkusen.

Amiris Tränen, Unions Entschuldigung: Schatten nach Rassismus-Vorfall in der Bundesliga-Partie zwischen Union Berlin und Bayer Leverkusen. © Andreas Gora, dpa

Bayer Leverkusens Profi Nadiem Amiri hat die schnelle Entschuldigung angenommen. Der Wirbel um die Rassismus-Vorwürfe ist aber gerade für den 1. FC Union Berlin damit noch nicht vorbei. Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert sind weiter mit einem Problem konfrontiert, das rein gar nicht zum Selbstverständnis der Eisernen passt und einen Schatten auf den sportlichen Sensationskurs in der Fußball-Bundesliga wirft.

"Ich möchte das in Ruhe klären und nicht was erzählen, was ich nicht weiß", sagte Fischer. "Solche Dinge haben auf dem Fußballplatz nichts verloren. Von daher gilt es sicherlich, das aufzuarbeiten", betonte der Schweizer nach dem 1:0-Sieg am Freitagabend.


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Für Amiri war die Angelegenheit im Stadion an der Alten Försterei am Samstag erledigt. "Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt", wurde der 24-Jährige am Samstagmorgen von seinem Verein zitiert.

Auslöser war Disput über vermeintliches Foul vor Teuchert-Tor

Das Schuld-Eingeständnis des namentlich weiter nicht genannten Union-Akteurs muss für Amiri überzeugend gewesen sein. Zuvor war er auf dem Rasen sichtlich aufgewühlt und empört ob der verbalen Auseinandersetzung. Nur durch die anschließenden klaren Worte seines Bayer- und DFB-Kollegen Jonathan Tah im DAZN-Interview wurde der Vorfall in seiner Tragweite publik.

"Scheiß Afghane", soll der Union-Profi dem deutschen Nationalspieler Amiri entgegengerufen haben. Auf TV-Bildern ist zu sehen, wie sich der 24-Jährige aufgebracht mit mehreren Kontrahenten unterhält. Gestik und Mimik der Beteiligten verdeutlichen die angespannte Stimmung. Auslöser war offenbar ein Disput über ein vermeintliches Foulspiel kurz vor dem späten Union-Siegtor von Cedric Teuchert (88. Minute). Amiri hatte danach gemeckert und war von Schiedsrichter Florian Badstübner verwarnt worden.

"Ich kann es nicht beweisen, ich werde das ansprechen, wir werden versuchen, das zu klären", versprach Fischer. Der Wirbel um die verbalen Anfeindungen überlagerte das dramatische Ende des Bundesliga-Topspiels. Noch in den Kabinen kam es zu Gesprächen der Beteiligten und wohl auch schon zur Klärung. Nach einer Nacht wurde dann Amiris Statement von Bayer veröffentlicht.

"Wir entschuldigen uns dafür, wenn das so gefallen"

Union Berlin stehe klar für Anti-Rassismus, verdeutlichte Kommunikationschef Christian Arbeit. "Wir entschuldigen uns dafür, wenn das so gefallen ist. Es tut uns leid, das möchten wir gerne auch hier nochmal den Gästen mitgeben", betonte der Pressesprecher. Zur Tagesordnung will man in Berlin-Köpenick nicht übergehen. Diese Reflexion war zuletzt im Profisport beim heiklen Thema Rassismus und von diversen Protagonisten sorglos gewählten Formulierungen unüblich.


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Amiri, dessen Eltern in den 80er Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kamen, soll nach dem Spiel aufgelöst in der Kabine gesessen haben. Amiris Freund und Kollege Kerem Demirbay machte dem Referee den Vorwurf, die Situation nicht im Blick gehabt zu haben. Die Beschreibung des Referees im Spielbericht ist mitentscheidend für eine mögliche Begutachtung des Falls durch den DFB-Kontrollausschuss. Amiris Annahme der Entschuldigung kann sich auf ein mögliches Urteil auswirken, nicht aber Ermittlungen als solche verhindern.

Bayer-Coach Bosz: "Union ist absolut ein Konkurrent"

Die sportlichen Aspekte eines am Ende dramatischen Fußball-Abends gerieten in den Hintergrund. Union Berlin ließ nach dem FC Bayern (1:1) und Borussia Dortmund (2:1) auch den nächsten Topclub verzweifeln und hat sich als vorläufiger Tabellenvierter zwischen den Branchenführern etabliert. "Auf Augenhöhe" mit den Großclubs sieht Fischer seine Eisernen aber noch lange nicht. "Ich glaube, dass wir da noch einiges zu lernen haben."

Bayer-Coach Bosz bewertet die Entwicklung der Berliner auf dem möglichen Weg in den Europacup anders. "Union ist absolut ein Konkurrent. Wann man nach den Punkten guckt, es ist noch ein Punkt, dann sind sie an uns dran". Seinem eigenen Team wollte er trotz des vierten sieglosen Liga-Spiels und dem verpassten Sprung auf Platz zwei nur einen Vorwurf machen: "Wenn man das Spiel nicht gewinnen kann, dann muss man es wenigstens nicht verlieren."

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