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Schweinsteiger weint, der Club feiert

Nach dem 1:1 im Derby lassen wütende Bayern-Spieler Respekt für den 1. FC Nürnberg vermissen - 18.11.2012 10:51 Uhr

Bayern-Star Bastian Schweinsteiger ärgerte sich nach dem Spiel über die harte Gangart der Club-Spieler. © Zink


Dass der FC Bayern in Nürnberg nicht den besten Ruf genießt, ist weithin bekannt. Nach dem 1:1-Unentschieden im 185. Derby dürfte sich daran nichts geändert haben, denn das Starensemble von der Isar fiel nach dem Spiel nicht gerade durch Stilsicherheit und Respekt für den Gegner auf.

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Hinrunde: Der Club stellt den Bayern ein Bein

Ein Punkt gegen die Bayern, für den 1. FC Nürnberg war dies in der Hinrunde ein großer Erfolg. Schließlich hatten die Münchner Mitte November 2012 zuvor fünf Auswärtssiege mit 15:0-Toren gefeiert - der Club war der erste Verein, der den Bayern zuhause ein Bein stellen konnte - in einem Spiel auf Augenhöhe.


Besonders zwei Spieler hatte der FCN mit Leidenschaft und Kampf zur Weißglut getrieben: Bayern-Keeper Manuel Neuer und Mittelfeldstratege Bastian Schweinsteiger. Bei Letzterem klang das dann so: "Sie haben versucht, den Schiri zu beeinflussen, sie haben viel provoziert im Spiel mit Zeitschinden, mit Liegenlassen", lästerte der Bayern-Star. Und er setzte noch einen drauf: "Das war nicht fair heute". Nürnberg könne aber halt "nicht anders als so, besonders in einem Derby".

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Club gegen Bayern: Fans sorgen für hitzige Derbyatmosphäre

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Kollege Manuel Neuer stieß ins gleiche Horn und klagte, das Spiel der Bayern sei "kaputtgefoult" worden. Später nahm Deutschlands Nummer eins auf seiner Suche nach dem Schuldigen noch den Rasen ins Visier, der sei in keinem guten Zustand gewesen. Und überhaupt war es ziemlich kalt an diesem trüben November-Samstag in Nürnberg, so dass einige Bayern offensichtlich die Souveränität verloren.

Müde Münchner

Denn die Statistik liefert keinen Grund für das Jammern des gestrauchelten Tabellenführers. Zwölf Fouls weist sie auf Seiten des 1. FC Nürnberg aus, die Bayern langten mit 24 Mal gleich doppelt so oft hin. Und mehr noch: Gerade Anatoliy Tymoshchuk ging im ersten Durchgang gleich mehrfach regelwidrig zu Werke, doch Schiedsrichter Manuel Gräfe ließ die Verwarnung stecken. Nicht so bei Timo Gebhart, der Scheinsteiger in der 76. Minute per Ellbogencheck niederstreckte und dafür frühzeitig unter die Dusche durfte. Zu Recht, und dennoch blieb ein fader Beigeschmack, eben weil Tymoshchuck und Co. oft ohne Verwarnung davonkamen.

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Das Wehklagen der Bayern verwundert umso mehr, als dass sie sich die gefühlte Niederlage selbst zuzuschreiben haben. Denn nach dem von Javier Pinolas Stellungsfehler begünstigten Blitz-Tor zum 1:0 durch Mario Mandzukic (3.) versäumten sie es, mit dem angeschlagenen Club kurzen Prozess zu machen - die beste Gelegenheit vergab Rafinha frei vor Rückkehrer Schäfer (35.). Und in den Schlussminuten erspielten sich die Bayern, die bisher in dieser Saison auswärts noch ohne Punktverlust geblieben waren, gegen zehn nun mauernde Nürnberger keine einzige zwingende Torchance mehr.

Club wie aufgedreht

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Von 1,5 bis zur glatten 6: Die Noten für den Club

Ein Punkt dank Feulners Hammer: Gegen den FC Bayern München agierte der Club auf Augenhöhe und hatte sich am Ende das 1:1 redlich verdient. Ein Routinier kam bei den Usern allerdings nicht gut weg - und ein "Bad Boy" fiel bei den Journalisten glatt durch.


Was der FCN aber zwischen der 20. und der 76. Minute zeigte, gehörte zum besten, was man in dieser Spielzeit vom Club gesehen hat. Im ersten Durchgang waren es nur Halbchancen (Feulner, Gebhart), doch nach der Pause passte fast alles. Großer Kampfgeist, unbändiger Wille und sogar Spielwitz fanden zusammen in einer Mannschaft, die keinen Ball verloren gab und beflügelt vom Ausgleich durch Feulners Distanzschuss (46.) teilweise für Chaos im Münchner Strafraum sorgte. Doch Gebhart, Polter und Nilsson vergaben binnen weniger Minuten aussichtsreich. Es machte nichts, weil alle mit nach hinten arbeiteten und insbesondere Timm Klose mal wieder einen Sahnetag erwischt hatte.

Entsprechend gelassen reagierte der FCN auf den Unmut der Bayern nach dem Spiel. Vielmehr überwog die Freude über die eigene Leistung - und über die Komplimente vom Gegner. "Wenn sich Schweinsteiger später mit solchen Dingen auseinandersetzen muss, haben wir wohl vieles richtig gemacht. Ich glaube, wir haben uns den Punkt heute verdient", verlautete von Trainer Dieter Hecking. Kapitän Schäfer schob an die Münchner gerichtet hinterher: "Wenn man irgendwann keine Mittel mehr hat, ist es immer einfach, sich hinzustellen und zu sagen: 'Sie provozieren.' Auch gegen solche Mannschaften muss man als Millionentruppe die Mittel finden, das Spiel zu gewinnen, vor allem in Überzahl."

Bleibt festzuhalten: Dem FC Bayern hat der Ausflug nach Nürnberg keinen Spaß gemacht. Der FCN und seine Fans hingegen feierten den unerwarteten Punktgewinn wie einen Sieg. Es dürfte nicht der letzte gewesen sein, wenn die Mannschaft in jedem Spiel so auftritt wie am Samstag gegen München.

 

 

GARY CUNNINGHAM

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