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Seele des Vereins: Der Volleyball-Visionär des TC Höchstadt

Silvio Holzapfel hat den TCH-Nachwuchs zu einem Vorzeige-Projekt umgekrempelt. - 20.11.2020 06:02 Uhr

Fördern und fordern: Silvio Holzapfel (re.) beim Training mit dem TCH-Nachwuchs.

18.11.2020 © Foto: Thomas Welker


Vier Dingen hat Silvio Holzapfel (59) sein Leben gewidmet: "Ein Viertel am Tag muss ich schlafen. Ein Viertel geht für die Arbeit drauf, ein weiteres Viertel für Volleyball – und dann muss ich schauen, dass meine Frau und die Familie ein Viertel abkriegen."

Holzapfel ist Jugendwart beim TCH. Seit er vor zehn Jahren als noch aktiver Volleyballer an die Aisch gekommen ist, hat sich viel getan. "Er kam als super engagierter Vater und hat seitdem sein ganzes Herzblut und seine Zeit reingehängt", sagt Abteilungsleiterin Susanne Eckert. Die 49-Jährige kennt Holzapfel als jemanden, der "immer sehr viele Ideen hat und die auch durchzieht". Ursprünglich kommt Holzapfel aus Berlin-Reinickendorf.

Arbeit mit Kindern hält fit - und jung

Bei den dortigen Füchsen hat er mit 16 mit Volleyball angefangen. "Mein Sportlehrer hat gesagt, das würde zu mir passen", erzählt er. Später war er auch Jugend- und Auswahltrainer in Berlin oder half bei "Jugend trainiert für Olympia", einem bundesweiten Wettbewerb für Schulmannschaften verschiedener Sportarten.

"Ich hatte schon immer einen Bezug zur Jugend", so Holzapfel. Die Arbeit mit Kindern und jungen Erwachsenen halte fit. "Ich greife die Ideen der Jugendlichen auf und bleibe so selbst jung." Nach Erlangen pendelte der Projektmanager erst zehn Jahre lang für die Firma AEG. Seit 2002 lebt Holzapfel fest in Höchstadt, arbeitet heute für Siemens. Seine beiden Töchter brachten ihn dazu, als Volleyball-Trainer aktiv zu sein.

"Ich will etwas hinterlassen"

Seine Motivation, ehrenamtlich tätig zu sein, war in Holzapfels Augen aber eine andere, als sie "normalerweise" bei Müttern oder Vätern der Fall sei. "Meistens hören Eltern wieder auf, wenn die Kinder raus sind. Ich muss da sicher vom Alter her auch irgendwann mal dran denken, aber ich will etwas hinterlassen und, dass das Niveau, das ich vorgegeben habe, weiter bestehen bleibt."

An seinem Vermächtnis arbeitet Holzapfel mit voller Leidenschaft. Seit er gesehen hat, wie viel Potenzial sich in Höchstadt versteckt. "Ich bin Qualitätstraining gewohnt, das wollte ich auch hier umsetzen." Umgesetzt hat Holzapfel bisher ein Trainingslager für den gesamten Nachwuchs, das nun schon achtmal stattgefunden hat. Er hat eine Jugendsprecherin eingestellt und dafür gesorgt, dass die Betreuer der Teams Trainer-Lizenzen machen. Er kümmert sich darum, besonders talentierte Jugendliche in die Auswahlmannschaften zu schicken, hat eine Ballmaschine angeschafft. Gleichzeitig trainiert er das zweite Damenteam sowie die achtjährigen Nachwuchs-Volleyballer und organisiert Turniere oder Freundschaftsspiele.

Höchstadt soll Stützpunkt werden

"Er fordert und fördert, lässt sich von anderen Trainern erzählen, wer Talent hat. Er weiß über alles im Verein Bescheid", sagt Abteilungsleiterin Eckert. Visionen für die Zukunft gebe es viele, sagt Holzapfel. Zum Beispiel möchte er zwei neue Beachvolleyball-Felder anlegen und eine Kooperation mit dem Gymnasium Höchstadt, um Talente anzulocken. Außerdem soll Höchstadt Stützpunkt des Bayerischen Volleyball-Verbandes werden. Dadurch bekäme der Verein mehr finanzielle Unterstützung.

Holzapfel will den TC so "auf stabile Füße stellen". Prinzipiell sollten Vereine mehr wie Unternehmen handeln, sagt er: "Das Problem von den meisten Vereinen ist, dass sie nicht wie eine eigene Firma vorangetrieben werden. Das geschäftliche Denken fehlt oft. Ich habe mittlerweile etwa 20 Sponsoren gefunden, die unsere Kosten decken."

Die Arbeit, die Holzapfel in sein Hobby steckt, trägt Früchte – nicht nur für den Verein. So ist der Jugendwart für den deutschen Engagementpreis 2020 nominiert, vergangenes Jahr hat er bereits den Sportpreis Mittelfranken gewonnen.

Kein weißer Fleck mehr

An die persönliche Auszeichnung denkt er weniger. "Das kann ich gut für meine Arbeit nutzen", sagt Holzapfel. "Durch sowas kommen die Gelder von den Sponsoren leichter und die Zeitung berichtet über das, was hier geleistet wird. Der weiße Fleck auf der Volleyball-Landkarte ist mittlerweile verschwunden."

Und auch beim TC sind sie glücklich: "Er ist für unseren Verein sehr wichtig. Manchmal ist er etwas zu überengagiert, ich traue mich dann aber nicht ihn zu bremsen. Der wird natürlich mit Handkuss bei jedem anderen Verein genommen. Deswegen halten wir schön an ihm fest und unterstützen ihn bei allen seinen Projekten", sagt Eckert. Nur Holzapfels Frau klage hin und wieder, dass sie fast gar nichts mehr von ihrem Mann hätte, so Eckert.

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