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Seit über 14 Jahren ein Herzens-Nürnberger

Andreas Wolf würde gerne beim Club bleiben, „aber irgendwie muss man eben auf einen Nenner kommen“ - 11.05.2011 06:54 Uhr

Andreas Wolf wird den 1. FCN voraussichtlich verlassen.

10.05.2011 © Wolfgang Zink


Seit dem 4. Mai ist der 1. FC Nürnberg 111 Jahre alt. Zum Geburtstag hat der Verein vier Kurzfilmchen drehen lassen, in denen kleine und große Fans, Fußballer und andere Prominente eine Liebeserklärung an ihren Club formulieren dürfen. Andreas Köpke kommt zu Wort („Der Club ist für mich der Grund, warum ich in Nürnberg meine zweite Heimat gefunden habe“), ebenso Hans Meyer, auch Javier Pinola („Der Club ist für mich der Verein mit den besten Fans der Welt“), natürlich Marek Mintal, sogar Marvin Plattenhardt. Andreas Wolf nicht.

Dabei ist niemand länger im Verein als er. Seit Januar 1997 kämpft Wolf für seinen Club. B-Jugend, A-Jugend, Profis. Wolf hat einiges erlebt in Nürnberg. Aufstiege, Abstiege, schwere Verletzungen, Uefa-Cup, den DFB-Pokalsieg; damals in Berlin hat er wohl das Spiel seines Lebens gemacht. 175 Bundesliga-Einsätze, auch für die Zweite Liga war er sich nicht zu schade. Wolf ist der Club.

Publikumsliebling Pinola geht demächst in sein siebtes Jahr, Mintal war acht Jahre hier, Wolf über 14. Es könnte sein, dass er am Samstagnachmittag in Hannover zum letzten Mal für den 1. FC Nürnberg aufläuft. Zwar wird man sich in den nächsten Tagen ein weiteres Mal zusammensetzen, um über einen neuen Vertrag zu sprechen. Dass sich der Club und sein langjähriger Kapitän tatsächlich einig werden, ist aber eher unwahrscheinlich.

Zur Kenntnis genommen

Wie man nicht nur aus der Mannschaft hört, beschäftigt sich Wolf durchaus ernsthaft mit seinem Abschied. Das Angebot des bisherigen Arbeitgebers hat er zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Stark ergebnisorientiert soll es sein. Viele Punkte, viel Geld. Wenig Punkte, weniger Geld. „Andreas ist mit seinen konstanten Auftritten einer unserer Leistungsträger“, hat Sportdirektor Martin Bader gesagt – damals, im Februar 2007, nachdem sich Wolf vorzeitig bis 2011 an den 1. FCN gebunden hatte.

Ähnliche Hymnen auf den kantigen Innenverteidiger hört man derzeit eher selten, obwohl Wolf eine äußerst respektable Saison spielt. Laut kicker ist er unter den zentralen Abwehrkräften, die 2010/2011 auf mehr als 30 Einsätze kamen, nach Noten Viertbester der Liga. Hinter Mats Hummels, Neven Subotic (beide Dortmund) und Nikolce Noveski (Mainz). Auch sein Trainer Dieter Hecking ist zufrieden mit ihm, wie er hin und wieder betont.

Gerne würde man Wolf auch behalten im Club, aber eben nicht um jeden Preis. Wolf müsste, um bleiben zu dürfen, ein niedrigeres Grundgehalt akzeptieren, was ihm offensichtlich schwer fällt. Schon seit längerem schauen sich beide Seiten nach möglichen Alternativen um.

Wie eine Boulevardzeitung meldet, soll der 1. FC Köln interessiert sein, auch Gerüchte über einen bevorstehenden Wechsel ins Ausland halten sich hartnäckig. Wolf wäre ablösefrei zu haben und somit fast ein Schnäppchen, wenn man seinen Karriereverlauf betrachtet.

Trotzdem hält man ihn in Nürnberg wohl für entbehrlich. Philipp Wollscheid hat sich prächtig entwickelt und ist gesetzt, Per Nilsson wurde gewiss nicht für die Ersatzbank geholt, auch Dominic Maroh könnte geräuschlos aufrücken. Und als Nummer vier ein Talent mit Perspektive hinzunehmen, warum nicht.

„Natürlich sind Gefühle dabei“

Vielleicht nur noch ein Spiel. „Natürlich sind Gefühle dabei, es ist nicht einfach“, versichert Wolf nach dem gestrigen Training. „Nach 14 Jahren sagt man nicht einfach: Ich gehe.“ Es scheint ihn zu belasten, zumindest ein bisschen. Wolf hat vielleicht nicht die Ausstrahlung eines Pinola und nicht so viele Tore geschossen wie Mintal. Kann sich vielleicht nicht so raffiniert ausdrücken wie Schäfer. Auf dem Platz war auf ihn aber trotzdem stets Verlass.

Wolf wird bald 29 und hat sich nie geschont, wenn es um seinen Club ging. Deshalb will er eigentlich auch gar nicht weg. „Jeder weiß, dass mein Herz am Verein hängt“, sagt er noch, „aber irgendwie muss man eben auf einen Nenner kommen.“ Einen Verhandlungstermin gibt es noch, mindestens. „14 Jahre sind 14 Jahre, die schmeißt man nicht so einfach weg.“

Man würde ihn bestimmt vermissen. Den Kapitän.

VON WOLFGANG LAASS

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