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Selbstversuch: Mit dem Bogen bei Fürths Schützen

Mehr als nur Randsportart? FN-Autor auf den Spuren von Jennifer Lawrence - 03.05.2019 16:13 Uhr

Das Ziel im Blick: Nicht nur der Körper, auch der Geist muss voll fokussiert sein. Bogenschießen ist ein „mentaler Sport“, meint Christine Cainelli.


Als mir Christine Cainelli Pfeil und Bogen in die Hand drückt und erste Anleitungen gibt, erinnere ich mich an den Science-Fiction-Film "Die Tribute von Panem". Schauspielerin Jennifer Lawrence kämpft als Katniss Everdeen mit Pfeil und Bogen gegen das Böse. Extra für die Dreharbeiten hatte sie sich die Grundlagen dieser Sportart angeeignet. Vermutlich mit genauso wenig Vorerfahrung wie ich.

Cainelli, die Vorsitzende der Bogenschützen Fürth, befestigt einen Schutz an meiner linken Hand. Bei Anfängern sei das so üblich, erklärt sie, es schützt die Armsehnen. Mein Stand soll aufrecht und quer zur Zielscheibe sein. Dann legt sie mir den ersten Pfeil auf und ich spanne mit der rechten Hand die Sehne. "Den rechten Arm möglichst hoch und die Hand bis zum Kinn ziehen", rät sie mir, ehe der erste Pfeil davonfliegt.

Zu meiner eigenen Überraschung treffe ich gleich den schwarzen Ring der Zielscheibe. Doch das ist reines Anfängerglück. Denn die folgenden Pfeile landen allesamt in der Wiese. Während ich meine Fehlversuche noch mit einer Windböe zu rechtfertigen versuche, betritt Ralph Bruch die Wiese und sammelt die verstreuten Geschosse ein.

Bruch ist seit zwölf Jahren eines von 170 Mitgliedern der Bogenschützen und singt ein Loblied auf den Verein und seinen Sport: "Bogenschießen ist für mich Entspannung an der frischen Luft. Die Konzentration gilt immer nur dem nächsten Pfeil. Das alles ist wie Urlaub für mich." Christine Cainelli zeigt mir Vereinsfotos aus den vergangenen 20 Jahren, so lange gibt es die Bogenschützen schon. Dieser Sport scheint keine Altersgrenzen zu kennen.

"Unser ältestes Mitglied ist derzeit 85 Jahre und schießt immer noch aktiv", berichtet sie stolz. Aber auch Kinder können schon mit Pfeil und Bogen umgehen. Acht Jahre sei das ideale Einstiegsalter.

Etwa ein Drittel der Schützen übt Bogenschießen als Leistungssport aus, beweist sich regelmäßig in Turnieren. Einige Fürther Athleten haben sich mit Titeln in der Szene schon einen Namen gemacht, auch im Behindertensport. Regelmäßig finden Wettkämpfe für körperlich eingeschränkte Sportler statt.

Gut für den Rücken

"Egal ob Rollstuhlfahrer, Blinde oder an Multipler Sklerose erkrankte Personen, der Bogensport ist für jeden da", sagt Cainelli. Dann zeigt sie mir ein weiteres Foto. Darauf ist Gründer Alfred Jöckel zu sehen, auch Jahre nach seinem Tod noch immer eine Vereinsikone. Ihm lag die Arbeit mit Behinderten sehr am Herzen. 2009 starb Jöckel nach kurzer schwerer Erkrankung. Seither leitet Cainelli die Bogenschützen, sie möchte die Spezialisierung auf Behinderte unbedingt fortführen.

Ihnen sei der Sport oft eine große Hilfe, erklärt sie voller Begeisterung. Vor allem Menschen mit Rückenerkrankungen wie Skoliose oder Morbus Bechterew – darunter litt auch Jöckel – kommt das Bogenschießen entgegen. Denn: Guter Stand und Körperspannung seien das A und O. "Und man muss innehalten können, denn Bogensport ist ähnlich wie Darts ein mentaler Sport", fügt sie hinzu.

Freilich sei auch Trainingsfleiß nötig. In der Wintersaison müssen die Schützen dafür in die Turnhalle ausweichen. Cainelli macht keinen Hehl daraus, dass das bei weitem nicht so berauschend sei wie die Sommersaison an der frischen Luft.

Bogenschützen aber seien "hart im Nehmen". Das bekomme ich deutlich zu spüren, als ich in die Runde frage, ob denn auch bei Regen geschossen würde. "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung", ruft mir der Vizevorsitzende Walter Geyer zu. Die anderen bestätigen das: "Den Hartgesottenen machen Schlechtwetterphasen nichts aus." Auch bei Turnieren frage keiner nach dem Wetter. "Lediglich bei Gewitter darf nicht geschossen werden", fügt Cainelli hinzu.

Nach meinem Selbstversuch bin ich der Meinung, dass Bogenschießen eigentlich weit mehr sein müsste als ein Randsport. Denn welche andere Sportart kann Spaß, Gemeinschaft, gesundheitlichen Mehrwert und Inklusion so gelungen in sich vereinen? Die Fürther Bogenschützen in Oberfürberg machen es seit 20 Jahren vor.

Samstag, 4. Mai, 10 bis 16 Uhr: Gaumeisterschaft, Sonntag, 5. Mai, 11 bis 15 Uhr: Frühschoppen mit Schnupperschießen, Am Europakanal 75, Fürth-Oberfürberg.

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