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SG Fürth rechnet mit einem Ansturm auf die Schwimmkurse

Trainerin Vera Kenner hat in 20 Jahren 800 Kindern das Schwimmen beigebracht - 27.02.2021 17:00 Uhr

Das Lachen ist Vera Kenner trotz des Schwimmverbots nicht vergangen. Die 41-Jährige hat Generationen von Kindern das Schwimmen beigebracht und sobald es wieder erlaubt ist, möchte sie es weiteren Anfängern zeigen.

22.02.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Als Vera Kenner ausrechnen soll, wie vielen Kindern sie in ihrem Leben das Schwimmen beigebracht hat, kann sie es selbst nicht so recht glauben. Die Formel lautet: Vier Kurse pro Jahr mal 20 Jahre mal zehn Kinder im Schnitt ergibt: 800.


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Vera Kenner ist eine von 20 Übungsleitern der Schwimmgemeinschaft (SG) Fürth. Die Kursteilnehmer sind zwischen fünf und 60 Jahre alt. Sie selbst war sechs, als ihre Eltern sie in einem Kurs anmeldeten. Auf die Frage, ob sie wohl so talentiert war, antwortet die heute 41-Jährige lachend: "Ich habe das Seepferdchen erst im zweiten Kurs bestanden. Damals war ich kein wirkliches Talent. Aber ich bin irgendwie dabeigeblieben, später auch wegen der Kinder." Denn Vanessa (elf) und Lukas (13) sind Wettkampfschwimmer bei der SG, weswegen die Mama sich doppelt gern in den Verein einbringt.

Und damit ist schon viel erzählt über diese Powerfrau, bei deren kräftiger Stimme am Telefon man sich vorstellen kann, dass sie mühelos gegen die Geräuschkulisse im Hallenbad von Stadeln und am Scherbsgraben ankommt. Denn deren Becken darf die SG als gemeinsame Schwimmabteilung von TV Fürth 1860 und SpVgg Greuther Fürth nutzen. 350 bis 400 Mitglieder sind es zusammen, dazu kommen die vielen Kursteilnehmer von Anfängerkurs bis Aqua Aerobic.


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Mit 16 Jahren fragte man sie zunächst, ob sie nicht Schwimmtraining geben wolle, mit 20 machte sie die Übungsleiterscheine. Seit 2004 bildet sie als Stellvertreterin mit Christian Sandig das Abteilungsleiter-Duo, weswegen sie auch Mitglied in beiden Vereinen ist. "Ich war auch später kein Spitzenschwimmer, stilistisch kann ich alles, aber die Schnelligkeit ist was anderes", erzählt sie bescheiden, "das Organisieren ist eher meine Stärke." Als Funktionärin ist sie verantwortlich für die Ausbildung der Übungsleiter und zieht die Strippen bei Wettkämpfen, Lehrgängen und Festen.

Mit Geduld und Gummibärchen

Doch ihr Steckenpferd sind seit einigen Jahren die Anfängerkurse. Ob untalentiert oder Überflieger zählt bei ihr nicht. "Schwimmen lernen kann jedes Kind", sagt sie, "auch wenn es dafür zwei, drei Kurse braucht." Für das erste Abzeichen, das Seepferdchen, müssen die Kinder 25 Meter im Becken schaffen.

In Kenners Vierteljahrhundert habe es nur sehr wenige gegeben, die es nicht schafften, "weil sie keine Lust mehr hatten oder zu jung waren". Bei der SG achte man aber auch darauf, "wie das stilistisch ausschaut". Manchen Eltern, die ihr Kind danach im Verein zum Wettkampftraining anmelden wollten, musste sie tatsächlich absagen.

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Der Trainerin selbst werde auch nicht wenig abverlangt. "Man muss geduldig sein", erzählt sie und schildert die Charaktere der Kinder: "Bei dem einen geht es schnell, der andere schaut in die Luft. Der eine springt ohne Angst ins Wasser, der andere fürchtet sich vorm Tauchen."

Neben den erwähnten guten Stimmbändern müsse sie dabei auch einfallsreich sein. "Wenn einer nicht versteht, wie man die Beine hält, muss man es umschreiben." Und manchmal ist bei den Kindern einfach die Luft raus oder sie müssen alle zehn Minuten zum Pinkeln. "Da helfen dann nur Gummibärchen und Überzeugungskraft."

Die DLRG schlägt jedes Jahr Alarm

All diese Schilderungen aber sind Luxusprobleme gegenüber dem, was uns nach dem Lockdown erwartet. Denn wenn schon in normalen Zeiten die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) regelmäßig Alarm schlägt, dass zu wenige Kinder schwimmen können – was soll dann erst in diesem Jahr für ein Aufschrei durchs Land gehen? Kenner stellt sich auf viel Arbeit ein.


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Denn die Kinder, die im März vergangenen Jahres den Anfängerkurs besuchten, mussten nach vier Stunden abbrechen. Sie begannen im Herbst erneut und wieder kam nach vier Stunden die Schließung. "Diese Kinder haben immer noch nicht Schwimmen gelernt." Kenner hofft, dass sie es nach diesem Lockdown noch einmal probieren – und muss dann zusätzlich diejenigen unterrichten, die regulär anfangen wollen.

Ohne zusätzliche Kurse wird das nicht möglich sein, ansonsten geht ein kompletter Jahrgang verloren. "Wir hinken mit allem eineinhalb Jahre hinterher. Wir müssen 80 bis 100 Kinder aufarbeiten, die in dieser Zeit nicht schwimmen lernen durften. Die Schulen hatten ja auch keinen Schwimmsport", rechnet sie vor.

Aqua Aerobic für Senioren

Doch auch um die Wettkampfschwimmer macht sie sich Sorgen – und um die Senioren. "Es gibt auch ältere Leute, die das Schwimmen brauchen. Aqua Aerobic ist schonender für die Gelenke, als wenn ich ins Fitnessstudio gehe."

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Obwohl sie Frust schieben könnte wegen des Lockdowns, zeigt sie sich einsichtig: "Ich konnte die Maßnahmen der Regierung schon nachvollziehen. Es gab ja auch Studien zu Schwimmbädern." Das Becken selbst sei nicht das große Problem, sondern die Abstände am Eingang und in der Dusche.

Für den Wiederbeginn macht sie sich gar keine Illusionen: "Vor Juni oder Juli sehe ich die Schwimmer noch nicht im Wasser." Es dauert also noch ohne Weile, bis Vera Kenner die stolze Zahl von 800 schwimmtüchtigen Kindern ausbauen kann.

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