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Montag, 26.08.2019

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"Signifikanter Gewinn": Der Club ist wirtschaftlich gesund

Finanzchef Rossow wird auf der Bilanz-Pressekonferenz schwarze Zahlen vorlegen - 08.08.2019 06:00 Uhr

Das Club-Haus steht wieder auf einem stabilem Fundament: Auch Niels Rossow, der Kaufmännische Vorstand, freut sich über einen signifikanten Gewinn. © Sportfoto Zink/DaMa


So ein Nullvier im ersten Heimspiel schüttelt einen Fußballverein gleich mal kräftig durch, erst recht einen ambitionierten wie den 1. FC Nürnberg. Dass nicht viel Zeit bleibt, um noch länger über den Auftritt vom Montagabend nachzudenken, kommt den Verantwortlichen diesmal sehr gelegen.

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Die Aufgabe am Freitagabend ist allerdings nicht minder heikel und vor allem nicht minder wichtig. Wie üblich gibt es im DFB-Pokal auch diesmal richtig viel Geld zu verdienen, von dem sie angesichts leerer Konten und Kassen ja eigentlich nie genug haben können. Mit einem Sieg im Erstrundenspiel am Freitagabend beim Drittliga-Tabellenführer FC Ingolstadt (Anstoß 20.45 Uhr) hätte der Bundesliga-Absteiger nur über die ausgelobte Verbandsprämie bereits etwa eine halbe Million mehr.

Grethlein atmet tief durch

Wie eigentlich immer seit der Vereinsgründung vor über 119 Jahren ist der Club auf zusätzliche Einnahmen dringend angewiesen, zumal traditionell nur mit einer Pokal-Partie kalkuliert wird. Das gebietet die wirtschaftliche Vernunft, ist aber möglicherweise auch den drei Auftakt-Pleiten seit 2012 geschuldet.

Trotzdem ist im August 2019 einiges anders als vor ungefähr zwei Jahren, als der Verein mit fast 21 Millionen Euro Verbindlichkeiten noch als Sanierungsfall galt. Seitdem ist einiges passiert, was den Aufsichtsratsvorsitzenden tief durchatmen lässt: "Wirtschaftlich", sagt Thomas Grethlein, "sind wir jetzt gesund."

Mit Eigenkapital und Gewinn

Bereits nach der Aufstiegssaison 2017/18 hatte sein Club einen Jahresüberschuss in Höhe von 2,7 Millionen Euro nach Steuern ausgewiesen und zum 31. Dezember sogar zum ersten Mal seit Urzeiten ein "signifikant positives Eigenkapital", wie Finanzchef Niels Rossow Ende April nach der zum ersten Mal seit Urzeiten reibungslosen Lizenzerteilung ohne jegliche Auflagen oder Bedingungen frohlockte. Damit aber nicht genug: Auf der Bilanz-Pressekonferenz im Oktober "werden wir einen signifikanten Gewinn präsentieren", kündigt Rossow an.

 

 

 

Bereits beim Neujahrsempfang hatte der Herr der Zahlen mehr als angedeutet, dass sein 1. FC Nürnberg "überm Berg" sei und vieler Sorgen ledig, sich 2018 finanziell "nahezu vollständig konsolidiert" habe. Nach Informationen dieser Zeitung konnten die Schulden zum Stichtag 30. Juni unter die Zehn-Millionen-Marke gedrückt werden. "Die Verbindlichkeiten", bestätigt Rossow indirekt, "wurden signifikant abgebaut und in ein solides Maß gebracht."

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Der dickste Brocken entfällt nach wie vor auf die Finanzierung des Funktionsgebäudes im eigenen Sportpark; über eine Fan-Anleihe hatte sich der Club im Frühjahr 2010 rund sechs Millionen Euro vorstrecken lassen, bis zum Fälligkeitstermin sechs Jahre später aber keinerlei Rücklagen gebildet. Die seinerzeit notwendig gewordenen Kredite zu offenbar horrenden Zinssätzen ließen sich langfristig umstrukturieren, zudem fließt das Vereinszentrum als Anlagevermögen auch positiv in den Rechnungsabschluss ein.

Stille Reserven gehoben

Demnach wäre der Traditionsverein praktisch schuldenfrei, auch dank stiller Reserven, die keine mehr sind. Profitiert hat der Club zudem vom Verkauf des Hilton-Hotels auf dem Vereinsgelände durch die Park Hotels & Resorts Inc. zum 1. Juli; der Eigentümer der Seminaris Hotel- und Kongressstätten Betriebsgesellschaft mbH zahlt nach zähen Verhandlungen eine höhere Pacht und verlängerte den Pachtvertrag um 20 Jahre – obwohl der bisherige noch etwa 30 Jahre gültig gewesen wäre.


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Der Deal mit all seinen Nebengeräuschen scheint sehr hilfreich gewesen zu sein auf dem Weg der Konsolidierung, hilfreich werden soll zudem die Auslagerung von Vereinsimmobilien in eine neue Gesellschaft.

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In den zuständigen Gremien sind sie durchaus stolz auf ihre Leistung und können es auch sein. "Wir haben uns in den letzten drei Jahren aus eigener Kraft durch Kosteneinsparungen, insbesondere im Spieleretat, bei gleichzeitig hohen Transfererlösen aus der finanziellen Misere nach dem Abstieg 2014 befreit", sagte etwa Aufsichtsrat Norbert Gunkler kürzlich bei einer Veranstaltung im Max-Morlock-Stadion.

Thema des Abends: "Der 1. FC Nürnberg auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft". Frisches Geld aus dem DFB-Pokal würden sie aber vermutlich trotzdem gerne mitnehmen. 

Wolfgang Laaß

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