Johann Pröpster

So tickt der Fußball-Mäzen des ASV Neumarkt

19.7.2021, 06:56 Uhr
Die Fußballer des ASV Neumarkt um den Vorsitzenden Rüdiger Cedl (re.) gratulierten ihrem Sponsor Johann Pröpster zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2013.

Die Fußballer des ASV Neumarkt um den Vorsitzenden Rüdiger Cedl (re.) gratulierten ihrem Sponsor Johann Pröpster zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2013. © Fritz-Wolfgang Etzold

Vom Machtzentrum seines Unternehmens ist es nur ein kurzer Fußweg zum Sportgelände des ASV am Deininger Weg. Fast wöchentlich finden im Büro des bekannten Blitzschutz-Pioniers, das mit dunklen Ledersofas und hölzernen Schrankwänden wie ein altmodisches Wohnzimmer eingerichtet ist, auch Besprechungen mit der Fußball-Abteilungsleitung statt. Über dem stets eingeschalteten Fernseher, auf dem Johann Pröpster die Börsenkurse im Blick behält, hängt ein Mannschaftsfoto aus dem Sommer 2019. Einige frühere Andenken, heißt es gerüchteweise, hat der 83-Jährige im Zorn vor einigen Jahren entsorgt.


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Schon von Anfang an spielten die Emotionen eine Rolle in der besonderen Beziehung zwischen Geschäftsmann und Sportverein. Schließlich geht seine in den 70er Jahren als Zuschauer am legendären Fohlenhof entsprungene Begeisterung für den ASV auf das Anliegen zurück, "meiner aus München stammenden Frau die Gegend zu zeigen". Nachdem sich der gebürtige Neumarkter mit seiner Firma selbstständig und einen Namen gemacht hatte, standen Ende der 90er Jahre plötzlich der bisherige ASV-Sponsor und der Abteilungsleiter auf der Matte. "Sie baten mich um Unterstützung mit einer fünfstelligen Summe. Wirtschaftlich war das Polster durch die vielen Patente schon da, aber überzeugt hat mich letztlich meine Frau. Sie meinte der Fußball täte mir als Hobby gut."

Wiewohl sich der Autoliebhaber, dessen röhrender Mercedes-Cabrio bei seiner Ankunft auf dem Sportplatz immer die Blicke auf sich zieht, laut eigener Aussage im Hintergrund halten wollte, "bin ich durch persönliche Beziehungen näher herangerückt" an die sportliche Leitung. Sich selbst ein gutes Verhandlungsgeschick attestierend, spricht Pröpster bei Transfers bis heute gerne mit und übernahm sogar für eine Amtszeit die Abteilungsleitung. Der frühere Nürnberger Club-Präsident Michael A. Roth sei nicht nur aus kaufmännischer Sicht ein gewisses Vorbild gewesen.

Legende von der Wutrede in der Kabine

Auf der Tribüne aber, findet Pröpster, könne er sich - auch wenn das nicht jeder Schiedsrichter bestätigen dürfte - meistens beherrschen. "In die Taktik mische ich mich nicht ein. Nur einmal haben mich die Zuschauer aufgefordert, mal runter zur Trainerbank zu gehen und zu fragen, ob man von unten nicht sieht, wie weit unsere Jungs vom Gegner wegstanden." Zu Zeiten von Trainer Erich Hock entspann sich in Neumarkt außerdem die Legende, der Gönner sei in einer Halbzeitpause mit einer krachenden Wutrede vor die Mannschaft getreten. "Dabei war ich auf Wunsch von Hock in der Kabine, um ein paar motivierende Worte zu sagen."

Im Firmen-Büro von Johann Pröpster finden regelmäßige Besprechungen mit der Fußball-Abteilungsleitung des ASV statt. Der Mäzen schaltet sich mitunter bei Gehaltsverhandlungen mit Spielern direkt mit ein.

Im Firmen-Büro von Johann Pröpster finden regelmäßige Besprechungen mit der Fußball-Abteilungsleitung des ASV statt. Der Mäzen schaltet sich mitunter bei Gehaltsverhandlungen mit Spielern direkt mit ein. © Kevin Gudd

Ernsthafte Spannungen blieben in der über 20-jährigen Partnerschaft freilich nicht aus. Zweimal, verrät Pröpster, habe er alles hinschmeißen wollen. Gerade einmal zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Fußball-Abteilung des finanziell klammen ASV Neumarkt im Streit um die Praktiken seines damaligen Geschäftsführers vor einer Zerreißprobe stand und dann dem Druck des Geldgebers nachgab. "Ich bin nicht stolz auf dieses Kapitel", doch widersprachen zu viele Entscheidungen seinen Vorstellungen einer kompetenten Führung. Mit einer ihm vielfach angelasteten Eitelkeit - "ich bin großzügig, aber nicht gutmütig" - habe das nichts zu tun gehabt.

Saison-Budget im fünfstelligen Bereich

Konkret ging es etwa auch um die immer wieder aus dem Hauptverein geforderte Reduzierung von Spieler- und Trainergehältern. Hier pocht Pröpster, der dem ASV ein Saison-Budget im mittleren fünfstelligen Bereich zur Verfügung stellt und damit den Spielbetrieb auf höherklassiger Verbandsebene praktisch im Alleingang finanziert, auf individuelle Lösungen. "Ich halte eine Staffelung für sinnvoll. Bei jungen Talenten sollte klar die Schul- und Berufsausbildung im Vordergrund stehen." Von routinierteren Kickern erwarte er allerdings ebenso, "dass sie einer Arbeit nachgehen und etwas für die Gesellschaft leisten". So verschaffte der für sein soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Familienpatriarch manchem Akteur einen Job im Blitzschutz-Unternehmen. Während die sportliche Konkurrenz mitunter über unlautere Abwerbung schimpft, gibt sich Johann Pröpster unbeirrt. "Ich habe ausschließlich gute Erfahrungen gemacht mit Fußballern, die oft in Leitungspositionen aufgestiegen sind."

Aktuell sieht Pröpster das Verhältnis zum ASV "sauber geregelt wie nie" und fühlt sich als tragenden Sponsor komplett wertgeschätzt. In der neuen Bayernliga-Runde hofft er auf eine sorgenfreie Saison oberhalb der Abstiegsplätze. "Wir haben unsere eingespielte Mannschaft punktuell verstärkt, der Kern besteht aus Eigengewächsen. Darauf bin ich stolz." Durchaus traue er den Schützlingen des geschätzten Neu-Trainers Jürgen Schmid zu, sich sportlich noch weiter zu entwickeln. Der Sprung in die Regionalliga sei allerdings kein Ziel, dass er sich insgeheim gesteckt hätte. "Der ASV hat eine Tradition in der Bayernliga und ist dort gut aufgehoben." Für die mittelfristige Zukunft möchte Pröpster ohnehin keine Prognose abgeben. Mit 85 Jahren plant das Ehrenmitglied sein endgültiges Ausscheiden aus der Firma und "überlasse das meinem Sohn", über das Ausmaß der Investitionen in den Neumarkter Fußball zu befinden. Als Fan werde er weiterhin an den Deininger Weg kommen.

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