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Solide FCN-Finanzen: Rossow freut sich und mahnt

Der Club kam gut durch die erste Corona-Welle - 20.10.2020 20:07 Uhr

Abheben ist beim Club nicht angesagt: Trotzdem dürfen die just verkündeten Zahlen Niels Rossow und dem FCN Mut machen.

20.10.2020 © Sportfoto Zink / Daniel Marr


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Stolz ist ein Wort, das Niels Rossow an diesem Abend auffällig oft verwendet. Stolz sind sie beim 1. FC Nürnberg etwa auf ihr gesellschaftliches Engagement, die vielfältigen Aktivitäten und Aktionen des Vereins werden nun sogar in einer 90-seitigen Broschüre präsentiert. Stolz sind sie auch auf ihre Fans, Mitarbeiter und Sponsoren, die Solidarität demonstrierten und tatkräftig mithalfen, den Club halbwegs unbeschadet durch die erste Corona-Welle zu bringen: Wie Rossow betonte, zählte der Zweitligist nicht zu jenen 13 Profivereinen, deren Existenzen bedroht waren, "weil wir über die Jahre eine gewisse finanzielle Liquidität anhäufen konnten". Und stolz ist Rossow auch auf die Zahlen, die er verkünden durfte.

1,8 Millionen Euro nach Steuern hat der 1. FCN in der Saison 2019/20 zum Bilanzstichtag 30. Juni bei einem Gesamtumsatz von 55,2 Millionen (Vorjahr: 72,9, Zweitliga-Saison 2017/18: 44,4) erwirtschaftet. Das ist zwar deutlich weniger als im Vorjahr (8,1 Millionen), aber im Schatten einer globalen Pandemie und eines sportlichen Horrorjahres eben doch noch eine respektable Zahl. Auch die damit verbundene Erhöhung des Eigenkapitals von 8,6 auf 10,4 Millionen Euro klingt zunächst einmal gut. "Wir sind finanziell tatsächlich sehr solide aufgestellt", sagt Rossow.

Zu verdanken hat der Club diesen Status quo vor allem Transfereinnahmen nach dem Bundesliga-Abstieg. Die Verkäufe von Tim Leibold und Ewerton (beide Hamburger SV) sowie Eduard Löwen (Hertha BSC) spülten rund 11,8 Millionen in die Kassen, für Club-Verhältnisse ein neuer Rekordwert.

Doch der Abstieg kam den Verein auch teuer zu stehen. Weil in der 2. Liga weniger TV-Gelder flossen (20,4/Vorjahr 34,7), die Werbeeinnahmen zurückgingen (6,7/9,7) und dann auch noch Corona potenziell ausverkaufte Partien wie gegen Fürth, Stuttgart und Ingolstadt (Relegation) zu Geisterspielen machte und so laut Rossow "signifikante Verluste" bescherte (8,8/17,3), sanken die Erträge von 72,9 auf 55,2 Millionen Euro.

Zwar verringerten sich auch die Aufwendungen von 64,8 auf 53,4 Millionen, doch war der von Ex-Sportvorstand Robert Palikuca zusammengebastelte Kader mit einem Personaletat von 17,7 Millionen (Bundesliga: 22,2) immer noch sündhaft teuer - und vor allem viel zu schlecht. "Ein Missverhältnis zwischen finanziellem Aufwand und sportlichem Ergebnis" hatte Rossow erkannt, der Finanzvorstand sprach denn auch von einer "großen Enttäuschung".

Wenig erfreulich ist auch der Anstieg der Verbindlichkeiten von 8,0 auf 9,8 Millionen Euro, die vor allem den kostspieligen Beurlaubungen der Cheftrainer Damir Canadi und Jens Keller sowie Sportvorstand Palikuca geschuldet sein dürften.

"Bei aller Freude über das letztjährige Ergebnis muss ich mahnend den Finger heben – das laufende Geschäftsjahr wird aufgrund der anhaltenden Corona-Effekte und einem schlechten sportlichen Ergebnis im Vorjahr wirtschaftlich äußerst anspruchsvoll", stimmte Rossow die Mitglieder auf eine ungewisse Zukunft ein. Schon das Heimspiel am Freitagabend gegen den Karlsruher SC wird angesichts steigender Infektionszahlen wieder vor leeren Rängen über die Bühne gehen und den Verein einen "mittleren, sechsstelligen Betrag" kosten. Insgesamt rechnet man am Valznerweiher in diesem Geschäftsjahr mit einem Verlust im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Notwendigkeit von lukrativen Transfers wollte Rossow deshalb nicht ausschließen.

Klare Worte fand Rossow für das skandalöse Totengedenken der Ultras für einen verstorbenen Neonazi: "Beim Club ist kein Platz für Rechtsextremismus", betonte der 44-Jährige. Es gibt eben auch Dinge beim 1. FCN, auf die man nicht unbedingt stolz sein kann.


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