Aus dem Quartett kommt nur ein Trio an

Spendenfahrt am Limit: Mit dem Rennrad vom Hauptmarkt an die Adria

5.10.2021, 12:54 Uhr
Nach über 20 Stunden im Sattel und rund 7000 Höhenmetern endlich Zeit für ein Gruppenbild in Caorle: Wolfgang Voit, Fabian Hassler, Sebastian Simon und Peter Renner (von links).

Nach über 20 Stunden im Sattel und rund 7000 Höhenmetern endlich Zeit für ein Gruppenbild in Caorle: Wolfgang Voit, Fabian Hassler, Sebastian Simon und Peter Renner (von links). © Foto: Tom Meyer

Wolfgang Voit hat schon einige verrückte Sachen auf dem Rennrad hingelegt.


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Aber über das Projekt "Meer & Medaillen" sagt er: "Konditionell war es das Härteste, was ich bislang gemacht habe. Aber dank des guten Wetters und der Kulisse war der Quälfaktor okay."

Zusammen mit Fabian Hassler aus Wilhermsdorf, dem Fürther Sebastian Simon und dem Nürnberger Peter Renner – alles begeisterte und leistungsstarke Radsportler – wollte der Burgfarrnbacher an einem Tag vom Nürnberger Hauptmarkt an die Adria fahren und dabei Spenden für den Nürnberger Sportförderverein "Der Goldene Ring" sammeln.

Es ist Nacht, als die vier Freunde am Freitagabend kurz nach 21 Uhr vom Schönen Brunnen am Nürnberger Hauptmarkt losrollen. Dass sie so spät – oder früh – starten, hat einen einfachen Grund: Lieber am Anfang, frisch und ausgeruht, im Dunkeln fahren als am Ende.

150 Kilometer in Einerreihe

Die Straßen sind leer, es ist kalt, am Himmel leuchten die Sterne. Die ersten 150 Kilometer fahren sie in Einerreihe, wechseln sich immer wieder an der Spitze ab, so machen sie schnell und effizient Strecke. Es läuft gut. Nach einer ersten ausgiebigen Pause bei Landshut geht es weiter durch die Nacht Richtung Süden.

Als es langsam hell wird, wartet nach rund 300 Kilometern in den Berchtesgadener Bergen an der Grenze zu Österreich das erste "Highlight", wie Voit sagt, auf die vier. Zwei steile Rampen mit bis zu 30 Prozent Steigung lassen die Beine schwer werden. Als es geschafft ist, erzählt Hassler, habe das bei ihm aber auch für "Euphorie" und nach einer mental anstrengenden Nacht für neuen Schwung gesorgt.

Wenig später ist es soweit: Die Passstraße am Großglockner, die sich auf 2500 Meter hochschlängelt, beginnt. Während drei aus dem Quartett die lange, anhaltend steile Auffahrt bei bestem Wetter und herbstlicher Kulisse fast schon "genießen" können, muss Peter Renner kämpfen. Er hat Magenprobleme, kann nichts mehr essen, bricht ein. "Ich habe einige Kehren mit mir gerungen, aber ich musste einsehen, dass Aufhören das Sinnvollste ist und ich auf meinen Körper hören sollte", erklärt der Mediziner.

Während Renner das Projekt nun aus dem Begleitfahrzeug heraus unterstützt, beschließen seine drei Freunde, auf Umwege zu verzichten und den schnellsten Weg ans Meer zu nehmen. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken und auch ohne Extratouren liegen noch rund 200 Kilometer und einige Anstiege vor ihnen. Also weiter. Nach dem Plöckenpass an der Grenze zu Italien haben sie die großen Schwierigkeiten gemeistert.

Müdigkeit und Dunkelheit

"Da weißt du, dass du es eigentlich geschafft hast", erzählt Simon. Trotzdem, die letzten 150 Kilometer bis ans Meer sind noch einmal richtig hart. Die Müdigkeit, die Dunkelheit, die körperliche Belastung machen allen zu schaffen, Hochs und Tiefs wechseln sich ab, jeder kämpft.

"Die letzte Stunde, wieder im Dunkeln zu fahren, das war für mich das Härteste", meint Simon, der laut eigener Aussage "die meiste Zeit mit einem Lächeln unterwegs" war. Gegen dreiviertel neun abends, nach 606 Kilometern, 7100 Höhenmetern und fast 24 Stunden – davon über 20 Stunden reine Fahrzeit – ist es endlich da: das Meer. "Ich war erleichtert, hungrig, durstig, müde. Es war einfach geil, anzukommen und es geschafft zu haben", erinnert sich Fabian Hassler.


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Der sportliche Teil des Projekts ist beendet, die Spendenaktion zugunsten der vom Goldenen Ring unterstützen Nachwuchssportler geht aber weiter unter dem Link: https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/39051-lust-auf-me-eh-r-und-medaillen

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