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Sport und Geselligkeit: Erni Brendel beim BVSV Nürnberg

86-Jährige engagierte sich viele Jahrzehnte im Verein, der Sport hält sie fit - 15.12.2020 11:32 Uhr

„Ich bin dankbar für alles“: Erni Brendel war als Mitgliederbetreuerin über viele Jahre die gute Seele des BVSV Nürnberg.

14.12.2020 © Foto: BVSV Nürnberg


Die Frage nach dem Warum kann Erni Brendel nicht so einfach beantworten. Im Jahr 1963 kam sie zum Behinderten- und Versehrtensportverein (BVSV) Nürnberg, wo sich ihr Mann trotz seiner Beinamputation mit Sitzball fit halten wollte. "Da habe ich dann ein bisschen mitgeholfen", erinnert sich Brendel. Als die Radabteilung gegründet wurde, kaufte sie sich ein Rad – und half mit. Als immer mehr Menschen Tennis spielen wollten, engagierte sie sich in der Tennisabteilung – und wurde mittelfränkischer Meister.

So ging das immer weiter. Ausprobiert hat Erni Brendel in den vergangenen 57 Jahren sehr viel, "ich war einfach immer da, wenn irgendwas war", erinnert sie sich. Sie war aber nicht einfach nur da, sie war eine Stütze des BVSV, die gute Seele des Vereins, die Frau, die überall mit anpackte, wenn es etwas zu tun gab.

"Mut gemacht und Trost gespendet"

Deshalb hat Werner Barge sie auch vorgeschlagen für diese Serie, die genau die Menschen in den Mittelpunkt rücken soll, die sonst im Hintergrund arbeiten. "Frau Brendel hatte immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Mitglieder in allen Vereinsbelangen und auch im privaten Bereich", sagt der Seniorenbeauftragte des BVSV. "Sie hat vielen Vereinsmitgliedern insbesondere den Senioren in den verschiedensten Lebenssituation Ratschläge gegeben, Mut gemacht und Trost gespendet."

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Durch ihre Offenheit und die Lust auf Neues hat sie in all den Jahren sehr viele Menschen kennengelernt, die im Sportverein ebenfalls eine Heimat fanden. Erni Brendel war beim Skifahren dabei, beim Wandern, Radfahren, Tennis, Schwimmen, beim Nordic Walking und in der Gymnastikgruppe. "Ich hab‘ fast alles gemacht", sagt Brendel, "dadurch bin ich auch noch so fit."

86 Jahre ist Erni Brendel schon alt, wer sich mit ihr unterhält, erlebt eine geistig sehr fitte Frau, die sich an jeden Moment erinnert, die klar formuliert und so für viele auch ein Vorbild ist. "Mein Gott, bist du gut drauf", sagt mancher, der sie erlebt, es schwingt immer auch ein bisschen Bewunderung mit in diesen Worten. "Natürlich hatte ich auch mal Wehwehchen und kleine Operationen", sagt Brendel. Die haben sie aber auch nicht davon abgehalten, sich in ihrem Verein zu engagieren.

Viele Freundschaften entstanden

Ab 1970 war sie in verschiedenen Funktionen im Vorstand aktiv, die letzten 30 Jahre war sie die "Mitgliederbetreuerin" des BVSV. Klingt nach Amtsdeutsch, nach einem Menschen, der Anträge abheftet und schaut, dass das Geld pünktlich auf dem Konto landet. Es ist kein Posten, für den man viel Lob bekommt, mit dem man in der Öffentlichkeit steht, aber das war Erni Brendel auch nie wichtig. Sie engagierte sich, weil sie es wollte, weil ihr die Menschen beim BVSV wichtig waren, weil sie wollte, dass sie sich genauso wohlfühlen wie sie es tut.

Aus den Begegnungen im Verein sind in all den Jahren viele Freundschaften entstanden, die sie gerne gepflegt hat. Jedes Mitglied ab 75 hat sie jährlich zum Geburtstag besucht und diesem ein kleines Geschenk überreicht, sie hat Jubiläumsfeiern organisiert – und wenn doch einmal ein Mitglied von dieser Welt ging, war Erni Brendel da, um diesem die letzte Ehre zu erweisen.

Auch jetzt, da allen der persönliche Austausch seit vielen Monaten fehlt, versucht sie den Kontakt zu halten und telefoniert mit ihren Mitgliedern, die längst Freunde geworden sind. Das Amt als Mitgliederbetreuerin hat sie vor kurzem aufgegeben, "ich wollte einfach nimmer", sagt sie, "und ich wollte die Nachfolgenden in Ruhe lassen." Dem Verein aber bleibt sie erhalten, sie will ja weiterhin fit bleiben – nur eben ohne die große Verantwortung, die sie über Jahrzehnte getragen hat.

Wenn die Pandemie vorbei ist, wird Erni Brendel wieder wandern gehen, Gymnastik machen und mit ihren Walkingstöcken spazieren. So, wie sie es fast ihr ganzes Leben gemacht hat. "Ich bin dankbar für alles, denn ich bin gesund", sagt sie. "Für mich war das immer zur Hälfte Sport und zur Hälfte Geselligkeit."

Und die Frage nach dem Warum? Dem Grund für ihr Engagement? "Das hat sich einfach so ergeben."

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